Luftfahrt
Für Swiss ist die Auslagerung des Eurpa-Geschäfts keine Option

Grosse europäische Airlines krempeln ihr Europageschäft radikal um. Die Swiss geht es langsam an. Sie will den Standort Genf stärken und mit einer neuen Flotte dem Billigfluganbieter die Stirn bieten.

Thomas Schlittler
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Swiss will den Standort Genf stärken (Symbolbild)

Swiss will den Standort Genf stärken (Symbolbild)

Keystone

Seit dem 1. Januar 2013 hat die Lufthansa grosse Teile des Europageschäfts an Germanwings ausgelagert. Air France gab Anfang dieser Woche bekannt, in Zukunft in Europa mit der neu gegründeten Billigfluglinie «Hop!» zu operieren. Und die International Airlines Group (mit British Airways und Iberia) prüft gemäss «Financial Times», den grössten Teil des Kurzstreckenverkehrs an die konzerneigene Billigfluggesellschaft Vueling zu übertragen.

Das Ziel dieser Massnahmen ist klar: Das chronische Defizit auf den Kurzstrecken in Europa soll abgebaut werden und die Konkurrenzfähigkeit gegenüber Billigairlines wie Easyjet und Ryanair erhöht werden.

Auch die Swiss schreibt in Europa rote Zahlen. Es stellt sich deshalb die Frage, wie die Schweizer das Problem in den Griff kriegen wollen. «Eine Tochterfirma für das Europageschäft zu gründen, ist für die Swiss keine Option», sagt Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann auf Anfrage. Ein radikaler Wandel zeichnet sich bei der Lufthansa-Tochter also nicht ab. Veränderungen gibt es aber durchaus.

One-Way-Strecken und Europaflotte

Seit einigen Monaten treibt die Swiss das Projekt «Calvin» voran. Dieses ist auf die Stärkung des Standorts Genf ausgerichtet und beinhaltet den Aufbau einer Genfer Operations-Basis mit eigener Crew und Management-Organisation: «Das Projekt Calvin ist natürlich auch ein Teil unseres Europaverkehrs, aber keine generelle Europa-Strategie», sagt Mühlemann.

Diesem Dementi zum Trotz ist offensichtlich, wie sich die Swiss in der Calvinstadt zum Kampf gegen Easyjet rüstet: Einerseits testet sie bei Flügen ab Genf One-Way-Flüge und -Preise. Zudem soll ab 2014 eine spezifische Flotte für Genf eingeführt werden. «Bezüglich One-Way-Fares befinden wir uns in Genf erst in einer Testphase, für weitergehende Aussagen dazu ist es zu früh», so Mühlemann. Aus Gewerkschaftskreisen ist jedoch zu vernehmen, dass es in Genf auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen herauslaufe.

Bei der neuen Flotte handelt es sich um die neu entwickelten Bombardier CSeries. «Diese Modelle verbrauchen weniger Treibstoff, sind günstiger als die Airbusse und fürs Europageschäft sehr gut geeignet», sagt Aviatikspezialist Hansjörg Bürgi. Der Chefredaktor von Skynews.ch ist allerdings skeptisch, ob die CSeries tatsächlich schon 2014 geliefert werden. Bürgi steht der Swiss-Strategie in Genf ohnehin kritisch gegenüber: «Es ist sehr mutig von der Swiss, sich mit Easyjet anzulegen. Das kann ins Auge gehen.» Wenn es schiefgehe, könnten diese Pläne viel Geld kosten. «Meiner Meinung nach sollte sich die Swiss besser auf Zürich konzentrieren», so Bürgi.

Danach sieht es nicht aus: Demnächst verhandelt Kapers, die Gewerkschaft des Kabinenpersonals, mit der Swiss über einen Gesamtarbeitsvertrag für die neue Basis in Genf. «Die wichtigsten Punkte für uns sind die Regelung der Schichten und die Saläre», sagt Kapers-Geschäftsführer Georg Zimmermann. Da die Basis in Genf nur für den Europaverkehr verantwortlich sein soll, gebe es gegenüber Zürich Anpassungsmöglichkeiten: «Zum Beispiel gibt es auf den Kurzstrecken im Gegensatz zu den Langstrecken keine Nachtschichten. Da muss man schauen, wie man das regelt», so Zimmermann.