Fokus auf Dichtungstechnik: Urner Dätwyler-Konzern stellt sich neu auf

Dätwyler gibt Details zum Umbau bekannt. Im Kanton Uri dürfte die Belegschaft stabil bleiben.

Maurizio Minetti
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Blick in die neue sogenannte Lean-&-Clean-Fertigung am Standort Schattdorf: Hier stellt Dätwyler seit knapp einem Jahr Dichtungskomponenten für die Automobilindustrie unter Reinraumbedingungen her.

Blick in die neue sogenannte Lean-&-Clean-Fertigung am Standort Schattdorf: Hier stellt Dätwyler seit knapp einem Jahr Dichtungskomponenten für die Automobilindustrie unter Reinraumbedingungen her.

Alexander Sauer/Dätwyler

Dätwyler steht vor einer weiteren Verschlankung der Organisation. Hintergrund ist der kurz vor Weihnachten beschlossene Verkauf der wenig profitablen Handelssparte. Die beiden ­Distributionsunternehmen für elektronische Komponenten Distrelec und Nedis werden bekanntlich an die deutsche Beteiligungsgesellschaft Aurelius verkauft (wir berichteten).

Der traditionsreiche Urner Konzern will sich künftig nur noch auf das Geschäft mit Dichtungskomponenten konzentrieren. Diese Komponenten werden unter anderem für Nespresso-­Kaffeekapseln oder im medizinischen Bereich verwendet.

Rund 900 Angestellte im Kanton Uri

Das Dichtungsgeschäft war bisher in die Märkte allgemeine Industrie, Automobil und Gesundheitswesen aufgeteilt. Neu werden die Aktivitäten der Division Sealing Solutions in die beiden Geschäftsbereiche Health Care Solutions und Industrial Solutions aufgeteilt. Diese erzielten 2018 gemeinsam einen Umsatz von rund 890 Millionen Franken, wobei der Bereich Industrial etwas grösser ist als Health Care. Die operative Marge dieser Geschäfte lag 2018 bei über 17 Prozent. Hinzu kommen die zwei Serviceeinheiten Technology & Innovation sowie Finance & Shared Services, womit die Forschung und Entwicklung, das Finanzwesen und weitere rückwärtige Dienste in der Holding verbleiben. Alle anderen Firmensegmente sollen früher oder später verkauft werden. Für den Online-Distributor Reichelt – die dritte Marke des Handelsgeschäfts – sucht Dätwyler derzeit noch einen Käufer.

Man wolle sich künftig auf langfristig profitabel wachsende Märkte fokussieren, teilte Dätwyler am Dienstag mit. «Wir schaffen damit eine starke Basis für organisches Wachstum in attraktiven Märkten», sagte Konzernchef Dirk Lambrecht an einer Telefonkonferenz. Zukäufe schliesst der Konzernchef nicht aus. Mit dem Umbau ist Dätwyler definitiv kein Mischkonzern mehr. Bereits der ehemalige CEO Paul Hälg hatte vor rund 15 Jahren aus ursprünglich fünf Divisionen zwei gemacht.

Heute beschäftigt der Konzern in der Fabrik für Dichtungskomponenten in Schattdorf rund 580 Personen. Hinzu kommen im Heimmarkt Uri die über 300 Angestellten von Dätwyler Cabling Solutions in Altdorf – eine eigenständige Schwesterfirma des Unternehmens. Zählt man unterstützende Funktionen am Hauptsitz in Altdorf hinzu, beschäftigen die Dätwyler-Firmen im Kanton Uri aktuell rund 900 Personen. An dieser Zahl dürfte sich auch nach der Reorganisation kaum etwas ändern, heisst es aus Altdorf. Manche Angestellte werden organisatorisch in neue Abteilungen transferiert oder bekommen neue Vorgesetzte. «Eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ist aber nicht geplant», sagt ein Firmensprecher.

Finanzchef wird ausgewechselt

Offen ist allerdings, was mit der Holdinggesellschaft sowie mit den globalen Funktionen der Dichtungssparte passiert. Für diese in Altdorf stationierten Einheiten prüfe man Optionen, erklärt Dätwyler. Im Klartext könnte dies bedeuten, dass die Einheiten zusammengelegt werden, was zum Abbau einiger Stellen führen könnte. Allerdings sei es noch zu früh, um darüber Auskunft zu geben, sagt der Sprecher. Einzelheiten dazu seien an der Bilanzmedienkonferenz Anfang Februar zu erwarten.

Im Zuge der Reorganisation erneuert Dätwyler auch die Konzernleitung. Der Geschäftsbereich Health Care Solutions wird in Zukunft von Dirk Borghs geführt, der bisher für alle Produktionsstandorte im Konzernbereich Sealing Solutions verantwortlich war. Die Leitung des Geschäftsbereichs Industrial Solutions wird von Torsten Maschke übernommen, dem bisherigen COO von Sealing Solutions.

Zudem übernimmt Frank Schön die Führung der neu gebildeten Serviceeinheit Technology & Innovation. Auch den Finanzchef wechselt Dätwyler aus. Der langjährige Amtsinhaber Reto Welte geht per Ende März dieses Jahres in Pension. Zu seinem Nachfolger und Mitglied der Konzernleitung wurde Walter Scherz, bisheriger CFO des Bereichs Technical Components, ernannt.