FREIZEIT: Ski: Mieten ist das neue Kaufen

Immer mehr Skifahrer mieten ihre Winterausrüstung, statt sie zu kaufen. Doch nicht in jedem Fall ist Mieten auch wirklich die günstigste Variante.

Bernard Marks
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Livio Wanner, lernender Detailhandelsfachmann beim Sportgeschäft Achermann in Stans, hilft einer Kundin, den richtigen Skischuh für den Winter zu finden. (Bild: Philipp Schmidli  / Neue LZ)

Livio Wanner, lernender Detailhandelsfachmann beim Sportgeschäft Achermann in Stans, hilft einer Kundin, den richtigen Skischuh für den Winter zu finden. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Bild: Grafik Martin Ludwig

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Die Pisten sind geöffnet, und in Gedanken werden schon die ersten Schwünge auf frischem Pulverschnee gezogen. Dabei stellt sich für viele Skifahrer die Frage nach dem richtigen Material. Und: Soll die neue Skiausrüstung gekauft oder gemietet werden?

Für die kleinsten Skifahrer ist es heute zur Normalität geworden zu mieten. «90 Prozent aller Kinder mieten heute ihre Ausrüstung», sagt Peter Achermann (52), Inhaber der Achermann Ski + Sport AG in Stans. Für Kinder, die fast jährlich eine neue Skilänge und neue Schuhe benötigen, ist die Miete ein klarer Vorteil. «Da fahren die Eltern mit der Miete günstiger», sagt der ehemalige Skirennfahrer aus Stans. Ab 100 Franken kostet ein Paar Ski mit Schuhen für eine Saison. Die Skimiete ist in den letzten Jahren auch bei Erwachsenen beliebter geworden», erzählt Achermann. Inzwischen macht das Familienunternehmen in seinen vier Filialen in Stans, Alpnach, Engelberg und Luzern rund 30 Prozent des Umsatzes mit der Miete von Skiartikeln.

Über 30 Tage lohnt die Saisonmiete

Skifahren ist ein teures Vergnügen. Die Kosten für die Ausrüstung lassen sich aber optimieren. Weltweit wurden im vergangenen Jahr geschätzte 3 Millionen Paar Ski verkauft. In den Neunzigerjahren lag diese Zahl noch bei 7,5 Millionen Paar. Immer mehr Ski werden nicht mehr verkauft. Heute wird rund jeder zweite Ski und jeder dritte Schuh vermietet und so mehrfach genutzt – auch in der Schweiz.

In den letzten Jahren hat sich die Schweiz zu einem Mekka für Skimieter gewandelt. «Der Schweizer Sporthandel hat in den vergangenen Jahren die Mietinfrastruktur deutlich ausgebaut und verbessert, sodass sie sich heute auf einem hohen Niveau bewegt», sagt Beat Ladner vom Verband des Schweizer Sportfachhandels (Asmas). Die Konsumenten können heute einfacher und schneller mieten. «Dabei stehen ihnen besseres Material und differenziertere Angebote als früher zur Verfügung», sagt Ladner. «Rund 50 Prozent aller Skifahrer leihen sich heute ihre Ausrüstung lieber», sagt Ladner. Er schätzt, dass mit Mietski in der Schweiz mit 170 Millionen Franken gleich viel umgesetzt wird wie mit dem Verkauf von Ski.

Das Mieten von Skiartikeln ist aber nicht nur bequem, für viele kommt es auch meistens deutlich günstiger als ein Kauf. Doch nicht in jedem Fall: «Vor allem lohnt sich die Skimiete für diejenigen, die jedes Jahr den neusten Ski fahren wollen», sagt Achermann. Für Gelegenheitsfahrer und Personen, die pro Saison lediglich eine Woche in die Skiferien gehen, lohnt es sich, das Equipment zu mieten. Laut Achermann gibt es eine einfache Faustformel. Fährt man zum Beispiel pro Saison weniger als 10 Tage, lohnt sich die Tagesmiete. Ab 10 Skitagen sollte man einen Ski kaufen. Für denjenigen, der über 30 Tage auf den Skipisten unterwegs ist, lohnt sich eine Saisonmiete (siehe Grafik).

Solange die Lifte geöffnet sind

Ein Preisbeispiel dazu: Die Miete eines Paars Ski für einen Tag ist bei diversen Anbietern bereits ab 30 Franken möglich. Dazu kommt noch die Miete der Schuhe mit knapp 20 Franken. Für knapp 50 Franken für einen Tag oder 180 bis 200 Franken pro Woche können sogar Ski aus dem Topsegment der bekannten Skimarken ausgeliehen werden. Solche Modelle würden im Laden bis zu 1500 Franken kosten. Wer also nur eine Woche pro Jahr Ski fahren geht, müsste seine Ski ungefähr acht Jahre behalten, damit der Kauf unter dem Strich nicht teurer kommt als die Miete.

Günstiger ist in so einem Fall die Saisonmiete. Ein neuer Ski im Wert von 1000 Franken kostet für eine komplette Saison 50 Prozent des Bruttokaufpreises, also in diesem Fall 500 Franken. Für einen gebrauchten Ski im Wert von 500 Franken zahlt der Kunde 30 Prozent, also 350 Franken Saisonmiete. Ein weiterer Vorteil: «Mietski sind in der Regel nicht älter als drei Jahre und werden vor jeder Neuvermietung gewachst und gewartet», sagt Achermann. Der Kunde mietet für eine Saison, solange die Skilifte geöffnet sind: In Engelberg ist das von September bis Ende April der Fall. Achermann hat auch spezielle Angebote für Kinder bis 16 Jahre. Diese können zum Beispiel im Ski-Resort Dallenwil-Wirzweli für 299 Franken eine Saison lang Ski fahren und bekommen für diese Zeit ein Paar Ski, Schuhe und Stöcke dazu.

Schweiz – ein Land der Skimieter?

Statistik. Der Jahresumsatz im Sportartikelmarkt wird hierzulande auf rund 2 Milliarden Franken geschätzt. Mit Winterartikeln setzt der Fachhandel rund 770 Millionen Franken um. Rund 70 Prozent davon fallen auf Skibekleidung und Skischuhe. Das Mietgeschäft mit Ski floriert. Vor allem ausländische Schneesportler, die mittlerweile 50 Prozent aller Skifahrer auf Schweizer Pisten stellen, nutzen laut dem Verband Schweizer Sportfachhandel (Asmas) das Mietangebot. Schweizer fahren weniger Ski.

Bernard Marks

«Die Skimiete ist in den letzten Jahren bei Erwachsenen beliebter geworden.» Peter Achermann, Achermann Ski + Sport AG (Bild: Philipp Schmidli  / Neue LZ)

«Die Skimiete ist in den letzten Jahren bei Erwachsenen beliebter geworden.» Peter Achermann, Achermann Ski + Sport AG (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)