GARANTIE: Verwirrung um Geräte-Garantie

Seit dem 1. Januar gibt es für Konsumgeräte zwei Jahre Garantie vom Verkäufer. Bei Apple-Produkten wird oft angegeben, die Garantie gelte nur ein Jahr – das ist falsch.

Lukas Scharpf
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Die Verkäufer haften für Neugeräte mit zwei Jahren Garantie. Man kann sie nicht verkürzen. Nur ganz ausschliessen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die Verkäufer haften für Neugeräte mit zwei Jahren Garantie. Man kann sie nicht verkürzen. Nur ganz ausschliessen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

«Ein grosser Fortschritt für die Konsumenten», so nannte Bundesrätin Simonetta Sommaruga die neuen Garantiebestimmungen, die seit Anfang Jahr gelten. Sie selbst war vor ihrer Wahl in den Bundesrat Geschäftsleiterin und Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz. Was hat sich verbessert? Neu gilt für Konsumgeräte wie Fernseher, Smartphones oder Küchenmixer eine Garantiezeit von zwei Jahren. Gewährleistungsfrist nennt sich das in der Sprache des Gesetzes.

Pranger des Konsumentenschutzes

Viel Verwirrung bei Konsumenten schufen Anfang Jahr Verkäufer von Apple-Geräten. Für iPhones, iPads und Computer mit dem angebissenen Apfel gelte weiterhin nur eine Garantie von einem Jahr. Diese Antwort erhielt der «Kassensturz» vor einer Woche bei diversen Verkaufsstellen. Der Konsumentenschutz stellte die Verkäufer letzten Freitag deshalb an den Pranger. «Tatsache ist, dass die Verkäufer bei Apple- Produkten oft falsch kommunizierten», sagt Janine Jakob, Leiterin Gesundheit und Recht bei der Stiftung für Konsumentenschutz. Unter dem Titel «Apple-Verkäufer umgehen Schweizer Recht» stellte die Stiftung eine Liste von Anbietern zusammen, die nur ein Jahr Garantie auf Apple-Produkte geben. Darauf standen gestern noch vier Anbieter, darunter der Apple Store – also die eigene Verkaufsstelle des Herstellers.

Verkäufer haftet, nicht Hersteller

Apple selbst kann die Anschuldigungen des Konsumentenschutzes nicht nachvollziehen. «Wir erfüllen sämtliche Anforderungen der Gesetzeslage zur Gewährleistung», sagt Andrea Brack, Sprecherin von Apple Schweiz, auf Anfrage unserer Zeitung. Diese sei mit der Gesetzesänderung selbstverständlich per 1. Januar 2013 auf zwei Jahre verlängert. Kauft der Kunde aus dem Apple Online Store oder im Apple Retail Store, so hat er die Wahl, ob er seine Ansprüche gegenüber Apple im Falle eines Mangels der Ware unter Gewährleistungsrecht (2 Jahre) oder unter der Herstellergarantie (1 Jahr) machen möchte. Kauft der Kunde von einem Schweizer Händler, so wird Apple auch in diesem Fall die oben erwähnte Herstellergarantie für ein Jahr gewähren. Für die zweijährige Garantie im Sinne der Gewährleistung haftet aber der Verkäufer – und nicht Apple selbst.

Dass Verkäufer andere Angaben gemacht haben, geht zurück auf die Apple-eigene Herstellergarantie. Innerhalb eines Jahres kann man ein iPhone mit Mängeln direkt an Apple für eine Reparatur oder einen Ersatz schicken. Diese Garantie ist aber zusätzlich zur gesetzlich vorgesehenen Garantie, der Gewährleistungspflicht. Wenn Verkäufer Anfang Jahr darum noch eine Garantie von einem Jahr kommunizierten, war dies falsch. Unsere Zeitung hat bei den Verkäufern nachgefragt, wie lange sie Garantie gewähren. Swisscom, Orange, Sunrise, Data Quest, Digitec und Steg PC gewähren die gesetzlich vorgeschriebenen zwei Jahre für alle Geräte, auch von Apple.

Garantie rückwirkend verlängert

Manor gewährt zwei Jahre Garantie sogar rückwirkend auf Geräte, die seit dem 1. Januar 2012 gekauft wurden. Bei der Migros gilt bereits seit über zehn Jahren die Garantie von zwei Jahren auf alle Geräte. Coop vergab auch vor der Gesetzesänderung generell zwei Jahre Garantie. Ausnahmen gab es bei Elektronikgeräten, welche bei Coop primär unter Aktionen verkauft wurden. «Wenn ein solches Gerät nun im Jahr 2012 gekauft wurde, beginnt ab dem 1. Januar 2013 neu eine zweijährige Garantie», sagt Sprecher Urs Meier.

Ob Apple, Samsung oder Sony. Ob iPhone, Mixer oder Fernseher. Seit dem 1. Januar gilt für alle neuen Geräte: zwei Jahre Garantie.