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GATEGROUP: Banken gewinnen den Poker

Der Börsengang des Airline-Caterers wird im letzten Moment abgesagt. Die bisherige Eigentümerin, die chinesische HNA, will offenbar ein Zeichen setzen.
Daniel Zulauf
Die Küche von Gategourmet, einem Unternehmen der Gategroup. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Kloten, 20. März 2018))

Die Küche von Gategourmet, einem Unternehmen der Gategroup. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Kloten, 20. März 2018))

Daniel Zulauf

Wie steht es um die Finanzen beim chinesischen Tourismus- und Finanzkonglomerat HNA? Diese Fragen stellten sich in den vergangenen Tagen viele Investoren, denen das Angebot zur Zeichnung von Gategroup-Ak­tien auf den Tisch geflattert war. Das einstige Vorzeigeunternehmen der ehemaligen Swissair hätte diese Woche zurück an die Börse kommen sollen – 11 Monate, nachdem die Aktien im Zug der Übernahmen durch HNA dekotiert worden waren.

Der Grund für den Gesinnungswandel der chinesischen Eigentümer ist deren Finanzlage. HNA begab sich vor drei Jahren auf einen wilden Einkaufstrip und postete mit geliehenem Geld von einheimischen aber auch von ausländischen Banken zahlreiche Vermögenswerte in Amerika und Europa: Hotels, Immobilien, eine 10-Prozent-Beteiligung an der Deutschen Bank und eben Gategroup und zwei andere frühere Swissair-Service-Gesellschaften (SR Technics und Swissport). Die ganzen Einkäufe haben über 40 Milliarden Dollar gekostet, und nun schiebt HNA einen Schuldenberg von 100 Milliarden Dollar vor sich her. Ein bedeutender Teil der Schulden ist schon bald zur Rückzahlung fällig, und HNA verkauft dieser Tage viele der jüngst eingekauften Vermögenswerte, um das Geld für die Schuldentilgung locker zu machen.

Auch Swissport soll an die Börse kommen

Auch die geplante Gategroup-Transaktion war Teil dieses Entschuldungsprogramms. HNA wollte 54 Millionen Aktien plus 7,6 Millionen Titel aus einer Mehrzuteilungsoption aus dem eigenen Bestand veräussern und damit zwei Drittel von Gategroup wieder ans Publikum bringen. Davon versprachen sich die Chinesen einen Erlös von 1 bis 1,3 Milliarden Franken.

Doch so viel wollten die Investoren in der Schweiz nicht auf den Tisch legen. Aus Bankenkreisen vernimmt man, es seien viele Zeichnungsangebote von weniger als 16 Franken pro Aktie, dem untersten Rand der von den Banken ermittelten Preisspanne, eingegangen. Ein Gategroup-Manager meint, die Investoren hätten zu hoch gepokert und auf einen Notverkauf von HNA spekuliert. Dabei hätten sie verkannt, dass es der Gategroup-Eigentümerin eben doch nicht schlecht genug gehe, um sich auf ein solches Spiel einzulassen. Möglicherweise liegen die Gategroup-Aktien jetzt als Pfand bei einer Bank, die sich das Warten besser leisten kann als HNA selber. Aber der Preis war kaum der einzige Grund für das überraschende Scheitern des IPO. Ebenso dürften sich die Investoren am Umstand gestört haben, dass HNA mit einem ­Drittel der Aktien die Kontrolle über Gategroup behalten wollte. HNA hat insbesondere in der Schweiz mit falschen Angaben über ihre Eigentümerschaft nicht eben viel für die eigene Glaubwürdigkeit gemacht. Und wer daran dachte, Gategroup-Aktien zu kaufen, hätte auch immer damit rechnen müssen, dass HNA nach Ablauf der Verkaufssperre gezwungen sein könnte, den Markt zu fluten. Doch HNA hat mit dem Verzicht auf das Gategroup-IPO wohl auch bewusst ein Zeichen gesetzt. Immerhin haben die Chinesen bereits angekündigt, auch Swissport an die Börse bringen zu wollen – auch dort dürften die Preisvorstellungen zwischen HNA und dem Markt weit aus­einanderliegen.

Verdient haben dürften an dem gescheiterten Börsengang allein die Banken und die Anwälte. Deren Beratungshonorar dürfte unabhängig vom Ausgang des Prozesses fällig werden.

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