Prevag
Früh aufstehen für weniger Geld

Die Zeitungsfrühzusteller der Firma Prevag wehren sich gegen Lohnkürzungen

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Loris Vernarelli

Einen Streik will Daniel Münger, Regionenleiter Region Nord der Gewerkschaft Kommunikation (GeKo), nicht ausschliessen. «Die Zeitungsfrühzusteller der Firma Prevag sind sehr verärgert. Die Bereitschaft, weitere Massnahmen zu ergreifen, ist sehr hoch.» An einer Vollversammlung am Dienstagabend, an der auch Vertreter der GeKo und der Mediengewerkschaft Comedia teilgenommen haben, sind jedoch keine endgültigen Beschlüsse gefasst worden.

Die Stimmung unter den rund 100 Teilnehmenden war allerdings gereizt. «Weder die Angestellten noch die Gewerkschaften können die Massnahmen der Geschäftsleitung nachvollziehen», betont Münger.

Mit «Massnahmen» sind natürlich Sparmassnahmen gemeint. Anfang April teilten die Firmenleitungen der Zuvo AG in Zürich und der Prevag AG in Basel, seit Juni 2008 eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Schweizerischen Post, ihren Verträgern mit, dass die Stundenlöhne bis zu 20 Prozent nach unten angepasst würden.

Kurze Zeit später erhielten alle Zustellerinnen und Zusteller - laut Münger dürfte es sich bei der Prevag um rund 450 Personen handeln - eine Änderungskündigung. Innerhalb eines Monates mussten sie entscheiden, ob sie den neuen Vertrag unterschreiben oder die Kündigung akzeptieren. Die betroffene Belegschaft schaltete daraufhin die Gewerkschaften ein.

Der Eindruck, dass wieder einmal auf dem Buckel des Personals gespart werde, sei in der Firma stark verbreitet, erklärt Münger. Auch weil die Prevag sehr sparsam mit den Informationen umgehe: «Die Verantwortlichen sagen nur, dass wegen der roten Zahlen Sanierungsmassnahmen nötig seien. Doch Zahlen werden keine genannt, geschweige denn Bücher offengelegt. Die Aussagen der Geschäftsleitung kann also niemand kontrollieren.»

Löhne bei Prevag zu hoch

Immerhin hat sich die Prevag zu einem Gespräch mit den Gewerkschaften bereit erklärt. Das Treffen, das morgen Freitag stattfindet, wird die GeKo nutzen, um die vier an der Vollversammlung beschlossenen Forderungen vorzutragen. Welche es sind, will Daniel Münger nicht verraten. Das Hauptanliegen bleibt jedoch dasselbe wie bisher: Die Lohnkürzung soll zurückgezogen werden.

Dieser Forderung dürfte die Prevag kaum nachkommen. «Die Situation auf dem Zeitungsmarkt ist landesweit äusserst angespannt. Dies spüren eben auch die Frühzustellorganisationen», umschreibt Prevag-Geschäftsführer Kristian Wiktorsson die aktuelle Lage. Die Löhne der Verträger zu kürzen bereite ihm keine Freude, doch sein Ziel sei primär, die Arbeitsplätze zu sichern. Dass am Gehalt gespart werde, sei für ihn logisch. «Die Zeitungen nehmen ab, die Preise auch - die Folgen auf die Löhne sind absehbar. Sie sind bei der Prevag ohnehin zu hoch.»

Keine Kürzung der Touren

Wiktorsson wehrt sich gegen den Vorwurf, er würde die Geschäftszahlen unter Verschluss halten. Niemand, und schon gar nicht die GeKo, habe je nach Detailinformationen gefragt. Zudem bestreitet der Geschäftsführer das Gerücht, wonach die nächste Sparmassnahme die Verkürzung der Touren sei. Die neuen Verträge treten übrigens gestaffelt in Kraft. Wer beispielsweise länger als zehn Jahre bei der Prevag tätig ist und den veränderten Bedingungen zustimmt, darf den aktuellen Kontrakt bis am 31. Dezember dieses Jahres behalten.