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FREIZEIT: Die Folgen des Kleiderkonsums

T-Shirts, Hosen, Mäntel: Pro Kopf werden weltweit jährlich über 6,5 Kilo ­Kleidung gekauft. Tendenz steigend. Ein bewussterer Konsum gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Die Kleiderberge weltweit wachsen Jahr für Jahr. In der Schweiz werden pro Kopf jährlich zwischen 40 bis 70 Kleidungsstücke gekauft. (Bild: Getty)

Die Kleiderberge weltweit wachsen Jahr für Jahr. In der Schweiz werden pro Kopf jährlich zwischen 40 bis 70 Kleidungsstücke gekauft. (Bild: Getty)

Andreas Lorenz-Meyer

6,5 Kilogramm an Bekleidungstextilien im Schnitt. 6,5 Kilogramm nur für das, was man am Leib trägt: T-Shirts, Röcke, Mäntel, Wäsche, Socken. Die globale Produktion von Fasern, die zu Kleidung verarbeitet werden, beläuft sich auf 45 Millionen Tonnen. Und die Nachfrage wird weiter steigen, meint Andreas Engelhardt, Textilexperte aus Appenzell Ausserrhoden und Herausgeber von «The Fiber Year», einem jährlich erscheinenden Überblick zum globalen Textilmarkt. Engelhardt geht von einem Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs in Richtung 10 Kilogramm für das Jahr 2030 aus. Was einen Bedarf rund 80 Millionen Tonnen an Textilfasern pro Jahr ergibt.

Modewechsel befeuern Konsum

Dass immer mehr Kleidung produziert wird, liegt zum einen an der wachsenden Erdbevölkerung. Möglicherweise leben bis 2050 an die neun Milliarden Menschen auf dem Planeten. Die brauchen etwas zum Anziehen. Zudem erhöht sich der Lebensstandard vieler. Sie kaufen sich mehr Kleidung. Hinzu kommen die schnellen Kollektionswechsel der Einzelhändler und die günstigen Preise. Engelhardt: «Dadurch überwiegt mittlerweile der modisch-aktuelle Wert von Kleidung. Das geht zu Lasten ihrer Langlebigkeit.»

Kann Baumwolle den gesteigerten Kleiderbedarf decken? Die Samenfaserpflanze, wichtigster Rohstoff der Textilindustrie, wird heute in rund 70 Ländern angebaut. Hauptproduzenten sind Indien, China, Brasilien, Pakistan, die USA. Die Faser ist strapazierfähig und kann viel Feuchtigkeit aufnehmen. Jedoch sorgt der konventionelle Anbau für Negativschlagzeilen: enormer Wasserverbrauch, übermässiger Pestizideinsatz, schlechte Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit.

Chemische Fasern als Ausweg

Engelhardt schätzt das künftige Maximum der Baumwollproduktion auf 31 Millionen Tonnen ungefähr so viel wie heute. Was daran liegt, dass der zunehmende Wettbewerb um landwirtschaftliche Anbauflächen die Ausweitung erschwert. Zur Nachfragedeckung braucht es also andere Fasertypen. Zellulosefasern könnten die Baumwoll-Lücke füllen. Es ist Holz, das den Rohstoff für diesen Fasertyp liefert. Da das natürliche Ausgangsmaterial jedoch auf chemischem Wege zu Zellstoff verarbeitet wird, ordnet man ihn den Chemiefasern zu. Zwischen 2005 und 2013 stieg die Zellulosefaserproduktion von 3,4 auf knapp 6 Millionen Tonnen im Jahr. Das Wachstum wird sich fortsetzen, glaubt Engelhardt. 2020 überschreitet es voraussichtlich die Marke von 10 Millionen Tonnen.

Lyocell heisst ein neueres, umweltschonendes Verfahren zur Zellulosefaserherstellung. Der Zellstoff wird dabei in einem ungiftigen Mittel gelöst. Zellulosische Fasern nehmen die Feuchtigkeit besser auf als synthetische Fasern. Die Markenvielfalt ist verwirrend. Tencel, Danufil, Jade, Modal, Swan, White Golden Horse hinter all diesen Namen stecken Zellulosefasern. Diese sind ökologischer als Baumwollfasern, erklärt Engelhard, und tragen in geringerem Masse zur globalen Erwärmung bei als Baumwollfasern.

Calida hat bereits reagiert

Welche Fasern nutzen Schweizer Unternehmen? Calida, Wäschespezialist mit Hauptsitz in Sursee, arbeitet vorwiegend mit Baumwolle, auch biologisch angebauter. Sie kommt im Sortiment auf einen Anteil von 70 Prozent. In Zukunft setzt die Bekleidungsindustrie verstärkt auf Zellulosefaser, da sie im Anbau weniger Wasser benötigt, sagt Calida-Sprecherin und Leiterin Produktentwicklung und Marketing Alexandra Helbling. Zellulosefasern wie MicroModal und Tencel erreichen bei Calida momentan 15 bis 20 Prozent. Sie wirken besonders temperatur- und feuchtigkeitsausgleichend und werden für Tag- und Nachtwäsche verwendet.

Spezielle Faser für sensible Haut

Bei der Tagwäsche verarbeitet Calida auch Milchproteinfasern. Genauer eine Fasermischung aus Zellulosefasern und Milchproteinen. Die Milchfaser hat dabei einen Anteil von 37 Prozent. Bei der Produktion wird auf chemische Zusätze verzichtet, das Milchprotein stammt ausschliesslich von nicht zum Verzehr geeigneter Milch. Durch die Milchproteine erhält das Material eine antibakterielle Ausrüstung, erklärt Helbling, es wirkt temperaturausgleichend, verhindert das Austrocknen der Haut und unterstützt die Erneuerung der Hautzellen. Ideal für sensible und allergische Haut.

Coop setzt auf Nachhaltigkeit

95 Prozent des Naturaline-Sortiments von Coop bestehen aus Bio-Baumwolle, so Urs Meier vom Detailhändler. Coop bezieht sie seit 20 Jahren aus Indien und Tansania. 5000 Bauern produzieren dort nach dem bioRe-Standard der Schweizer Handelsfirma Remei AG. bioRE fördert die Umstellung auf kontrolliert biologischen Anbau und men­schenwürdige Arbeitsverhältnisse für Bauernfamilien und Textilarbeiter. Beim Färben und Drucken wird auf giftige Chemikalien verzichtet. Die Bauern vor Ort erhalten zudem eine Ausbildung in Biolandbau.

Kampf gegen Wasserverbrauch

Allein der Anbau von Baumwolle, der für ein T-Shirt benötigt wird, verschlingt 2700 Liter virtuelles Wasser. Besonders in trockenen Regionen führt der hohe Wasserverbrauch zu Fehlverteilungen. Wasser, das anderswo dringender benötigt würde, bewässert die wirtschaftlich wichtigen Baumwollfelder. bioRe fördert deshalb den Ausbau von Tropfbewässerungssystemen in Indien. Dadurch reduziert man einerseits den Wasserverbrauch, andererseits verdampft weniger Wasser unter der heissen Sonne, was die Gefahr der Bodenversalzung verringert. In Tansania ist Wasser ein so kostbares Gut, dass gar nicht bewässert wird. Das Wachstum der Pflanze hängt vom Regen ab.

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