Spielwaren
Franz Carl Weber entdeckt das Internet als neues Spielfeld: «Für mich ist alles möglich»

FCW-Mitbesitzer und FDP-Nationalrat Marcel Dobler will online Kunden gewinnen. Doch wie genau das passieren soll, bleibt noch vage.

Philipp Felber
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FCW-Mitbesitzer und Digitec-Millionär Marcel Dobler (37).

FCW-Mitbesitzer und Digitec-Millionär Marcel Dobler (37).

Bildquellen: Chris Iseli/Sandra Ardizzone

Franz Carl Weber ist wieder eigenständig. Was bereits seit längerem geplant war, wurde Ende letzte Woche Tatsache: Per Management-Buy-out hat sich das Schweizer Traditionsunternehmen vom maroden französischen Mutterkonzern losgekauft. Gestern nun erklärten die neuen Besitzer, wie sie mit dem Unternehmen in die Zukunft schreiten wollen. Die Vermutung, dass Franz Carl Weber (FCW) dem Onlinehandel mehr Gewicht geben wird, wurde bekräftigt. Doch wie genau das passieren soll, bleibt noch vage.

Offen ist, ob Franz Carl Weber bald schon einen eigenen Onlineshop hat oder mit anderen Händlern zusammenarbeitet, wie etwa dem Onlinewarenhaus Digitec-Galaxus oder gar dem amerikanischen Riesen Amazon. «Für mich ist alles möglich. Ich persönlich erachte aber den Kundenkontakt als wichtigstes Gut für ein Unternehmen», sagt Dobler. Wenn man nun die Produkte auf einem fremden Marktplatz verkaufe, setze FCW den eigenen Wert herunter, weil so der Kontakt zu den Kunden verloren ginge. Zudem erachtet Dobler die Beratung als grösste Stärke von Franz Carl Weber. «Das gibt es momentan online nicht im Spielwarengeschäft», sagt Dobler. Und genau dort möchten Dobler und FCW in Zukunft punkten. «Ich habe ein paar Ideen, wie man das ausbauen könnte.»

Vier Millionen weniger Umsatz

Im März machte die «Nordwestschweiz» die Pläne für ein mögliches Management-Buy-out publik. Damals hiess es, dass FCW am liebsten auch das Filialnetz selektiv erweitern möchte. Es gäbe einige Lücken, welche Franz Carl Weber schliessen möchte. Solche Pläne wollte Dobler gestern weder bestätigen noch dementieren. Zuerst müsse nun eine saubere Strategie ausgearbeitet werden.

Diese Strategie beinhaltet auch den Flagship-Store am Zürcher Bahnhofplatz. Der Umzug von der Bahnhofstrasse an den neuen Standort Ende 2016 sorgte für Unmut. Dort besteht Handlungsbedarf. «Es ist sicher so, dass wir im Flagship-Store noch mal etwas verbessern müssen», sagt Dobler. Aber die Filiale funktioniere grundsätzlich sehr gut. Dobler besitzt ein Drittel an Franz Carl Weber, welcher rund 20 Läden in der Schweiz betreibt. Geschäftsführer Yves Burger und der deutsche Spielwarenhersteller Simba Dickie halten ebenfalls je einen Drittel. Dobler selbst wird nicht operativ tätig sein.

Franz Carl Weber machte im letzten Jahr einen Umsatz von 52 Millionen Franken. 4 Millionen Franken weniger als noch ein Jahr zuvor. Im Jahr 2015 waren es 58 Millionen. Die neuen Besitzer sind gefordert, möglichst bald eine konkrete Strategie umzusetzen. Denn gerade das letzte Jahr hat etwa mit dem Zusammenbruch von «Toys’r’Us» gezeigt, dass es auch bei etablierten Spielwarenhändlern schnell einmal heisst: Game over.