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Zwei Jungunternehmerinnen wollen Food Waste im Keim ersticken

Anastasia Hofmann und Naomie MacKenzie verfolgen mit ihrem Start-up Kitro einen neuen Ansatz, wie man Lebensmittelverschwendung verringern kann. Dank ihrer Erfindung werden sie bereits von Anfragen überhäuft.
Stefan Welzel
Anastasia Hofmann (links) und Naomi MacKenzie in ihrem Co-Working-Space in Zürich. (Bild: Dominik Wunderli (21. November 2018))

Anastasia Hofmann (links) und Naomi MacKenzie in ihrem Co-Working-Space in Zürich. (Bild: Dominik Wunderli (21. November 2018))

Rund zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel gehen in der Schweiz jedes Jahr verloren. So lautet die Schätzung des Berner Vereins foodwaste.ch. Das entspricht gut einem Drittel aller Lebensmittel hierzulande. Experten sind sich einig: Ein grosser Teil dieser Essensverschwendung ist vermeidbar – im Detailhandel sollen es bis zu 95 Prozent, in der Gastronomie zumindest zwei Drittel sein. In Letzterer wollen nun zwei junge Frauen dafür sorgen, dass der unnötigen Verschwendung Einhalt geboten wird. Anastasia Hofmann (26) und Naomie MacKenzie (25) haben sich hierfür ein Produkt ausgedacht, das eine technologie­gekoppelte Lösung anbietet.

Mit ihrem Start-up Kitro verfolgen die beiden Absolventinnen der Lausanner Hotelfachschule EHL einen gänzlich neuen Ansatz. Mit Hilfe von befreundeten Ingenieuren der ETH Zürich entwickelten sie eine Hardware, die mittels Waage und Kameras Küchenabfälle in Hotels und Restaurants erfasst. Eine entsprechende Software wertet die Daten aus und zeigt den Unternehmen, wo und wie sie Lebensmittel einsparen und damit auch Kosten senken können. «Die Erfassung erfolgt sehr detailliert, so wird zum Beispiel auch ersichtlich, ob Abfälle aus dem Lager oder vom Teller eines Gastes kommen», erklärt die Halbtexanerin Mac Kenzie auf Schweizerdeutsch mit amerikanischem Akzent. So kann künftig dank Erfahrungswerten schon beim Einkauf und beim Kochen ein Überschuss vermieden werden. Der ganze Erfassungsprozess läuft vollautomatisch. Zusätzlichen Aufwand für die Angestellten gibt es nicht.

Locker, international und fast beängstigend abgeklärt

MacKenzie und Hofmann sind in Zürich zu Hause. Das Büro ihres Start-ups befindet sich in einem von der ETH bereitgestellten Co-working Space unweit des Hauptbahnhofs. Hier schwirren etliche talentierte, von ihrer Innovation überzeugte Jungunternehmer durch die engen Gänge. Englisch scheint die inoffizielle Bürosprache zu sein. Wenn die Unterhaltungen nicht ganz in der Weltbusinesssprache geführt werden, so sind sie zumindest gespickt mit allerlei englischen Ausdrücken. Das Ambiente ist betont locker, polyglott, international – und trotzdem wirken die jungen Macher oft fast beängstigend professionell und abgeklärt.

Haben die beiden keine Bedenken, dass Mitarbeiter von Kunden etwas gegen diese Form der Kontrolle einwenden könnten? «Natürlich muss vom jeweiligen Management kommuniziert werden, dass die Angestellten mit unserem Produkt nicht überwacht werden. Wir machen ja keine Fotos von Mitarbeitenden, sondern stellen ein Werkzeug zur Verfügung, das den Betriebsablauf optimiert, Lebensmittel einspart, zusätzlich den Wasserverbrauch verringert sowie Kosten senkt», betont Hofmann. Das Kitro-Produkt unterscheidet sich wesentlich von bereits bestehenden Ansätzen der Food-Waste-Bekämpfung. Zahlreiche Apps geben heutzutage Tipps, mit welchen Rezepten man zu Hause seine Reste für eine leckere Mahlzeit verwenden kann; oder wo Private und gemeinnützige Organisationen Übriggebliebenes aus den Ladenregalen und den Restaurantküchen vergünstigt abholen können.

