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Boeing 737 Max hat nun auch in der Heimat Flugverbot

In den USA bleiben die Flugzeuge der Bauart Boeing 737 Max am Boden. Gestern ordnete Präsident Donald Trump einen Flugstopp an. Dies nachdem sich auch der Hersteller Boeing nicht mehr gegen die Entscheidung gewehrt hatte.
Renzo Ruf, Washington
Boeing-Maschinen der Southwest Airlines auf dem Flughafen in Seattle. Bild: Ted S. Warren/AP (5. Februar 2019)

Boeing-Maschinen der Southwest Airlines auf dem Flughafen in Seattle. Bild: Ted S. Warren/AP (5. Februar 2019)

Kehrtwende der amerikanischen Regierung. Nachdem Kanada gestern Morgen den Luftraum für Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max gesperrt hatte, gab auch die Regierung von Präsident Donald Trump ein Grounding sämtlicher Maschinen bekannt. Diese Anordnung gelte «bis auf weiteres», sagte Trump im Weissen Haus. Diese Entscheidung sei angebracht, auch «aus psychologischen Gründen». Etwas später meldete sich ebenso die Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) mit einer ähnlich formulierten Stellungnahme zu Wort.

Die Erklärung kam auch deshalb überraschend, weil die FAA noch am Dienstagabend versichert hatte, dass es nach dem Absturz zweier Flugzeuge des neuen Boeing-Typs «keine Grundlage» für ein Grounding gebe. Bei der entsprechenden Überprüfung durch die FAA seien keine «systemischen Probleme» bei der Boeing 737 Max 8 oder 9 zu Tage getreten, sagte der geschäftsführende FAA-Verwalter Daniel Elwell.

Von der Entscheidung sind drei amerikanische Fluggesellschaften betroffen: Southwest Airlines (31 Flugzeuge des Typs Max 8), American Airlines (24) sowie United Airlines (14 Flugzeuge des Typs Max 9). Zum Zeitpunkt von Trumps Stellungnahme befand sich rund ein Dutzend Flugzeuge der betroffenen Bauart im amerikanischen Luftraum. Auch die Unternehmen hatten sich zunächst – und nach den Flugzeugabstürzen dieses Maschinentyps in Indonesien und Äthiopien – auf den Standpunkt gestellt, dass ein Grounding nicht angebracht sei. So sagte Jon ­Weaks, der Präsident des Berufsverbandes der Southwest-Piloten, am Dienstag, seine Gewerkschaft sei «extrem überzeugt» davon, dass die gesamte Flotte der Fluggesellschaft «sicher» sei.

Etwas weniger überzeugt gaben sich die Vertreter des organisierten Kabinenpersonals. Zwei Gewerkschaften forderten bereits am Dienstag, «als Vorsichtsmassnahme», das Grounding sämtlicher Boeing-737-Max-Maschinen.

Ähnliche Töne wie die South­west-Piloten schlug Boeing an. Am Dienstag sah sich Konzernchef Dennis Muilenburg gar dazu veranlasst, während eines Telefongesprächs mit Präsident Trump allfällige Zweifel an der Sicherheit des Aushängeschildes von Boeing aus dem Weg zu räumen. Trump hatte sich zuvor auf Twitter darüber beklagt, moderne Flugzeuge seien «viel zu kompliziert», und der Einsatz moderner Technologie könne «gefährliche» Folgen haben. Trump behauptete, dass diese Entwicklung dazu führe, dass Piloten durch Computerspezialisten ersetzt werden müssten, die einen Abschluss der Elite-Universität MIT besässen. «Ich weiss nicht, was sie davon halten, aber ich will nicht, dass Albert Einstein mein Pilot ist», schrieb Trump. Kritik an Boeing übten auch führende Politiker der Demokraten und Republikaner.

Proaktiver Schritt

Der Industriekonzern Boeing gilt in Washington als Unternehmen, dass sich normalerweise nicht darum Sorgen machen muss, an den politischen Pranger gestellt zu werden. Dank einer starken politischen Verankerung besitzt das Unternehmen in der Hauptstadt einflussreiche Fürsprecher. Auch am Kabinettstisch im Weissen Haus ist Boeing direkt vertreten. Der aktuelle Verteidigungsminister Patrick Shanahan war 30 Jahre lang für das Unternehmen tätig, bevor er im Sommer 2017 ins Pentagon wechselte.

Shanahan leitet das Ministerium seit dem 1. Januar, als geschäftsführender Nachfolger von Jim Mattis. Intern soll Shanahan den Boeing-Konkurrenten Lockheed Martin regelmässig kritisieren, und die Produkte seines ehemaligen Arbeitgebers anpreisen.

Weil gestern das Nachbarland Kanada den Luftraum für den umstrittenen Flugzeugtyp sperrte, dies mit dem Verweis auf neue Satellitenaufnahmen aus Äthiopien, und sich die US-amerikanischen Fluggesellschaften mit logistischen Pro­blemen konfrontiert sahen, gaben als letzte Aufsichtsbehörde auch die FAA nach. Boeing sagte in einer Stellungnahme, man habe nach wie vor Vertrauen in die 737 Max. Im Gespräch mit der FAA und der Untersuchungsbehörde NTSB (National Transportation Safety Board) habe man sich aber zu einem Grounding entschieden. In einer Stellungnahme war von einem «proaktiven» Schritt die Rede.

An der Börse in New York gab der Kurs der Boeing-Aktie erneut nach. Am vorigen Freitag war das Papier noch für mehr als 422 Dollar gehandelt worden – am Mittwoch war die Aktie zwischenzeitlich nur noch rund 364 Dollar wert, bevor der Kurs sich wieder etwas erholte.

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