Für die AKB gibt es keine Finanzkrise

Die AKB hat die Kreditvergabe im ersten Semester stark ausgeweitet. Dank der Finanzkrise ist sie mit grösseren Konzernen vermehrt ins Geschäft gekommen. Der Neugeldzufluss ist hoch und die Bank präsentiert das zweitbeste Semesterergebnis ihrer Geschichte.

Merken
Drucken
Teilen
Rudolf Dellenbach - Chef der AKB

Rudolf Dellenbach - Chef der AKB

Aargauer Zeitung

Daniel Imwinkelried

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) macht weiterhin so gute Geschäfte, als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg ihr Gewinn um 4,5 Prozent auf 54,2 Mio. Franken. Das ist das zweitbeste Semesterergebnis ihrer Geschichte.

Pfeiler des Erfolgs ist mehr denn je das Kreditgeschäft. Obwohl die Schweizer Banken ständig über die knüppelharte Konkurrenz klagen, hat die AKB den Zinserfolg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 erhöhen können. Die einzelnen Hypothekarschuldner seien dabei nicht lukrativer geworden, betont AKB-Chef Rudolf Dellenbach. Denn die hiesigen Institute würden nach wie vor um jeden interessant scheinenden Kunden hart kämpfen, indem sie bei der Marge Zugeständnisse machten. Mehr verdient hat die AKB, weil sie bei der Absicherung des eigenen Zinsrisikos
eine glückliche Hand gehabt und die Kreditvergabe markant ausgedehnt hat (+4,5 Prozent).
Vermehrt zum Zuge kamen dabei sowohl private Hausbesitzer als auch Unternehmen. Zudem haben sich für die AKB in den vergangenen Monaten neue Chancen ergeben: Sie ist mit international tätigen Schweizer Konzernen ins Geschäft gekommen. Einige von ihnen mussten sich nach neuen Bankpartnern umsehen, nachdem sich ausländische Institute auf Druck ihrer Regierungen oder aus Kapitalmangel vom hiesigen Markt zurückgezogen haben. Die Grossbanken wollten nicht in die Bresche springen, da sie mit diesen Konzernen bereits viele Geschäfte machen.

Noch kaum Kreditverluste

Für die AKB und die andere Kantonalbanken war das eine Chance: Sie rauften sich zusammen, um die Konzerne mit Syndikatskrediten zu bedienen. Federführend bei solchen Transaktionen ist normalerweise die ZKB.

Doch wie gefährlich ist die AKB-Strategie, in der Rezession das Kreditgeschäft zu forcieren? Dellenbach beruhigt. «Wir prüfen genau, wem wir einen Kredit geben.» Noch sind die Kreditausfälle, mit denen sich die Bank herumschlagen muss, extrem tief. Die Wertberichtungen und Rückstellungen stiegen zwar im ersten Halbjahr von
4 auf 8,5 Mio. Franken, doch im Vergleich zu den Ausleihungen von 15 Mrd. Franken ist dies immer noch ein sehr niedriger Wert. Falls die Rezession lange dauert, werden die Wertberichtungen aber sehr wahrscheinlich steigen. «Bei den Krediten gilt daher das höchste Vorsichtsprinzip», sagt Dellenbach.

Noch wagt Dellenbach keine Prognose, wie es mit der Wirtschaft weitergehen wird. «Die Börsen-
hausse der letzten Monate kann der Vorbote einer Wende, aber auch nur ein Zwischenhoch sein», sagt er. Die Lage der Exportfirmen sei weiter angespannt. Sie hätten im Herbst 2008 einen abrupten Umsatzeinbruch erlitten und sich davon noch nicht erholt.

Vielleicht neue Standorte

Aufgehellt hat sich die Stimmung am Kapitalmarkt, nachdem die ersten Monate des Jahres noch düster gewesen waren. «Das Vertrauen in das Finanzsystem ist wieder etwas zurückgekommen», so Dellenbach. Für die AKB, die viele Anleger als sicheren Hafen ansehen, bedeutet dies, dass ihr zwar immer noch sehr viel Geld zufliesst, die Summen aber nicht mehr so riesig sind wie im Herbst 2008. Im ersten Semester 09 gewann sie netto 748 Mio. Franken Kundenvermögen.

Diesen Schwung will die AKB für die weitere Expansion nutzen. Das Anlagegeschäft wird weiterhin forciert, und das Management überlegt sich, ob im Aargau neue Standorte eröffnet werden sollen. Ein sehr gutes Jahresergebnis sei in Reichweite, glaubt Dellenbach. Konkret peilt er das zweitbeste Resultat der AKB-Geschichte an.