GASTRONOMIE: Die Zuger essen am teuersten

Herr und Frau Schweizer gehen öfter auswärts essen und trinken. Doch sie geben weniger dafür aus. Die Unterschiede sind regional freilich beträchtlich.

Rainer Rickenbach
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Kalbsleberli mit Rösti: Zuger geben am meisten fürs Essen aus. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Kalbsleberli mit Rösti: Zuger geben am meisten fürs Essen aus. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

So viel geben die Zentralschweizer aus. (Bild: Neue LZ)

So viel geben die Zentralschweizer aus. (Bild: Neue LZ)

Durchschnittlich 2878 Franken liess sich jeder Bewohner der Schweiz im vergangenen Jahr den Besuch von Restaurants oder andern Lokalen kosten. Auf eine Woche gerechnet sind es mehr als 55 Franken, die ein Durchschnittsgast in Beizen und Bars liegen lässt. Gemäss Berechnungen der Branchenorganisation Gastrosuisse liegen diese Summen 2,7 Prozent tiefer als im Vorjahr. Nimmt man 2011 zum Massstab, beträgt der Rückgang sogar 4,6 Prozent. Es bestehen freilich regional ziemlich grosse Unterschiede (siehe Grafik).

Gastrotourismus und Take-away

Die Abwärtsspirale hält seit mehreren Jahren an. Richtig in Schwung gekommen ist er vor fünf Jahren, als der Euro in den Keller fiel und sich in der kleinräumigen Schweiz mehr und mehr Leute auf den Weg über die Grenze eines Nachbarlandes machten, um für vergleichsweise wenig Geld gediegen zu essen. «Alleine in der Deutschschweiz entgehen der Branche durch den Gastrotourismus jährlich etwa 2 Milliarden Franken», sagt Hannes Jaisli, stellvertretender Direktor von Gastrosuisse. Für die traditionelle Gastronomie kommt erschwerend hinzu, dass der Trend hin zu Take-away und Schnellimbissen anhält – wenn auch nicht mehr im gleichen Tempo wie noch vor ein paar Jahren.

Landbeizen-Sterben setzt sich fort

Die Gourmet-Grenzgänger sind nur eine von mehreren Ursachen, warum sich viele Betriebe in der Schweizer Gastronomie mit stagnierenden oder gar sinkenden Umsätzen konfrontiert sehen. Das macht ein Blick auf die Gästezahlen deutlich: Diese sind trotz der tieferen Umsätze leicht gestiegen. «Konjunkturell scheint der Boden des Rückgangs zwar erreicht zu sein. Der Nachweis eines Anstiegs ist jedoch noch nicht erbracht», beschreibt Gastrosuisse-Präsident Klaus Künzli die Befindlichkeiten in der Branche. «Das Beizensterben ist besonders in den ländlichen Gebieten Realität und akzentuiert sich weiter.» Die Gäste gehen also wieder öfters aus, geben aber weniger aus.

Vor allem bei den Getränken halten sie sich zurück, beim Flüssigen sackte der Umsatz um fast 5 Prozent ab. Branchenkenner führen die Umsatzeinbusse in erster Linie auf die teilweise stolzen Preise zurück, die nicht in allen, aber in vielen Lokalen für das «Einerli» und das «Zweierli» Wein verlangt werden. Viele Gäste weichen darum auf günstigere Weinsorten im Offenausschank aus und belassen es an einem Abend bei ein oder zwei Gläsern. Dass die Polizei öfters als früher den Alkoholpegel der Autofahrer kontrolliert, trägt auch seinen Teil zu den Bestellhemmungen bei Alkoholgetränken bei. Wein ist indes nach wie vor das beliebteste alkoholische Getränk. Vor allem die über 50-Jährigen sprechen ihm sowohl in der Deutschschweiz als auch in der Westschweiz mehr zu als dem Bier.

Die Zuger sind schweizerisch Spitze

Der Gastrotourismus hinterlässt in den grenznahen Gebieten deutliche Spuren. Am ärgsten trifft es die Wirte im Kanton St. Gallen, wo sich die Gäste das auswärts Trinken und Essen fast einen Fünftel weniger kosten lassen als in der übrigen Schweiz. In der Zentralschweiz stehen die Gastrobetriebe dank ihrer geografischen Lage vergleichsweise gut da – der wohlhabende Kanton Zug sogar ausserordentlich gut (siehe Grafik). Dort geben die Lokalbesucher über 50 Prozent mehr als im schweizerischen Durchschnitt aus. «Zug hat als starker Wirtschaftsstandort viele Zupendler, und die Bevölkerung verfügt über ein hohes Einkommen», macht sich der stellvertretende Gastrosuisse-Direktor Hannes Jaisli einen Reim auf die schweizerische Spitzenposition der Zuger.

