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GAMES: Mario will wieder mitspielen

Super Mario, Pokémon, Wii – Nintendo hat die Videospielbranche wie kein anderes Unternehmen beeinflusst. Inzwischen hat der japanische Konzern seine Spitzenposition abgegeben. Doch das könnte sich bald wieder ändern.
Federico Gagliano
Shigeru Miyamoto von Nintendo stellte an der Apple-Keynote neue Spiele vor. (Bild: Monica Davey/EPA)

Shigeru Miyamoto von Nintendo stellte an der Apple-Keynote neue Spiele vor. (Bild: Monica Davey/EPA)

Zwar mischt Nintendo noch immer gehörig in der Branche mit, hinkt aber den aktuellen Konkurrenten Sony und Micro­soft hinterher. Auch der Brexit macht Nintendo zu schaffen: Wegen des stärkeren Yens verzeichnete das Unternehmen im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres einen Verlust von umgerechnet 7,5 Millionen Franken. Ein Jahr zuvor gab es noch einen Gewinn von 75 Millionen Franken. Die Verkäufe nahmen im September um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Während ihre portable Konsole 3DS eine konstante Linie fährt, ist die letzte Nintendo-Heimkonsole Wii U vergleichsweise ein Flop. Dem japanischen Unternehmen geht es aber keineswegs schlecht. Die Aktie ist seit dem Start von «Pokémon Go» im Juli im Hoch und ist seither nur leicht gesunken. In der über 100-jährigen Geschichte Nintendos gab es auch sehr schwierige Phasen.

Die Anfänge des Unternehmens waren eher bescheiden: Unternehmer Fusajiro Yamauchi gründete die Firma am 23. September 1889. Damals wurde nur ein Produkt verkauft: handbemalte Spielkarten. In den 1960er-Jahren experimentierte Nintendo in allen möglichen Branchen; zum Konzern gehörte ein Taxiunternehmen, eine Nahrungsmittelkette und die «Love Hotels». All diese Projekte schlugen fehl und hinterliessen bei Nintendo hohe Schulden – es drohte der Konkurs. Einzige Einnahmequelle blieb die Spielzeugkette, die inzwischen mehr als nur Karten verkaufte. Kurz nach dem Börsengang 1962 entschied Nintendo, sich fortan nur noch auf diesen Geschäftsbereich zu konzentrieren.

Nintendo erfindet sich immer neu

Nach eigenen Versuchen mit Spielhallengeräten und einzelnen portablen Konsolen betrat Nintendo 1983 den Heimkonsolenmarkt in Japan mit einer Eigenkreation, dem Famicom. Zwei Jahre später wurde Famicom unter neuem Auftritt als Nintendo Entertainment System (NES) in Amerika und Europa veröffentlicht. Mit 61,91 Millionen verkauften Einheiten befindet sich das NES noch immer auf Platz 10 der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten.

Nach dem Nintendo-Boom der 1980er-Jahre brachte die Firma regelmässig alle fünf bis sechs Jahre eine neue Konsole auf den Markt. Dabei erfand sich Nintendo immer wieder neu: Mit dem Nintendo 64 (1996) wechselten die Spiele von 2-D zu 3-D. Mit der Konsole Gamecube (2001) verabschiedete sich Nintendo von Spielkassetten und setzte auf Mini-CDs. Und mit der Wii (2006) führte Nintendo eine revolutionäre Bewegungssteuerung ein: Sie ermöglichte es zum Beispiel, im Wohnzimmer mittels eines Controllers den Tennisschläger zu schwingen oder wie ein Boxer Schläge auszuteilen. Doch nicht alle Ideen haben sich ausbezahlt. Nintendos letzte Kon­sole, die Wii U, überzeugte nicht. Bisher wurden nur 13 Millionen Einheiten verkauft. Zum Vergleich: Der Vorgänger Wii verkaufte sich knapp 102 Millionen Mal und verdoppelte Nintendos Jahresumsatz (siehe Grafik).

