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Frühlingserwachen im Schweizer Finanzsystem: Nationalbank macht einen Schritt hin zu «Green Finance»

Die Nationalbank springt über ihren eigenen Schatten. Sie tritt einem Netzwerk von Notenbanken bei, das die Klimaverträglichkeit des Finanzsystems fördern will. Noch ist offen, ob den Worten auch Taten folgen.
Balz Bruppacher
Bislang hat sich die Schweizerische Nationalbank geziert, die Klimaauswirkungen ihrer Anlagen auszuweisen. (Bild: Gaetan Bally, Keystone, Zürich, 11. Apil 2018)

Bislang hat sich die Schweizerische Nationalbank geziert, die Klimaauswirkungen ihrer Anlagen auszuweisen. (Bild: Gaetan Bally, Keystone, Zürich, 11. Apil 2018)

Bekenntnisse der hiesigen ­Finanzindustrie zu «Green Fi­nance» hat man bisher insofern nicht zum Nennwert nehmen können, als der mit Abstand wichtigste Player abseitsstand. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) leistete es sich kürzlich gar, im Nachhaltigkeitsbericht mit keinem Wort auf die Klimafolgen ihrer Anlagepolitik hinzuweisen.

Unter steigendem Druck von Politik und Strasse scheint sich nun ein Umdenken anzubahnen. Die Nationalbank ist letzten Mittwoch dem «Network for Greening the Financial System» (NGFS) beigetreten. Gleiches gilt für die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma. Das Netzwerk, das sich auf freiwilliger Basis um die Klimarisiken im Finanzsektor kümmert und die Umsetzung des Pariser Klima­abkommens unterstützt, wurde 2018 gegründet und umfasst bereits 36 Mitglieder und fünf Beobachter. Die SNB zierte sich lange und erklärte, der Austausch mit Partner-Zentralbanken sei auch ohne formellen Beitritt möglich.

Auch jetzt scheint der Beitritt der Nationalbank nicht ganz geheuer zu sein. Im Unterschied zur Finma, die den Entscheid in einer Medienmitteilung bekannt gab, verzichtete die SNB auf eine aktive Kommunikation. SNB-Sprecher Walter Meier erinnerte auf Anfrage daran, dass die Nationalbank seit längerem mit anderen Zentralbanken zu den Themen, die im NGFS behandelt würden, im Dialog stehe. «Der Beitritt zum Netzwerk ist deshalb nicht eine fundamentale Änderung.» Auch an der Anlagepolitik, die wegen der Investitionen in fossile Energieträger umstritten ist, ändert sich vorerst nichts. «Die Grundsätze der Anlagepolitik gelten weiterhin», so Meier.

Zentralbanken sollen mit gutem Beispiel vorangehen

Das Netzwerk hat an seiner Plenarversammlung in Paris letzte Woche mehrere Empfehlungen verabschiedet. Aus Schweizer Optik wird von Interesse sein, wie die Nationalbank dem Ratschlag nachkommt, die Zentralbanken sollten als gutes Beispiel vorangehen und die Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlagepolitik integrieren. Das NGFS räumt allerdings ein, dass der Spielraum vieler Mitglieder wegen der Mandate und Anlageziele begrenzt sei. Die SNB kennt bei ihren Aktienanlagen nur wenige Ausschlusskriterien. Sie kauft keine Aktien von Unternehmen, die grundlegende Menschenrechte massiv verletzen, systematisch gravierende Umweltschäden verursachen oder in die Produktion international geächteter Waffen involviert sind.

Mit Blick auf die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens interessiert weiter, ob die Nationalbank ihr Anlageportfolio einem Klimaverträglichkeitstest unterzieht, wie er vom Bundesamt für Umwelt und vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen angeboten wird. Davon haben neben Pensionskassen und Versicherungen auch andere Zentralbanken Gebrauch gemacht. Dank der Offenlegungspflichten der amerikanischen Börsenaufsicht SEC ist bekannt, dass die Nationalbank milliardenschwere Aktienpakete von Firmen wie Exxon Mobil oder Chevron hält.

Die grüne Waadtländer Nationalrätin Adèle Thorens Goumaz, die die Nationalbank mit mehreren Vorstössen in die Pflicht nehmen wollte, ist erfreut über die Mitgliedschaft der Nationalbank im Netzwerk. «Das ist ein erster positiver Schritt und eine ausgezeichnete Nachricht.» In Zukunft werde sich zeigen, ob es sich bloss um einen symbolischen Akt oder um den Beginn eines konkreten Engagements handle. «Früher oder später muss die Nationalbank wie alle Akteure auf den Finanzplätzen handeln, denn die Finanzströme sind vom Pariser Abkommen formell betroffen. Wir werden nicht zögern, den Druck auf die SNB aufrechtzuerhalten, falls sie sich nicht glaubwürdig engagiert.»

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