FREIZEIT: Das lukrative Geschäft mit den Mietvelos

Mietvelos boomen in der Schweiz. Marktführer ist die Surseer Firma Rent a Bike. Durch eine Kooperation mit Intersport will Rent a Bike nun im alpinen Raum punkten.

Hans-Peter Hoeren
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Wer sein Velo für den Ausflug nicht im Auto oder im Zug mitnehmen will, kann sich bequem eines vor Ort mieten (im Bild die Sicht auf den Ägerisee). (Bild: Swiss-Image/Robert Boesch)

Wer sein Velo für den Ausflug nicht im Auto oder im Zug mitnehmen will, kann sich bequem eines vor Ort mieten (im Bild die Sicht auf den Ägerisee). (Bild: Swiss-Image/Robert Boesch)

Fast 350 000 Velos haben Herr und Frau Schweizer im vergangenen Jahr neu gekauft. Auch das Geschäft mit den Mietvelos floriert. Rund 80 000 Vermietungen über einen Tag oder mehr hat der in Sursee ansässige Marktführer Rent a Bike im vergangenen Jahr verzeichnet, mehr als ein Drittel der Vermietungen entfallen mittlerweile auf Elektrovelos. Den nächsten Wachstumsschub will der Velovermieter aus Sursee nun durch eine Kooperation mit dem Sporthändlerverbund Intersport erreichen.

Ab dem Frühjahr 2014 sollen Konsumenten die Velos von Rent a Bike auch direkt in zahlreichen Intersport-Fachgeschäften mieten können. «Wir streben mit der Kooperation eine noch breitere Wahrnehmung der Marke Rent a Bike an. Gleichzeitig schliessen wir eine Angebotslücke im alpinen Raum», sagte Reto Meyer, Verwaltungsratspräsident der Rent a Bike AG, gestern auf Anfrage.

Nicht nur Mountainbikes

Für potenzielle Mieter entstehe ein breiteres Angebot an alpinen Vermietstationen, die ganzjährig besser genutzt werden könnten. Die Zahl der aktuell rund 200 «Rent a Bike»-Vermietstationen könnte durch die Kooperation deutlich anwachsen. Zwar gebe es in den alpinen Regionen einzelne Velovermieter für Mountainbikes, «dennoch sehen wir noch erhebliches Marktpotenzial», sagt Reto Meyer. Das Angebot von Rent a Bike werde breiter aufgestellt sein und Tourenvelos und E-Bikes umfassen und nicht ausschliesslich Mountainbikes. «Zudem kann man das Velo an einer anderen Station abgeben als an dem Ort, wo man gestartet ist», sagt Meyer.

Ab dem Frühjahr 2014 soll es ein gemeinsames Buchungssystem geben. «Dieses wird im Webauftritt von Rent a Bike, Intersport und anderen Partnern integriert», erklärt Meyer. Dort könnten die Kunden direkt ihre Velo-reservierungen lancieren, zudem gebe es eine Verfügbarkeitsanzeige. «Die Mietpreise sind noch nicht endgültig festgelegt, es wird aber keine grossen Änderungen zu unseren jetzigen Tarifen geben», versichert Reto Meyer.

Auslastung soll verbessert werden

Aktuell kostet die Tagesmiete eines Touren- oder Mountainbikes 35 Franken. Kinder bis 16 Jahre und Besitzer eines Halbtax-Abos oder Generalabonnements zahlen 30 Franken. Die Tagesmiete eines E-Bikes liegt bei 50 Franken (ermässigt 45 Franken). «Wir wollen durch die Kooperation die Auslastung unseres Veloparks und die Verfügbarkeit weiter verbessern», sagt Reto Meyer. Grössere Investitionen in zusätzliche Velos plant das Unternehmen mit seinen gesamthaft 12 Mitarbeitenden nicht.

Bergbahnen wollen mehr Angebote

Mehr Mietvelos für die alpinen Destinationen – für den Kooperationspartner Intersport besteht ein wachsender Bedarf für dieses Angebot. Um die Gäste in die Bergregionen zu bringen, setzten die Bergbahnbetreiber verstärkt auch auf Veloangebote, sagt Urs Müller, CEO der Intersport PSC Holding AG. «Es geht uns weniger um diejenigen Gäste, die beispielsweise im Engadin anspruchsvolle Touren im Berggelände planen, sondern eher um diejenigen, die mit dem Velo den See in St. Moritz umrunden wollen», verdeutlicht Müller.

Das Geschäft der Intersport angeschlossenen Sportfachhändler werde durch die Velovermietung mit einer zusätzlichen Dienstleistung gestärkt. «Investitionen sind dafür nicht nötig», sagt Müller. Die Händler müssten lediglich den Mietbetrieb organisieren. «Zum Ende der Saison werden die Velos wieder abgeholt, und die Verkaufsflächen werden frei für das Wintersortiment», sagt Müller.

Kooperation auf Augenhöhe

Die geplante Kooperation führt zwei Player zusammen, die in ihren Geschäftsfeldern in der Schweiz ohnehin führend sind. Intersport beispielsweise bei der Vermietung von Skiern, Rent a Bike bei den Mietvelos. Der Marktanteil von Rent a Bike liegt gemäss Reto Meyer bei «weit über 50 Prozent». Das Geschäft mit den Mietvelos und die Auslastung seien stabil. «Aktuell sind besonders Elektrovelos stark gefragt», sagt Meyer. Rund ein Drittel des Velo-Pools von 4500 Fahrzeugen bestehe mittlerweile aus E-Bikes.