Freundliche Begrüssung in unfreundlichem Umfeld

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Reaktionen Die Ernennung von Vas Narasimhan zum Konzernchef von Novartis wird von Analysten wohlwollend zur Kenntnis genommen, da er als Interner Kontinuität und Branchenkompetenz verheisst. Er betrete die Brücke eines soliden Konzerns mit einigen Baustellen bei unruhigen Verhältnissen.

So sieht etwa Michael Nawrath, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, den neuen Chef als «exzellente» Wahl. Narasimhan werde wohl Rückstände etwa in der Immunonkologie oder bei der Targeted-Therapie wettmachen. Für die Credit Suisse ist Narasimhan ein würdiger Nachfolger, der als Forschungs- und Entwicklungschef bereits grössere Erfolge für sich habe verbuchen können. Laut der Bank Vontobel hat Novartis das Pharmageschäft durch die kürzliche Reduktion von sechs auf drei Geschäftseinheiten erheblich gestärkt.

Analysten rechneten denn auch mit einer Erholung von ersten Kursverlusten nach der Ankündigung des CEO-Wechsels. Die Papiere von Novartis gingen gestern mit einem Minus von einem Prozent aus dem Handel. Analysten spekulieren auf mögliche grössere Veränderungen, die ein neuer Chef bringen könnte. Im Fokus stehen etwa alte Forderungen aus dem Aktionariat nach einem Verkauf des an Roche gehaltenen Aktienpakets oder einer Alcon-Abspaltung. Dass Novartis’ Augenheilmittelsparte namens Alcon bis heute nicht brilliert, wird auch Jimenez angelastet.

Manche Beobachter hätten sich nun eher einen Nachfolger von ausserhalb des Unternehmens gewünscht, der neue Impulse bringt. Dass Jimenez nach bald acht Dienstjahren abtritt, überrascht nicht alle. Einen konkreten Grund nennt der Konzern nicht; Jimenez wolle nach zehn Jahren in der Schweiz mit seiner Familie in die USA zurückkehren.

Ohne auf Währungseffekte, Regulierungsfolgen, Zu- und Verkäufe sowie Patentzyklen einzugehen, ist Novartis unter Jimenez’ Führung nicht rentabler geworden: Unter dem Strich hat der Konzern im Vergleich der Jahreszahlen 2009 und 2016 zwar den Umsatz um 9,5 Prozent gesteigert, aber einen Fünftel weniger Reingewinn erzielt.

Die Pharmabranche steht unter zunehmendem Rechtfertigungs- und Kostendruck, da steigende Gesundheits­kosten in vielen Ländern den Ruf nach billigeren Medikamenten laut werden lassen. Derweil steigt der Forschungsaufwand für neue Wirkstoffe. Novartis ist mit 119 000 Angestellten weltweit tätig; die Produkte des Konzerns werden in 155 Ländern verkauft. (sda)