Die Luzerner gehen gerne aus

Die andern Zentralschweizer Kantone liegen entweder leicht über oder leicht unter dem Durchschnitt. Jaisli: «In Luzern herrscht ein reges soziales Leben. Ich beobachte zum Beispiel an einem Freitagabend den Unterschied zum Aargau: Während Sursee aus allen Nähten zu platzen scheint, ist in Zofingen nur wenig los.» Die guten Werte in Uri führt er auf die Lage an der stark befahrenen Nord-Süd-Transit-Achse zurück. Dass Nid- und Obwalden leicht unter dem schweizerischen Durchschnitt angesiedelt sind, ist nach Jaislis Einschätzung auf die vielen Wegpendler in den beiden Halbkantonen zurückzuführen. «Das findet beim Mittagessen seinen Niederschlag, auf das mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben für auswärtiges Essen und Trinken entfällt», sagt er.

Kampf um Kontingente beginnt

BRANCHE rr. Für Gastrosuisse-Präsident Klaus Künzli standen gestern an der Medienorientierung des Branchenverbandes «die drei grossen politischen M» im Vordergrund. Gemeint sind damit die Folgen der Masseneinwanderungsinitiative, die Abstimmungsvorlage zum Mindestlohn und die Mehrwertsteuerinitiative des Verbandes, die vermutlich am 28. September vors Volk kommt.

  • Masseneinwanderungsinitiative: Mit einem Ausländeranteil von 44 Prozent sei das Gastgewerbe sehr stark auf die ausländischen Mitarbeitenden angewiesen, so Künzli. «Wir fordern ein ausreichend grosses Kontingent für die Branche, wenig Bürokratie und keine Benachteiligungen gegenüber anderen Berufsgattungen», sagte er.
  • Mindestlohninitiative:Die Stimmberechtigten entscheiden am 18. Mai über das Volksbegehren der Gewerkschaften. Es brauche «kein staatliches Lohndiktat», sagte Ernst Bachmann, Vizepräsident des Verbandes. Die Arbeitgeber zahlten heute die Löhne,welche die Rentabilität erlauben. Die Gastrounion ist als wichtigeSozialpartnerin der Gastroarbeitgeber gegen die Initiative des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes.
  • Mehrwertsteuerinitiative:Es handelt sich um die erste Volksinitiative, die der Verband lanciert hat. Sie verlangt den gleichen Mehrwertsteuersatz für Restaurants und Take-aways. Für Restaurants gelten heute 8 Prozent, für Take-aways 2,5 Prozent. «Die ungerechte Besteuerung führt zum Gastrotourismus ins Ausland. Immer öfter werdenFirmenanlässe und Familienfeste ins nahe Ausland verlegt», beschwerte sich Hannes Jausli, stellvertretender Direktor von Gastrosuisse. Zwar sind unterschiedlicheMehrwertsteuersätze für herkömmliche Gaststätten und Imbissbuden in der EU nicht verbreitet, die Mehrwertsteuer liegt dort aber in den meisten Ländern weit über 8 Prozent.
  • Hotellerie: Die Hotels, die der Gastrosuisse und nicht der Hotellerie­suisse angeschlossen sind, legten 2013 bei den Logiernächten leicht zu. Dazu trugen vor allem die Gäste aus China bei (plus 16,8 Prozent). Das Plus bei den Hotelübernachtungen deutet indes auf tiefe Preise bei den KMU-Hotels hin, denn ihr Umsatz war auch 2013 rückläufig.
  • Gäste: Die Schweizer Wohnbevölkerung gab im vergangenen Jahr 23 Milliarden Franken für auswärts Essen und Trinken aus. «Das Schweizer Gastgewerbe ist der Küchentisch der Nation», pries Verbandspräsident Klaus Künzli seine Branche an. Die fleissigsten Restaurantbesucher warenMänner im Alter von 30 bis 49 Jahren.
  • Speisezettel: Am häufigsten bestellten die Gäste Salate, Gemüse und Pommes frites. Beim Fleisch standRind hoch in der Gunst, gefolgt von Schwein. Zum Dessert warGlace unangefochtene Spitzenreiterin. Nur jedes fünfte bestellte Getränk war im vergangenen Jahr alkoholisch. Ein Drittel der Getränkebestellungen entfielauf Heissgetränke, Kaffee wardabei top. An zweiter Stelle folgte das Mineralwasser.