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Fulminanter Jahresstart: Nationalbank zeigt sehr gute erste Quartalszahlen

30 Milliarden Franken Profit erzielt die Schweizerische Nationalbank im ersten Quartal 2019. Damit bügelt das Noteninstitut den Verlust aus dem Jahr 2018 weitgehend wieder aus. Bestehen bleiben Fragen zur Ausschüttungspolitik.
Daniel Zulauf
Die Schweizerische Nationalbank ist wieder auf Gewinnkurs. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Die Schweizerische Nationalbank ist wieder auf Gewinnkurs. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat das erste Viertel des Jahres mit einem Gewinn von rund 30 Milliarden Franken abgeschlossen. Diese Schätzung macht UBS-Ökonom Alessandro Bee im Blick auf das anstehende Zwischenergebnis, das am kommenden Donnerstag veröffentlicht wird. Der Jahresverlust 2018 von 15 Milliarden Franken ist also (vorerst) ausgebügelt. Das Eigenkapital steigt auf 150 Milliarden Franken. Damit erreicht es gegen 19 Prozent der Bilanzsumme. Solider stand die Nationalbank zuletzt vor zehn Jahren da, mit einer Kapitalquote von gut 30 Prozent.

Es war das letzte Jahr, bevor sie sich mit Haut und Haaren in den Kampf gegen den starken Franken stürzte und die begehrte heimische Valuta in rauen Mengen gegen schwache Euro zu tauschen begann. Inzwischen beläuft sich die Bilanzsumme des Noteninstituts auf über 800 Milliarden Franken, das Vierfache von 2009 oder mehr als das Sechsfache von 2007, bevor die Finanzkrise ihren Anfang nahm.

Wie viel Eigenkapital benötigen unsere Währungshüter, bis sie sich in Sicherheit wähnen? 30 Prozent, die gleiche Quote wie damals vor zehn Jahren? Dafür müssten (bei einer unveränderten Bilanz) nochmals 90 Milliarden Franken her. Gerade so viel konnte die Nationalbank seit 2015 akkumulieren. Doch genug wäre vielleicht auch deutlich ­weniger. Diesen Gedanken legen jedenfalls die Erfahrungen der zurückliegenden Dekade nahe. Auf Rechnungen dieser Art lässt sich das SNB-Direktorium in der Öffentlichkeit aber partout nicht ein. Sie wissen, was passiert, wenn sie einen Grenzwert nennen. Jeder kantonale Finanzdirektor schielt darauf, bis hinauf zum Finanzminister – in der Erwartung, dass jeder Überschuss in deren Kassen fliessen muss.

80 Prozent in Dollar- und Euro-Papieren investiert

Noch scheint die Bilanz der SNB nicht feiss genug, als dass sich in der Politik eine ausreichend starke Allianz formieren könnte, die Gans zu schlachten. Doch selbst so nüchterne Beobachter wie Alessandro Bee warnen inzwischen in deutlichen Worten: «Das sehr erfreuliche Quartalsergebnis ist für die SNB ein zweischneidiges Schwert.» Einerseits stärke es ihre Glaubwürdigkeit bei der Umsetzung der Geldpolitik. «Anderseits weckt ein solch hoher Überschuss auf der politischen Seite Begehrlichkeiten.»

So wie in den ersten drei Monaten wird es im Urteil des Bankökonomen im restlichen Jahr aber auch nicht weitergehen. Der Zwischenhalt, den die amerikanische Notenbank bei der Normalisierung der Tiefzinspolitik eingeschlagen hat, und der einjährige Aufschub, den sich die Europäische Zentralbank bis zum ersten Schritt aus der Nullzinspolitik gewährte, haben seit Jahresbeginn zu einem deutlichen Zinsrückgang geführt, der die Kurse von Dollar- und Euro-Obligationen steigen liess. Vom gesamten Fremdwährungsbestand der SNB sind rund 80 Prozent in solchen Titeln angelegt. Entsprechend positiv hat sich der Zinsrückgang auf die Erfolgsrechnung ausgewirkt.

Auch den Aktienmärkten hat der Zinsrückgang frische Luft verschafft. Die Kurse sind seit dem Jahreswechsel auch hier wieder in der Aufwärtsbewegung und haben das herbstliche Zwischentief überwunden. Und weil die SNB die restlichen 20 Prozent ihrer Devisenanlagen in solchen Beteiligungstiteln angelegt hat, ergaben sich nach der UBS-Schätzung allein aus dieser Ecke Bewertungsgewinne von 15 Milliarden Franken.

An eine weitere Lockerung der Zinspolitik, die das SNB-­Ergebnis weiter kräftig steigen lassen könnte, glaubt Bee nicht. Trotzdem ist es kein unmögliches Szenario, dass dem 54-Milliarden-Franken-Gewinn aus dem Jahr 2017 ein weiteres Rekordjahr folgt. So zeigen sich Euro und Dollar seit einigen Wochen wieder deutlich fester zum Franken, was den Wert der SNB-Anlagen in diesen Währungen steigen lässt. Rund 80 Prozent der Devisenbestände der SNB sind in Dollar- und Euro-Papieren investiert. Verteuert sich der Preis dieser Währungen um 1 Prozent zum Franken, entsteht bei der SNB ein Kursgewinn von rund 6 Milliarden Franken.

Für die Kantone und den Bund bleibt ein möglicher neuer Rekordgewinn der SNB aber vorerst ohne praktische Konsequenzen. Die 2016 mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement getroffene Vereinbarung, unter der die SNB 1 Milliarde Franken verteilt, sofern die dafür bestehende Ausschüttungsreserve nicht negativ wird, bleibt bis 2020 bestehen. Spannend ist, was danach kommt, wenn die Gewinne tatsächlich weiter wachsen sollten.

Der aussergewöhnliche Fall Obwalden

Eine andere Frage ist, inwieweit die SNB-Gewinne auch bei den wenigen Privataktionären Begehrlichkeiten wecken. Tatsache ist, dass der Kurs der Nationalbank-Aktie im Sommer 2016 abgehoben und vom langjährigen Niveau von rund 1000 Franken auf bis zu 9000 Franken hochgeklettert ist. Die Hoffnung auf eine höhere Dividende kann kaum der Treiber dieser Entwicklung sein, denn im Nationalbankgesetz ist indirekt festgeschrieben, dass eine Dividende nicht mehr als 15 Franken pro Aktie betragen kann. Gewisse Privatinvestoren haben die Gelegenheit im vergangenen Jahr genutzt, um Kasse zu machen. Doch mit einem Kurs von fast 5800 Franken bewegen sich die SNB-Aktien immer noch in luftiger Höhe. Am kommenden Freitag hält die SNB im Kursaal Bern ihre Generalversammlung ab. Dort könnte auch der Zug des Kantons Obwalden zur Sprache kommen, der im vergangenen Jahr seine SNB-Beteiligung bestehend aus 184 Aktien veräussert hat und nun als einziger Kanton keine Anteile mehr hält. Der eine oder andere Finanzdirektor oder Privataktionär wird sich vielleicht fragen, wie diese Aktion mit dem unveränderten Anspruch des Kantons auf eine Gewinnausschüttung zu vereinbaren ist. Doch um eine Antwort wäre die Obwaldner Finanzdirektorin Maya Büchi-Kaiser kaum verlegen. Schliesslich darf sich auch der Bund mit einem Drittel am SNB-Gewinn bedienen, ohne dafür eine Aktie besitzen zu müssen.

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