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Garstige Zeiten für Investoren

Mit der Häufung von Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten verlieren die Renditejäger eines ihrer letzten Grossreviere. Dennoch geben sich Ökonomen nicht dem Pessimismus hin.
Daniel Zulauf
Börsenspezialisten beobachten besorgt die Entwicklung der Aktienkurse. (Bild: Richard Drew/AP Photo, New York, 11. Oktober 2018)

Börsenspezialisten beobachten besorgt die Entwicklung der Aktienkurse. (Bild: Richard Drew/AP Photo, New York, 11. Oktober 2018)

Der grosse Boom an den weltweiten Aktienbörsen steht im zehnten Jahr und noch immer wollen viele Beobachter nicht so richtig glauben, dass die Hausse bald zu Ende gehen könnte. «Keine Panik», lautete auch am Donnerstag das unter den hiesigen Bankanalysten nach wie vor dominierende Credo, als die Kurse im Sog der Wall Street auch an den europäischen Börsen heftig ins Rutschen gerieten. Selbst der dritte grössere Kurseinbruch im laufenden Jahr scheint den Investmentstrategen die Zuversicht nicht zu nehmen.

Etwas mehr Vorsicht als in früheren Zeiten ist dennoch auszumachen – mit gutem Grund: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat diese Woche zum ersten Mal seit drei Jahren seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft nach unten korrigiert. Die Anpassung um –0,2 Prozent sieht zwar eher kosmetisch aus, zumal das Wachstum im kommenden Jahr mit den erwarteten 3,7 Prozent immerhin gleich hoch bleiben soll wie im laufenden Jahr und im Jahr davor.

Kaum Möglichkeiten für geldpolitische Massnahmen

Doch die IWF-Ökonomen betonen deutlicher als auch schon die Risiken ihrer eigenen Prognose. Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist in vollem Gang – mit offenem Ausgang. Eine weitere Verschärfung des Konflikts würde die Wachstumsperspektiven stark beeinträchtigen, glauben nicht nur die IWF-Ökonomen. Längerfristig seien die konjunkturellen Risiken umso grösser, als viele Länder kaum Möglichkeiten besässen, im Bedarfsfall mit geldpolitischen oder fiskalischen Massnahmen Gegensteuer zu geben. Das Verschuldungsniveau ist in den meisten alten Industrieländern immer noch so hoch, dass das Geld für steuerliche Anreize oder staatliche Konjunkturprogramme zur Ankurbelung der Wirtschaft fehlt. Auch den Notenbanken sind vielerorts die Hände gebunden. In Europa und in Japan bewegen sich die Leitzinsen am Nullpunkt oder darunter. Impulse aus dieser Ecke sind deshalb nicht zu erwarten, wenn sie denn abermals nötig werden sollten.

«Bei allen Gefahren für die Weltwirtschaft gehen wir weiterhin von einer wirtschaftlichen Expansion aus.»

Das sind die Gründe, die Vorsicht nähren, aber für verbreiteten Pessimismus sind sie offensichtlich noch nicht stark genug: «Bei allen Gefahren für die Weltwirtschaft gehen wir weiterhin von einer wirtschaftlichen Expansion aus, die ausreichend stark ist, um die Finanzmärkte zu stützen», kommentierte Karsten Junius, Chefökonom der Basler Privatbank J. Safra Sarasin, stellvertretend für viele seiner Berufskollegen.

Doch mindestens in der kurzen Sicht lassen sich die Börsen den Takt nicht zwingend von der Konjunktur vorgeben. Eine zen­trale Rolle spielen auch Bewertungsfragen. Je höher der Preis einer Aktie, desto höher ist auch das Rückschlagsrisiko – und umgekehrt. Mit dem beispiellosen Kursanstieg einiger weniger Technologieaktien ist dieser Aspekt an der Wall Street in den letzten Jahren stark in den Vordergrund gerückt. Der Marktwert der FAANG-Aktien, eine Bezeichnung, die für die Highflyer der vergangenen Jahre (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google bzw. Alphabet) steht, hat unlängst unter Einschluss von ­Microsoft einen Anteil von 15 Prozent an der Gesamtkapitalisierung des US-Aktienmarktes ­erreicht. Das Gewicht der FAANG-Titel ist mehr als doppelt so hoch wie noch vor fünf Jahren.

Anleger haben falsche Erwartungen

Für den Zürcher Vermögensverwalter Alex Hinder ist das eine «ungesunde Entwicklung». Die massiven Kursaufschläge dieser Aktien basierten auf der Erwartung der Anleger, dass diese Firmen mit ihren monopolähnlichen Marktpositionen über Jahre hinaus hohe Gewinnwachstumsraten ausweisen könnten. Solche Projektionen hätten sich in der Vergangenheit immer wieder als überzogen erwiesen, so Hinder.

Er verweist auf die frühen 1970er-Jahre, als sich die Investoren um die sogenannten «Nifty Fifty»-Aktien wie IBM rissen und eine ähnliche Konzentration der Marktkapitalisierung auf die 50 begehrtesten US-Titel erzeugten. Sowohl noch dem «Nifty Fifty»-Boom als auch nach dem letzten Technologieboom gingen die Börsen längere Zeit auf Tauchstation. An eine Flaute wie damals mag zwar auch Hinder mit Blick auf die immer noch sehr guten konjunkturellen Perspek­tiven nicht glauben. Doch die ­Erfahrung lehre ihn, dass für die Investoren nun endgültig gars­tige Zeiten angebrochen sein könnten.

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