Langenthal
Flugzeugbauer Calag investiert 17 Millionen in Neubau

Der Langenthaler Fahrzeugbauer macht einen mutigen Schritt vorwärts. Das Unternehmen investiert jetzt 17 Millionen Franken in einen Neubau. So will Firmenchef Kurt Späti künftig rationeller produzieren.

Franz Schaible
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Kurt Späti

Kurt Späti

Solothurner Zeitung

Auch oder gerade in wirtschaftlich schwierigen Phasen braucht es Unternehmer, die im Glauben an eine positive Zukunft eine Vorwärtsstrategie verfolgen. Einer davon ist Kurt Späti, Geschäftsleiter und Alleinaktionär der Calag Carrosserie Langenthal AG. Auf dem Wolfhusenfeld im Westen der Oberaargauer «Metropole» zieht das traditionsreiche, 1888 gegründete Unternehmen einen riesigen Neubau hoch. Die Nutzungsfläche der beiden in L-Form angelegten Hallen beträgt fast 13000 Quadratmeter. Inklusive Neuanlagen und Einrichtungen investiert Calag rund 17 Millionen Franken. Bereits in einem Jahr werden die rund 130 Angestellten in neuer Umgebung und mit neuester Technologie den diversifizierten Karosseriebetrieb weiter entwickeln.

Komplett neue Betriebsabläufe

«Wir bereiten uns mit dem Neubau auf die Herausforderungen der Zukunft vor», erklärt der 52-jährige Kurt Späti. Denn gleichzeitig erfolge ein Modernisierungsschub. «Wir werden künftig rationeller und dank deutlich tieferem Energieverbrauch auch umweltschonender produzieren.» Das unter dem Strich resultierende Sparpotenzial beziffert Späti auf «mehrere Hunderttausend Franken».

Calag ist in den vier Geschäftsfeldern Karosserie, Fahrzeugbau, Beschriftung und Oberflächenbehandlung aktiv. Hauptpfeiler sind dabei der Fahrzeugbau und die Reparatur von Nutzfahrzeugen sowie Personenwagen, wie Späti erläutert. Das Spektrum reiche von Neuanfertigungen bis hin zu Aufbauten wie Ladekräne. Was am bisherigen Standort über viele Jahrzehnte in mehreren Hallen historisch gewachsen ist, wird am neuen Domizil nach Sparten zusammengefasst. So werden die Neuanfertigung und die Reparatur von Grossfahrzeugen in einer Halle konzentriert. In der zweiten Halle werden Autokarosserie, die Lackiererei und die Beschriftung Platz finden. «Dank dem Neubau werden wir unsere Betriebsabläufe komplett neu organisieren und die ganze Produktion optimieren», blickt Späti voraus.

«Nicht besonders risikofreudig»

Obwohl die Millioneninvestition für den mittelständischen Betrieb ein grosser Brocken ist, bezeichnet sich der Unternehmer nicht als «besonders risikofreudig». Die Risiken seien überschaubar und die Kosten für die Finanzierung des Neubaus würden bei der gegenwärtigen Zinssituation nicht höher sein als bisher. Die Rückzahlung der Kredite sei gesichert. «Denn wir sind überzeugt, dass sich der Geschäftsverlauf weiterhin positiv entwickeln wird.» Zwar könne dafür niemand eine Garantie abgeben, aber «wir setzen auf Kontinuität». In den kommenden Jahren rechnet Kurt Späti mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von fünf Prozent. Dabei werde es im kommenden Jahr zu einem Umsatzsprung von 23 Millionen im 2009 auf über 30 Millionen Franken kommen. «Schuld» daran ist ein Grossauftrag der Schweizer Armee (siehe Kasten).

Doch nicht alleine die Geschäftsentwicklung begründet die Expansionsstrategie. Späti führt auch einen «äusseren Antrieb» ins Feld und meint damit, dass der Besitzer der Liegenschaften am bisherigen Standort Eigenbedarf angemeldet habe. «Wir mussten also gezwungenermassen einen neuen Standort suchen», gesteht er ein.

Arbeitsplätze in Langenthal

Dank der guten Zusammenarbeit mit der Burgergemeinde Langenthal – sie stellt das Land im Baurecht zur Verfügung – habe eine rasche Lösung gefunden werden können. «Damit wurde auch unserem Wunsch, die Arbeitsplätze in Langenthal zu erhalten, Rechnung getragen», sagt Späti, der das Unternehmen Anfang 2004 übernahm. Er, der diplomierte Treuhandexperte und Buchhalter, bezeichnet sich als «Quereinsteiger und als Branchenneuling». Dass das kein Nachteil sein muss, zeigt die Entwicklung der Firma seit der Übernahme. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg von knapp 100 auf heute 130 an. Und für weitere Grosstaten sind die Langenthaler gerüstet. Für einen möglichen Ausbau stehen der Calag am neuen Standort fast 10000 Quadratmeter Landreserve zur Verfügung.