Luftfahrt
Flughäfen müssen Rollstuhlservice ausbauen

Die Zahl der Flug-Passagiere, die Hilfe bis zum Gate benötigen, steigt massiv an. Das hat finanzielle Folgen.

Benjamin Weinmann
Merken
Drucken
Teilen
Weil mehr ältere Menschen reisen, wird der Rollstuhldienst der Flughäfen mehr genutzt.

Weil mehr ältere Menschen reisen, wird der Rollstuhldienst der Flughäfen mehr genutzt.

Shutterstock

Wer in Zürich-Kloten seine Reise antritt, muss zuerst einige Schritte hinter sich bringen. Von den Check-in-Schaltern bis zu den Flugzeugen an den Gates kann es ein langer Weg sein. Besonders beschwerlich ist dieser für Menschen mit Gehbehinderung. Sie können deshalb am Flughafen gratis einen Rollstuhldienst in Anspruch nehmen. Eine Betreuungsperson begleitet die Person bis zum Flugzeug, und bei der Ankunft bis zum Ausgang des Flughafens. Beim Kauf des Tickets und spätestens 48 Stunden vor Abflug ist es möglich, diesen Service zu buchen. Und das tun immer mehr Passagiere.

Man verzeichne in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg, sagt Flughafen-Zürich-Sprecher Philipp Bircher. Konkret: 2010 waren es 120'000 Menschen, die Hilfe in Anspruch nahmen. 2017 zählte der Flughafen hingegen fast doppelt so viele Passagiere mit eingeschränkter Mobilität – kurz PRM genannt (persons with reduced mobility). Dies ist ein deutlich grösserer Anstieg im Vergleich zum totalen Passagierwachstum. Zum PRM-Dienst gehört auch die Betreuung von Menschen mit eingeschränktem Seh- und Hörvermögen, oder mit einer geistigen Behinderung.

180 Rollstühle im Einsatz

Mit ein Grund für den Anstieg: Seit 2008 sind die Flughäfen in Europa dazu verpflichtet, PRM-Passagiere bei ihrer Ab- und Anreise vor Ort zu unterstützen. Seit 2009 gilt dies auch für Schweizer Flughäfen. Vor Inkrafttreten der entsprechenden EU-Verordnung waren die Abfertigungsfirmen der jeweiligen Airlines dafür zuständig. Heute kann die Regelung als Erfolg bezeichnet werden. Die Dienstleistung ist bekannter, da stärker auf die Möglichkeit hingewiesen wird.

Die Hilfe für PRM-Passagiere wird in Zürich im Auftrag des Flughafens von der Careport AG erbracht, einer Tochter der Abfertigungsfirma Swissport. Rund 200 Angestellte und 180 Rollstühle sind für sie im Einsatz. Die Rollstuhl-Flotte wurde seit 2010 um 50 Stück erweitert.

Die zunehmende Zahl von PRM-Passagieren sei nicht nur in Zürich, sondern europaweit zu beobachten. Da Menschen zunehmend im hohen Alter noch reisen, sagt Flughafen-Sprecher Philipp Bircher. «In der Schweiz haben wir zudem sehr viele internationale Sportanlässe, wie zum Beispiel Rollstuhltennismeisterschaften, was zu relativ vielen PRM-Dienstleistungen führt.»

Derzeit gibt es am Flughafen Zürich pro Check-in-Bereich und pro Ankunftsbereich eine Wartezone für Passagiere, die Hilfe benötigen. Momentan seien keine Ausbau-Massnahmen geplant, sagt Flughafen-Sprecher Philipp Bircher. «Mit Blick auf die Entwicklung der Passagierzahlen beurteilen wir die Situation aber laufend neu.» Finanziert werden die Mobilitäts-Dienstleistungen solidarisch über die Passagiergebühren, die im Ticketpreis indirekt enthalten sind. Pro abfliegenden Passagier wird in Zürich ein Franken erhoben. Gemäss Geschäftsbericht der Flughafen Zürich AG kamen im Jahr 2016 rund 13 Millionen Franken zusammen.

Finanzielle Folgen

Am französisch-schweizerischen Euro-Airport in Basel-Mulhouse, wo die Firma CGS den Begleitservice übernimmt, ist die Anzahl PRM-Passagiere ebenfalls stark steigend. Dies erfordere teilweise neue Treffpunkte, sagt Euro-Airport-Sprecherin Vivienne Gaskell, damit der Service effizienter werde. In Basel hat der Boom auch finanzielle Folgen. Die entsprechende PRM-Gebühr, die jeder Reisende bezahlt, wird ab 2018 erhöht – von 80 auf 85 Rappen für Passagiere, die ab Basel fliegen, und von 65 auf 69 Euro-Cent ab Mulhouse.