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GASTRONOMIE: Clubs haben Hunger nach mehr

Das Verpflegungsangebot an Sport- anlässen hat an Bedeutung gewonnen. Die Clubs setzen dabei auf unterschiedliche Strategien.
Ernst Meier
Der EV Zug betreibt das Gastrogeschäft auf eigenes Risiko. Wie gut das Geschäft rentiert, darüber hüllt sich der Verein in Schweigen. Das Bild zeigt zwei EVZ-Fans an einem Imbissstand in der Bossard-Arena. (Bild: PD)

Der EV Zug betreibt das Gastrogeschäft auf eigenes Risiko. Wie gut das Geschäft rentiert, darüber hüllt sich der Verein in Schweigen. Das Bild zeigt zwei EVZ-Fans an einem Imbissstand in der Bossard-Arena. (Bild: PD)

Wurst mit Brot und dazu eine Flasche Bier – die klassische «Faust-Verpflegung» gehört zum Matchbesuch wie Fan-Chöre. Mittlerweile umfasst das kulinarische Angebot an Fussball- und Hockeyspielen weitaus mehr – auch in der Zentralschweiz. Mit der Eröffnung der neuen Stadien Swisspor-Arena in Luzern und Bossard-Arena in Zug wurde das Gastronomie-Angebot deutlich ausgebaut. In den sogenannten «Hospitality- und VIP-Bereichen» werden die Gäste mit Cüpli und Weisswein empfangen. Zu essen gibt es mehrgängige Menüs, dazu werden auserwählte Weine serviert. In der Bossard-Arena hat man mit dem «Legends Club» und der «67 Sportsbar» sogar zwei Stadionrestaurants, wo die Fans vor und nach dem Spiel verweilen können.

SC Bern macht es vor

Die Chancen, die sich durch den wachsenden Gastronomiebereich ergeben, nutzen die Clubs sehr unterschiedlich. Am erfolgreichsten wirtet heute der SC Bern. Im Geschäftsjahr 2012/13 schrieb dieser einen Umsatz von rund 50 Millionen Franken – nur knapp die Hälfte davon stammte aus dem Kern­geschäft Eishockey. Jeder zweite Franken kommt beim SCB mittlerweile von der Schwestergesellschaft Sportgastro AG. Zu dieser gehören 16 Gastrobetriebe; fünf davon sind in der Postfinance-Arena. Daneben betreibt der SCB auch ein Steakhouse in der Stadt Bern und führt die Restaurants im Golfpark Moossee sowie im Lorrainebad. In der Szene hört man deshalb hie und da spassen, dass der SCB ein Gastrokonzern mit angeschlossenem Hockeyklub sei.

Tatsache ist: Der SCB – der 1998 noch vor dem finanziellen Aus stand – gilt heute als profitabelster Sportclub der Schweiz. Die Strategie von SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi, der 2002 mit dem Ausbau des Standbeines Gastronomie begann, hat sich ausgezahlt. Dabei ging man in Bern auch Risiken ein. So zahlt der SCB jährlich 4 Millionen Franken Stadionmiete, verdient im Gegenzug aber an jeder verkauften Bärenzipfel-Wurst und jedem Becher Gurten-Bier.

FCL scheut das Risiko

Eine andere Strategie wählte der FC Luzern in der Swisspor-Arena, indem er den Gastronomiebereich an die Migros Luzern vergab. Die «Catering Services Migros Luzern» betreibt alle Essstände sowie den Hospitality- und VIP-Bereich während der Spiele. Sie ist aber auch für die Bewirtung der Gäste bei Veranstaltungen wie Banketten, Firmenessen oder Hochzeiten verantwortlich. Die Migros zahlt dem FCL eine jährliche Pacht von zirka 500 000 Franken, wie FCL-Präsident Ruedi Stäger bestätigt.

