FÖRDERUNG: Gute Ideen sichern das Überleben

Hohe Personalkosten und starker Franken – wie kaum in einem anderen Land stehen Schweizer KMU unter Druck, innovativ zu sein. Wer nichts erfindet, verliert seine Existenzberechtigung.

Bernard Marks
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Dank innovativer Kaffeemaschinen zieht Thermoplan aus Weggis einen Auftrag nach dem anderen an Land und schafft Stellen. (Bild: Archiv  / Neue LZ)

Dank innovativer Kaffeemaschinen zieht Thermoplan aus Weggis einen Auftrag nach dem anderen an Land und schafft Stellen. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Bisher wurde ein Brillenglas aus einem 130 Gramm schweren Rohling gefräst und dann aufwendig geschliffen. Dafür brauchte es viel Energie, Wasser und hochgiftige Chemie. Am Ende wiegt das fertige Glas nicht einmal 20 Gramm. Das war bisher. Nun kommt die Wearlite AG aus Cham mit einem innovativen Produktionsverfahren auf den Markt. Statt geschliffen wird gegossen. Das Beste: Bei diesem Verfahren sind alle Korrekturen für die individuelle Sehschärfe bereits enthalten. Zudem werden weniger Frischwasser und weniger giftige Stoffe benötigt.

Die Wearlite AG gewann damit den Schweizer Innovationspreis 2013. «Innovationen kann man nicht alleine machen», erklärt der Geschäftsführer der Wearlite AG, Frank Pfeffer. Auf das sehr gute Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Wissenschaft komme es an.

Weltmeister der Innovation

Innovation, das heisst «Neuerung» oder «Erneuerung». Innovationen resultieren dann aus Ideen, wenn diese in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren umgesetzt werden. Die Schweiz darf sich guten Gewissens als «Innovationsweltmeister» bezeichnen. So rangiert sie beispielsweise 2012 auf dem ersten Rang des «Global Innovation Index» der World Intellectual Property Organization (Wipo). Viele Innovationen wie diejenige der Wearlite AG helfen KMU trotz hoher Kosten und einem starken Franken nicht nur auf dem Schweizer Markt, sondern auch im Ausland konkurrenzfähig zu bleiben.

Innovationspreise gibt es zahlreich in der Schweiz. Der älteste seiner Art (26 Jahre) ist derjenige der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ). Auch in diesem Jahr haben sich zahlreiche namhafte Firmen aus der Region dafür beworben. «Gute Ideen für Produkte sollen schliesslich gefördert und gewürdigt werden», sagt dazu der Direktor der IHZ, Felix Howald. Er ist überzeugt: «Die Schweizer Volkswirtschaft kann nur dann überleben, wenn sie innovativ ist.»

Die Innovationskraft von KMU soll in Zukunft effizienter gefördert werden. Die Zentralschweizer Volkswirtschaftsdirektoren- Konferenz (ZVDK) will dafür über die Bücher und ihre Innovationsstrategie im Jahr 2014 anpassen. Die Frage ist dabei nur, wie. Antworten soll eine aktuelle Umfrage der IHZ liefern. Die Umfrage, an der 222 KMU aus allen Zentralschweizer Kantonen teilgenommenhaben, zeigt ein innovationsfreudiges Umfeld: 90 Prozent aller befragten Firmen haben in den letzten drei Jahren an Innovationen gearbeitet. Davon gaben 40 Prozent an, einen Prototyp entwickelt zu haben. 50 Prozent entwickelten ihr Produkt zur Marktreife.

Unterstützung ist nötig

Eine zentrale Frage war dabei, welche Unterstützung Zentralschweizer Unternehmer benötigen, um weiterhin innovativ sein zu können. «Das Wichtigste sind gute Rahmenbedingungen wie tiefe Steuern oder der Zugriff auf qualifiziertes Fachpersonal», sagt Howald. Der Staat sollte keine regulatorischen Hürden einbauen. Aus der Umfrage ergeben sich allerdings weitere Ansatzpunkte für Förderungsmöglichkeiten. Eine der grössten Herausforderungen ist es für Unternehmer zum Beispiel, genau zu erkennen, wie gross das Marktpotenzial für ein entstehendes Produkt sein könnte. Ausserdem sei es neben dem täglichen Geschäft anspruchsvoll, Mitarbeiter für die Arbeit an innovativen Produkten zu motivieren. Natürlich wurde von den KMU auch das Thema der Finanzierung als problematisch genannt. Oftmals fehle der Zugang zu Risikokapitalgebern.

«Innovationsförderung ist keine Sache, die man auf Knopfdruck machen kann. Der Prozess ist langwierig und komplex. Zuallererst ist immer die Kreativität gefragt», so Howald.

Wie krisenfest ist die Zentralschweiz?

Der Verein Innovationstransfer Zentralschweiz ITZ dient als Drehscheibe für den Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft.

Willy Küchler, warum stehen Firmen heute so stark unter Druck, innovativ zu sein?

Willy Küchler: Vor allem gegenüber ausländischen Firmen müssen Schweizer Firmen konkurrenzfähig bleiben. Dafür haben wir in der Schweiz wegen des hohen Lohnniveaus und der starken Währung schlechtere Voraussetzungen als die Firmen im Ausland. Wenn wir aber schlechte Wechselkurse haben, müssen wir dafür sorgen, auf anderen Gebieten die Nase vorn zu haben.

Wie steht die Zentralschweiz punkto Innovationskraft da?

Küchler: Zwar liegen wir bei der Zahl von neuen Patenten nicht an der Spitze. Aber es ist fraglich, ob das der richtige Parameter ist, um die Innovationskraft einer Region zu messen. Der wesentliche Vorteil der Zentralschweizer Wirtschaft ist, dass sie breit aufgestellt ist und daher nicht so anfällig ist, falls ein Wirtschaftszweig einmal in die Krise gerät. Die Zentralschweiz ist sehr krisenfest. Das sieht man deutlich an der stabilen Beschäftigungslage.

Was sind heute die Herausforderungen, Innovation zu fördern?

Küchler: Die Innovationskraft der Firmen in der Zentralschweiz ist besser geworden. Aber wir müssen schauen, dass Innovationen auf breiter Basis weiterhin gefördert werden. Deshalb haben wir die aktuelle Umfrage zusammen mit der IHZ gemacht. Wir wollen herausfinden, in welchen Bereichen wir die Förderung der Innovationskraft von Firmen verbessern können. Die politischen Rahmenbedingungen sind dafür ein wichtiger Mosaikstein. Es gibt aber noch mehr Potenzial. In der Zentralschweiz ist die Hochschule zwar bereits sehr nah an der Wirtschaft. Doch die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen wissenschaftlichen Playern kann ausgebaut werden. Wir schauen oft noch zu sehr vor der eigenen Haustür, wenn wir nach Lösungen suchen.

Interview Bernard Marks