Nintendo habe es bei der Wii U versäumt, den Unterschied zur Vorgängerkonsole hervorzuheben, sagen Experten. Ausserdem fehlten die Spiele: Externe Entwickler haben Nintendo im Stich gelassen, und von eigener Seite erschien in der aktuellen Herbstsaison nur ein einziges Spiel für die Wii U. Klare Zeichen, dass Nintendo bereits in die Zukunft blickt, dabei aber ein Auge auf die Vergangenheit gerichtet hält. Für den Weihnachtsmarkt setzt Nintendo nämlich auf Nos­talgie: Ein neues Kapitel in der Pokémon-Saga erscheint Ende November für den 3DS. Deren Vorläufer haben sich bisher je zwischen 12 und 15 Millionen Mal verkauft. Der aktuelle Nintendo-Präsident Tatsumi Kimishima verriet, dass die Pokémon-Fortsetzung das meistvorbestellte Nintendo-Spiel aller Zeiten ist. Für den Heimkonsolenmarkt geht Nintendo noch weiter in die Vergangenheit zurück. Mit einer Miniversion belebt Nintendo seine erste Konsole NES wieder. 30 Spieleklassiker sind darauf vorinstalliert. Die Stückzahl ist stark limitiert – bei den meisten Händlern ist die Konsole, die diesen Freitag erscheint, schon ausverkauft. Doch was kommt danach? Grösster Hoffnungsträger ist Nintendos nächste Konsole, die vor kurzem enthüllt wurde: Der Nintendo Switch wird bereits im März 2017 erscheinen. Das Gerät verbindet erstmals Heimkonsole und Handheld. Spiele können auf ein tragbares HD-Display übertragen werden, um unterwegs zu spielen.

Nintendo

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Die Börse und die Medien zeigten sich bisher wenig begeistert – besonders, da Nintendo wenig zu den Neuerungen bekannt gab. Preis, genaues Erscheinungsdatum und mehr technische Details sollen bei einer grossen Präsentation am 12. Januar 2017 enthüllt werden. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Konsole wird die Batterielaufzeit des portablen Bildschirms sein. Grosse Erfolge hat Nintendo auch mit Mobile Games, obwohl sich der Konzern lange dagegen wehrte, seine Marken wie Mario, Donkey Kong und Zelda an externe Entwickler weiterzugeben. Der 2015 verstorbene Nintendo-Präsident Satoru Iwata war 2011 noch überzeugt: «Würden wir das tun, wäre Nintendo nicht mehr Nintendo.» Damals gestand er aber ein, dass sie mit hohem Profit rechnen könnten, sollten sie den Schritt wagen. Neun Monate vor seinem Tod erklärte Iwata, weshalb sich Nintendo bei der Entwicklung von Spielen für Smart Devices die notwendige Zeit nehmen wollte: Bestehende Spiele einfach ohne Anpassungen an das neue Medium auf Smart Devices zu übertragen, würde den Qualitätsansprüchen nicht gerecht. Stattdessen wollte man sich Zeit nehmen, spezifisch auf die neuen Geräte zugeschnittene Spiele von Grund auf zu entwickeln. Die Strategie hat sich gelohnt: Mit Pokémon Go hat Nintendo bei den Smartphone-Spielen Download-Rekorde gebrochen.

Der nächste Hit steht vor der Tür. Super Mario Run, das exklusiv von Mario-Erfinder Shigeru Miyamoto höchstpersönlich an der diesjährigen Apple Keynote vorgestellt wurde, könnte Nintendos Smartphone-Präsenz im Dezember einen noch stärkeren Push geben. Miyamoto sagte einst: «Es ist Nintendos Philosophie, nie den einfachen Weg zu nehmen. Wir fordern uns immer selbst heraus und versuchen, etwas Neues zu tun.» 2006 waren die ersten Reaktionen zur Wii genauso gemischt wie heute bei der Ankündigung von Nintendo Switch. Nintendo ist immer für eine Überraschung gut. Obwohl der Game-Pionier nicht mehr Branchenleader ist, bleibt die Innovationskraft von Nintendo deutlich spürbar. Von Mario, Pokémon & Co. darf weiterhin Grosses erwartet werden.

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