FÜRIGEN: Selbst Amerikaner sind seine Gäste

Kühl und dunkel ist der Arbeitsplatz von Alois Mathis. Doch der ehemalige Festungswächter fühlt sich im Fürigen-Felsen in seinem Element.

Matthias Piazza
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Alois Mathis im Maschinenraum der Festung Fürigen. (Bild Corinne Glanzmann)

Alois Mathis im Maschinenraum der Festung Fürigen. (Bild Corinne Glanzmann)

Enge, lange, dunkle Gänge, nur spärlich durch Glühbirnen erhellt. Es ist kühl. Alle paar Meter führen Durchgänge in neue Räume. Was dem Laien wie ein undurchsichtiges, geheimnisvolles Labyrinth ohne Logik erscheint, ist für Alois Mathis Alltag und alles andere als eine bedrohliche dunkle Höhle. Der 67-jährige Stanser kennt die Festung Fürigen wie seine eigene Westentasche.

Kein Wunder. Als Mitarbeiter des Nidwaldner Museums und Verantwortlicher der Festungseinrichtung sorgen er und 14 Mitarbeiter dafür, dass die jährlich über 5000 Besucher und 220 Gruppen einen Eindruck vom Festungsleben und dem Militärbetrieb im Berg vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des Kalten Krieges erhalten. «Hier im Berg zeigen wir gelebte Geschichte, geben einen Einblick, wie sich die Schweiz damals auf die Bedrohung eingestellt hat», erklärt Mathis.

Ein 200 Meter langes Stollensystem mit Geschützständen, Schlafräumen, Küche, Krankenstation mit Operationsraum, Maschinenraum mit eigener Stromversorgung: Die Soldaten hätten für längere Zeit völlig abgeschirmt von der Aussenwelt im Berg leben können. «Die Einrichtungen sind grösstenteils originalgetreu, stammen noch aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges», erklärt er stolz. Sein Fachwissen ist brillant. Über jeden Schalter, jeden Apparat und jedes noch so kleine Detail weiss er umfassend Bescheid.

Auch Amerikaner sind fasziniert

Und dieses Wissen geben er und seine Kollegen nur allzu gerne weiter. Und zwar bei weitem nicht nur an Schweizer. Selbst Touristen aus den USA, England oder Asien lassen sich in die faszinierende Festungswelt einführen. «Das Réduit interessiert weltweit, sogar in einem Reiseführer der USA ist unsere Festung aufgeführt.» Auch alle Alterssegmente sind vertreten. Während Jugendliche beim Museumsbesuch das erste Mal den Begriff Réduit hörten, würden sich ältere Semester an die Zeit des Kalten Krieges oder gar der Aktivdienstzeit zurückerinnern.

Waffen werden noch gewartet

Dafür scheuen die Museumsbetreuer, die im Stundenlohn vom Kanton angestellt sind, keinen Aufwand. Fünf bis sechs Mal im Jahr führt das Team während eines halben Tages Unterhaltsarbeiten an der Anlage durch, wartet die Waffen und technische Einrichtungen, reinigt die Anlage, die Kanalisation und überprüft, ob noch alles funktioniert. Zu den rund 500 jährlichen Wartungsstunden kommen noch der Aufwand für den Besucherbetrieb – die Festung hat von Frühling bis Herbst an den Wochenenden offen – sowie ganzjährig die Gruppenführungen dazu.

Bis zu 80 Leute werden an einem Spitzentag durchgeschleust. Die Rückmeldungen seien durchs Band positiv. «Die Besucher loben insbesondere den guten Erhalt der Einrichtungen und die authentische Aufbereitung.» Fürigen gehöre mit seinen 200 Metern Länge eher zu den kleinen Festungsanlagen. Aber genau darum eigne sie sich ausgezeichnet als Museum. «In kompakter Form sieht der Besucher alles, was zu einer Festung gehörte.»

Nicht ohne Stolz erinnert er sich an den Sommer 2009, als das Schweizer Fernsehen SRF im Rahmen von «Alpenfestung – Leben im Réduit mit «Soldaten» die Festung wieder zum Leben erwecken liess. Das bedeutete für sein Team aufwendige Vorbereitungsarbeiten. Alles Museale wie Puppen musste entfernt werden, die Anlage 24 Stunden in Betrieb gehalten und die «Soldaten» ausgebildet werden.

Feucht und kühl

Für seinen «Traumjob» nimmt der pensionierte Festungswächter auch gerne die gewöhnungsbedürftigen Arbeitsbedingungen in Kauf. Vom Eingang bis zur Unterkunft beträgt die Temperatur im Sommer wie im Winter 12 Grad. Immerhin 19 Grad ists im Schlafsaal. Doch mit angepasster Kleidung sei dies kein Problem. Im vorderen Bereich ists zudem im Sommer oder nach längeren Regenperioden feucht. Die Feuchtigkeit stellt denn auch eine grosse Herausforderung dar. «Der Luftentfeuchter für die Anlage ist die wichtigste Einrichtung. Fiele dieser aus, hätten wir innerhalb von zwei Tagen ein Problem, die Holztüren würden sich verziehen und liessen sich nicht mehr richtig schliessen.»

Der Gang in den Berg koste auch ihn manchmal Überwindung – vor allem bei schönem Wetter. Seit 2012 leitet er die Festung Fürigen, nebst dem Unterhalt und der Besucherbetreuung macht er die Personalplanung und ist für den Museumsbetrieb verantwortlich.

Seine Faszination Festung reicht aber viel weiter zurück. 1972 war er ins Festungswachtkorps eingetreten, das für den Unterhalt und die Truppenbetreuung in Obwalden, Nidwalden, Luzern und Teilen des Kantons Schwyz und der damals vorhandenen neun Festungswerke zuständig war. An den Moment, als er vor rund 42 Jahren das erste Mal eine Festung betrat, erinnert er sich noch genau. «Es war ein spezielles Gefühl, und ich staunte nicht schlecht, was da so alles im Berg war.»

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