FUSSBALL: Viagogo: Streit mit Klubs spitzt sich zu

Tickethändler Viagogo versucht, mit dem Wiederverkauf von Fussballtickets Profit zu erzielen. Vereine und Konsumentenschützer reagieren ungehalten und leiten Gegenmassnahmen ein.

Vasilije Mustur
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Blick in den Basler St.-Jakob-Park vor dem Europa-League-Match am 3. April gegen den FC Valencia. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Blick in den Basler St.-Jakob-Park vor dem Europa-League-Match am 3. April gegen den FC Valencia. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

FC Basel gegen FC Luzern. Diese Partie hat es meistens in sich. Am 7. Mai wird im Basler St.-Jakobs-Park erneut dieses Schlagerspiel ausgetragen. Fans können auf der Internetseite des Heimteams Stehplatzkarten ab einem Preis von 25 Franken erwerben. Auch die Online-Ticketbörse Viagogo bietet Fussballtickets für diese Partie an – allerdings zu deutlich überhöhten Preisen. Die 1996 gegründete grösste Ticketbörse der Welt veranschlagt für dieselben Karten 50 Franken. Hinzu kommen die Buchungs- und Liefergebühren von 23.30 Franken. Unter dem Strich ergibt sich ein Preisaufschlag im Vergleich zur Offerte des FC Basel von nahezu 150 Prozent.

FCL geht zu Viagogo auf Distanz

Die Verantwortlichen des FC Luzern reagieren auf diese Faktenlage überrascht und gehen zum Online-Händler auf Distanz: «Wir hatten noch nie Kontakt zu dieser Firma und wurden auch noch nie auf eine solche von ihnen geschilderte Praxis aufmerksam gemacht», sagt FCL-Kommunikationschef René Baumann. Einschreiten könne der Club als Auswärtsmannschaft nicht, dennoch rät er den Supportern davon ab, Karten über diesen Kanal zu kaufen.

FC Basel lehnt Kooperation ab

Dem FC Basel ist Viagogo hingegen hinlänglich bekannt. «Der FCB wurde in der Vergangenheit mehrfach von solchen Anbietern kontaktiert, hat sich aber bis heute immer dafür entschieden, keine solchen Kooperationen einzugehen», sagt Pressesprecherin Andrea Roth.

In Deutschland sind einige Bundesliga-Clubs mit Viagogo Kooperationen eingegangen. Diese sehen vor, dass die Online-Börse Tausende an Eintrittskarten, welche die Vereine zur Verfügung stellten, zu höheren Preisen weiterverkaufen dürfen. Im Gegenzug können die Bundesliga-Clubs an den Verkaufsgewinnen partizipieren. Der Unmut über die Viagogo-Geschäftspraktiken ist aber mittlerweile so gross, dass beispielsweise Schalke, Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach rechtlich gegen den Online-Händler vorgegangen sind oder dies zumindest angekündigt haben.

Obwohl zwischen dem FC Basel und Viagogo keine solche Vereinbarung besteht, können potenzielle Käufer auf Viagogo nach wenigen Mausklicks für die wegweisende Partie im Kampf um den Schweizer-Meister-Titel gegen die Zürcher Grasshoppers am 27. April bis zu 30 Tickets kaufen – darunter für den zuschauerneutralen Sektor C. Der FC Basel verlangt dafür maximal 59 Franken, bei Viagogo kosten sie 80 Franken. Addiert mit den erhobenen Buchungs- und Liefergebühren sind die Eintrittskarten beim Online-Händler über 70 Prozent teurer als im offiziellen Vertriebskanal. Für den FC Basel ein unhaltbarer Zustand. «Wir sind laufend dabei, nicht nur solche überhöhten Angebote bei Viagogo, sondern auch bei anderen Internetplattformen zu überprüfen, um im Bedarfsfall entsprechende Massnahmen einleiten zu können», sagt Roth.

YB prüft Gegenmassnahmen

Richtiggehend verärgert in dieser Sache sind die Berner Young Boys. Der Tabellendritte der Axpo Super League setzt sich zur Wehr: Für das Heimspiel am 11. Mai gegen den FC Basel bietet Viagogo Tickets in Höhe von 115.80 Franken an. Darin enthalten sind Gebühren von 28.50 Franken. YB selbst bietet dieselben Karten für maximal 70 Franken auf seiner Internetseite an. Diesen massiven Preisunterschied will YB nicht hinnehmen. «Wir werden deshalb die Entwicklung intensiv beobachten und behalten uns im Extremfall das Recht vor, Zuschauer mit Viagogo-Tickets von der Veranstaltung auszuschliessen, sofern ein Missbrauch vorliegt», sagt YB-Pressechef Albert Staudenmann.

Käufer und Verkäufer unbekannt

Wie es möglich ist, dass die Online-Ticketbörse mit überhöhten Eintrittskarten bei nicht ausverkauften Schweizer Fussballstadien Gewinne erzielen kann, bleibt derweil im Dunkeln. «Wir gehen davon aus, dass es sich bei der erwähnten Partie um Schwarzhändler handelt, die glaubten, die Partie zwischen YB und dem FC Basel würde sich angesichts der Tabellensituation zur Finalissima entwickeln, und daher hofften, mit dem Kauf und Wiederverkauf eine überdurchschnittliche Rendite erzielen zu können», sagt YB-Pressesprecher Staudenmann dazu.

Viagogo wollte sich trotz mehrfacher telefonischer und schriftlicher Anfrage zu seinem Geschäftsmodell nicht äussern, weshalb das Internetportal die umstrittene Preispolitik verfolgt. Es wurde lediglich ein Faktenpapier mit den Viagogo-Grundregeln zugestellt. Darin beteuert das Unternehmen, nicht selbst Tickets bei den Vereinen zu kaufen und weiterzuvertreiben. Überdies betont Viagogo, dass die Kartenpreise von den einzelnen Verkäufern festgelegt würden. Wer die Käufer und Verkäufer der Eintrittskarten sind, konnte die Redaktion nicht in Erfahrung bringen. Die bis zu 30 Prozent hohen Gebühren pro Ticket rechtfertigt die Genfer Firma damit, auf diese Weise «die Garantieversprechen einzuhalten, um unsere sichere Online-Ticketplattform zu betreiben». Diese Aufgabe beinhalte, sich um die Abwicklung der vereinbarten Transaktion zwischen Käufer und Verkäufer zu kümmern.

Kritik vom Konsumentenschutz

Der Konsumentenschutz kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Viagogo sei keine offizielle Verkaufsplattform, sondern verdiene sein Geld vielmehr mit dem Wiederverkauf von Tickets im Graubereich. «Wir bezeichnen die Aktivitäten als Graumarkt, da die Wiederverkäufer die Tickets zu massiv überteuerten Preisen weiterverkaufen», sagt Janine Jakob, Leiterin Recht des Konsumentenschutzes. Viagogo handle laut Jakob aber rechtlich korrekt.

Das sieht der Preisüberwacher auch so. «Ich kann von Gesetzes wegen nur aktiv werden, wenn eine Preisbildung einer marktmächtigen Unternehmung vorliegt und wenn kein Wettbewerb herrscht», sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans auf Anfrage. Da die Konsumenten bei der Beschaffung von Sport- und Konzerttickets einen funktionierenden Wettbewerb vorfänden, sei diese Voraussetzung aber in diesem Fall nicht gegeben.