Die Idee zu ihrem Produkt kam Hofmann und MacKenzie während ihrer gemeinsamen Zeit an der EHL. Während Praktika in unterschiedlichsten Betrieben fiel beiden die grosse Verschwendung von Nahrungsmitteln auf. «Unser zentraler Antrieb ist der ökologische Aspekt. Der bleibt für uns sehr wichtig. Aber natürlich folgt der ökonomische auf dem Fuss. Die Kunden wollen und sollen mit unserem Produkt Kosten senken», so Hofmann. Seit November 2017 ist Kitro als Aktiengesellschaft im Kanton Waadt eingetragen. Noch läuft die Testphase mit der dritten Version ihres Produkts. Partnerbetriebe sind überwiegend Hotels und Kantinen. Über einen Zeitraum von einem halben bis zu einem ganzen Jahr werden die Daten aufgenommen, um in diesem Entwicklungsstadium zu verlässlichen Analysen zu kommen. «Zu Beginn liefen die Testphasen nur drei Monate. Doch bereits nach diesen 90 Tagen konnten wir erreichen, Lebensmittelabfälle um 40 Prozent zu senken», so Hofmann. Mit Luft nach oben. Möglich seien bis zu 60 Prozent.

«Langfristig ist es unsere Absicht, auch im Ausland Fuss zu fassen.»

Wie das endgültige Produkt dann aussehen wird, weist sich erst im Verlauf des kommenden Jahres. Hard- wie Software wird laufend optimiert. Ihr mit Umweltidealismus gepaarter Unternehmergeist wurde Mitte November mit dem Schweizer Tourismuspreis «Milestone» in der neuen Kategorie «Premiere» belohnt – und sorgte für ordentlich Aufmerksamkeit in der Branche. An Interessenten mangelt es nicht. «Wir sind optimistisch. Zurzeit haben wir mehr Anfragen als Geräte», sagt MacKenzie. Bisher finanziert sich Kitro über Unterstützungsprogramme wie dasjenige des europäischen Netzwerks für Innovationen gegen den Klimawandel Climate-KIC oder sogenannte Business Angels, die mit Kapital und betriebswirtschaftlichem Know-how helfen. Damit kam über eine halbe Million Franken zusammen.

Grosse Kantinen sowie Schweizer Ableger internationaler Hotel- und Restaurantketten sind bislang die Zielgruppe von Kitro. «Da wir aber jetzt schon mit international tätigen Firmen zusammenarbeiten, ist es langfristig unsere Absicht, auch im Ausland Fuss zu fassen», sagt Hofmann. Fernziel sei es, auch eine Light-Version für kleinere Betriebe anzubieten.

Berichte in drei Sprachen

Bis Juni 2019 ist die erneuerte Version des Abfallermittlers betriebsbereit. Eine begrenzte Anzahl von 35 Prototypen wird dann in den Testbetrieb gehen. Wie teuer das Produkt den Käufer am Ende des Entwicklungsprozesses zu stehen kommt, ist noch unklar. Für die Datenverarbeitung bezahlt der Kunde monatlich. Die Höhe dieses Betrages wird dabei vom Umfang der Datenanalyse abhängen.

Ganz ihrem internationalen Anspruch und Hintergrund entsprechend kann man die Berichte bei MacKenzie und Hofmann in Deutsch, Französisch oder auch Englisch anfordern. Bis ihr Erzeugnis marktreif ist, soll dann auch die Internetseite von Kitro in all diesen Sprachen abrufbar sein. «Das steht noch auf unserer To-do-Liste», sagt MacKenzie und lacht. Bisher ist sie nämlich lediglich auf Englisch gehalten.

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