Flughafen Zürich: Dock E wird temporär stillgelegt - und Alitalia misst das Fieber vor Flügen nach Rom

Nur noch 5 Prozent der üblichen Passagierzahl verkehrt derzeit in Zürich-Kloten. Deshalb reagiert der Flughafen mit weiteren Massnahmen, um Kosten zu sparen.

Benjamin Weinmann
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Am Flughafen Zürich wird neuerdings die Körpertemperatur von Alitalia-Passagieren gemessen.

Am Flughafen Zürich wird neuerdings die Körpertemperatur von Alitalia-Passagieren gemessen. 

Swissport

Die grosse Abflug-Anzeigetafel im Terminal 1 am Flughafen Zürich ist dieser Tage praktisch leer. Nur noch wenige Flüge heben derzeit in Kloten ab. Der Grossteil der weltweiten Flugzeugflotten steht still. Auch die Terminals haben sich entsprechend geleert. Passagiere sind Mangelware.

Nun hat der Flughafen Zürich mit einer weiteren Massnahme reagiert, um die Kosten zu senken. Seit Ende März werde das Dock E nicht mehr genutzt, sagt Sprecherin Raffaela Stelzer auf Anfrage. Vor allem Interkontinentalflüge nach San Francisco oder Bangkok, welche im Dock E abgefertigt wurden, gibt es momentan praktisch keine. Die Swiss fliegt derzeit nur noch nach New York. Das Flug- und Passagieraufkommen beträgt in Kloten derzeit noch etwa 5 Prozent im Vergleich zu normalen Zeiten.

Mit diesem Schritt kann der Flughafen den Betrieb der Skymetro, welche die Passagiere vom Airside-Center ins Dock E bringt bis auf weiteres einstellen. Zudem spart die Firma laut Sprecherin Stelzer Reinigungs- und Stromkosten. Wie hoch diese Einsparungen ausfallen, könne man noch nicht sagen.

Leere Metro fährt hin- und her

Aus Unterhaltsgründen bleibt das Dock E allerdings nicht komplett unbenutzt. „Wir gehen davon aus, dass die Skymetro rund einmal wöchentlich eingesetzt wird“, sagt Stelzer. Aus Unterhaltsgründen wird sie somit ohne Passagiere hin- und herfahren. Auch die WC-Spülungen und das Warmwasser-Hahnen im Dock E müssen regelmässig betätigt werden. Weitere temporäre Schliessungen von Gebäudeteilen seien nicht auszuschliessen.

Vor zweieinhalb Wochen hatte der Flughafen diverse Hygiene- und Social-Distancing-Massnahmen eingeführt. So wurden die Airlines angehalten, das Aussteigen der Passagiere bei Langstreckenflugzeugen zu verlangsamen, um den nötigen Abstand zu gewährleisten. Die Ankunft im Terminal 1 wurde geschlossen und ein Nummernsystem wie bei den Detailhändlern wurde für den Zutritt eingeführt. Und mehrmals pro Stunde erinnern Durchsagen an das nötige Abstandhalten.

So genannte Exit-Screenings, wie sie im Ausland teilweise durchgeführt werden, waren bis anhin in der Schweiz kein Thema. Seit Anfang April müssen sich nun aber Passagiere, die mit Alitalia nach Italien fliegen, einem solchen Gesundheitscheck unterziehen. Dies gilt für Flüge ab Zürich und Genf, die derzeit einmal täglich nach Rom abheben.

Fiebermessen vor dem Flug nach Rom

Diese Massnahme ist eine Auflage der italienischen Regierung, welche ein solches Screening für die Einreise voraussetzt. Das Bundesamt für Gesundheit ist hierzulande darüber informiert. In Zürich hat Alitalia die Firma Swissport damit beauftragt, welche wiederum den Auftrag an die Sicherheitsfirma Checkport delegiert hat, wie Swissport-Sprecherin Nathalie Berchtold bestätigt.

Und so funktioniert es: Ein Checkport-Agent misst direkt am Gate vor dem Einsteigen mit einem kontaktlosen Wärmemesser die Temperatur der Passagiere und bestätigt mit dem Abstempeln des Boardingpasses, dass der Reisende den aktuellen Einreisebestimmungen der italienischen Behörden entspricht. Diese sehen eine maximale Körpertemperatur von 37,4 Grad vor. Die Checkport-Agenten sind mit Handschuhen und Gesichtsmasken geschützt und halten eine Armlänge Abstand zu den Passagieren.

Das Eidgenössische Bundesamt für Gesundheit hat bisher keine Gesundheitschecks angeordnet für Passagiere, die in die Schweiz fliegen. Ein Sprecher sagt, dies könnte allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt zum Thema werden, allerdings nur in Abstimmung mit anderen europäischen Flughäfen.

Abu Dhabi geht neue Wege - mit Hilfe von Amazon

In Abu Dhabi testet derweil die Fluggesellschaft Etihad eine neue Technologie, um kranke Passagiere zu erkennen. Am Etihad-Hub stehen neuerdings Selbstbedienungsgeräte, welche die Körpertemperatur, Herz- und Atemfrequenz der Reisenden messen können. Sie stehen beim Check-in, bei der Gepäckausgabe oder der Zollkontrolle. Erkennt das Gerät Krankheitssymptome, wird eine Telefonverbindung aufgebaut oder das Flughafenpersonal alarmiert. Der Test funktioniert kontaktlos und via Spracherkennung. Hinter der Technologie stehen ein australisches IT-Unternehmen und die „Web Services“-Sparte des US-Internetgiganten Amazon. Die Tests laufen ab Ende April bis Ende Mai.

Beim Flughafen beobachtet man diese Entwicklung, wie Sprecherin Raffaela Stelzer sagt: „Je nachdem wie sich die Situation und die unterschiedlichen Ein- und Ausreisebestimmungen weiter entwickeln, werden wir oder die Airlines unterschiedliche Geräte für solche Gesundheitschecks prüfen müssen.“

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