Wieso betreibt der grösste Sportclub der Zentralschweiz seine Gastronomie nicht selber? «Als das Stadion vor fünf Jahren gebaut wurde, hat man aus Kostengründen entschieden, die Gastronomie an ein externes Unternehmen zu vergeben», sagt Ruedi Stäger. Der Bau der Kücheninfrastruktur kostete mehrere Millionen Franken. «Den Grossteil der Investitionen hat die Migros getätigt», erklärt Stäger. Entsprechend habe man einen Zehnjahresvertrag für das Stadioncatering abgeschlossen. «Unser Kerngeschäft ist der Fussball, nicht die Gastronomie», sagt er. Die Zusammenarbeit mit der Migros habe sich bewährt. Trotzdem schliesst Stäger nicht aus, dass der FCL das Gastroangebot einmal selber führen könnte. «Derzeit ist das zwar kein Thema. Zwei bis drei Jahre vor Vertragsende werden wir sämtliche möglichen Optionen prüfen müssen.»

Der Fussball-Krösus FC Basel hat einst den gleichen Weg gewählt. Beim St.-Jakob-Park setzte man zu Beginn im Jahr 2001 auf die Berchtold Catering AG. Vor zwei Jahren übernahm dann der FCB die Mehrheit am Gastrounternehmen. Doch diesen Sommer reduzierte der Schweizer Meister die Beteiligung wieder auf 35 Prozent. «Wir konzentrieren uns lieber auf das Fussballgeschäft», sagt FCB-Präsident Bernhard Heusler dazu. Er sieht den Gastrobereich für Sportclubs als interessante Diversifikation. «Eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen, ist wegen der hohen Personalkosten aber sehr schwierig», sagt Heusler. Sein Verein schreibt dank Meistertiteln sowie den Geldern aus der Champions League zum fünften Mal in Folge schwarze Zahlen.

EVZ setzt auf eigene Gastro AG

Beim EV Zug zeigt man sich im Bereich Gastronomie risikofreudiger und orientiert sich am Modell SCB. So gehört zur EVZ Holding die Tochtergesellschaft EVZ Gastro AG. Darin sind alle Restaurant-Aktivitäten des Clubs untergebracht. Die EVZ Gastro übernimmt auch alle privaten Anlässe, die in der Bossard-Arena stattfinden – so zum Beispiel die GV der Zuger Kantonalbank oder die legendäre Weihnachtsfeier von Glencore, wo Stars wie Pink oder Jamiroquai auftreten.

EVZ übernimmt Restaurants

Wie erfolgreich man beim EVZ wirtet und wie viel das neue Standbein zur Geschäftsrechnung beiträgt, gibt der EVZ nicht bekannt. Der Club kommuniziert keine detaillierten Zahlen. Nur so viel ist bekannt: Das gesamte Unternehmen EVZ schreibt jährlich rund 24 Millionen Franken Umsatz. Die Tücken des Gastro­geschäftes spürte der zweitgrösste Sportclub der Zentralschweiz in der letzten Saison. «Der eishockeytechnisch schlechte Saisonverlauf hinterlässt seine Spuren auch in der Gastronomie», ist im Geschäftsbericht zu lesen. CEO Patrick Lengwiler ergänzt: «Weniger Zuschauer bedeuten weniger Umsatz, der Aufwand bleibt jedoch praktisch identisch.» Um die Abhängigkeit zu reduzieren und die saisonal bedingten Schwankungen auszugleichen, hat der EVZ im vergangenen Jahr den Betrieb der beiden Restaurants Pier 41 in Zug und Zunfthaus Kreuz in Oberwil übernommen. Weitere Übernahmen schliesst Patrick Lengwiler derzeit aus. «Wir sind daran, zu konsolidieren», sagt er. Die EVZ Holding beschäftigt heute 100 Vollzeitangestellte, davon sind 40 in der Gastronomie tätig. Hinzu kommen gegen 300 Teilzeitmitarbeiter.

HCD: Verlust in der Gastrosparte

Dass die Diversifizierung im Hockey-geschäft nach dem Vorbild des SC Bern auch zu Verlusten führen kann, musste jüngst der HC Davos erfahren. So verursachte die Beteiligung an der Strozzi’s Gastro AG den Bündnern im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von 692 000 Franken und riss den Gastrobereich des Rekordmeisters in die roten Zahlen. Unter dem Strich resultierte für die HCD-Gruppe fast eine Million Franken Jahresverlust.

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