Langenthal
«Gecko» ist der Lichtblick am Stoffhimmel

Auch der weltweit tätige Textilhersteller Création Baumann mit Sitz in Langenthal spürt die Wirtschaftskrise: Ab Mitte 2008 gingen die Umsätze in einzelnen Bereichen zum Teil stark zurück – dieses Jahr sogar rekordhoch. Sehr erfolgreich verlief hingegen die Lancierung der neuen Produktelinie Gecko.

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Gecko

Gecko

az Langenthaler Tagblatt

Tobias Granwehr

«Nach den Sommerferien im vergangenen Jahr sind die Geschäfte nicht mehr so gut gelaufen wie noch vorher», erklärte Philippe Baumann an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz des Textilherstellers Création Baumann. Der konsolidierte Umsatz des weltweit tätigen Langenthaler Familienbetriebes sank 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent auf 65,7 Millionen Franken (siehe Box oben). Mit ein Grund sei auch die negative Entwicklung der wichtigen Wechselkurse Euro, Dollar und Yen, sagte Geschäftsführer Baumann. Der Exportanteil betrug wie im Vorjahr 74 Prozent. Der Firmenumsatz verteilt sich laut Baumann auf die drei Bereiche Privatkundenmarkt (55 Prozent), Objektmarkt (39 Prozent) sowie Textilindustrie (6 Prozent). Vor allem der Objektmarkt werde immer kompetitiver, sagte er.

«Eine fundamentale Innovation»

Dies zeigte sich hauptsächlich bei «Systems», der auf den Objektbereich ausgerichteten Produktelinie zur Innenbeschattung. Dort kam es zu einer satten Einbusse von annähernd 15 Prozent. «Wir stehen in diesem Bereich in Konkurrenz zu grossen Betrieben. Trotzdem sind wir mit dem Resultat nicht zufrieden», sagte Baumann unmissverständlich. Und: Sie müssten handeln, damit der Objektmarkt wieder wachsen könne. Erfreulich lief dafür die Lancierung von Gecko - dem 2007 neu eingeführten, auf Glasflächen selbsthaftenden Textil (siehe Kasten rechts). Der CEO ist überzeugt: «Gecko» trage zur Stärkung der Marke Création Baumann bei. «Eine solche fundamentale Innovation ist in einer Firma selten. Jetzt wollen wir das Produkt weiter- entwickeln.» Das Ziel sei in einigen Jahren einen Umsatzanteil von 5 bis 6 Prozent, so Baumann.

Im Schweizer Privatkundenmarkt konnten die Umsätze zwar gehalten werden, «trotzdem resultierte national im gesamten Geschäftsbereich ein Umsatzrückgang von 5 Prozent», sagte er. In Deutschland seien die Vorjahreswerte nur knapp nicht erreicht worden. «Weltweit fällt auf: Das Geschäft im Privatkundenmarkt konnte sich halten, während der Objektmarkt international stark unter Druck geraten ist.» Da in den meisten Exportmärkten der Objektmarkt einen bedeutenden Umsatzanteil ausmache, hätten alle Tochtergesellschaften Umsatzeinbussen verzeichnet, so Baumann. Wie üblich machte der Geschäftsführer keine Angaben über den Ertrag von Création Baumann. Er sagte einzig: «Die Einnahmen waren 2008 befriedigend, aber nicht ganz so hoch wie 2007.» Baumann informierte dafür ausführlich über die getätigten Investitionen im vergangenen Jahr: Das Unternehmen habe etwa 1,5 Millionen Franken in Liegenschaft, Logisitik, Informatik und Produktion gesteckt. Unter anderem seien ein Laser-Schneidetisch und ein energiesparender Färbeapparat angeschafft worden.

Gecko»-Wettbewerb

In mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit hat Création Baumann ein mit Silikon beschichtetes, selbsthaftendes Textil entwickelt, das direkt auf Glas angebracht wird und bei Bedarf rückstandsfrei entfernt werden kann: Gecko. Nach der erfolgreichen Markteinführung dieses Textils schreibt
Création Baumann nun den Wettbewerb «Gecko: Think Forward» aus.
Im Rahmen des Wettbewerbes werden realisierte Projekte gesucht,
die den Einsatz von «Gecko» beispielhaft und innovativ zum Ausdruck bringen. Die Preissumme beträgt insgesamt 22 500 Euro. Die Preisverleihung erfolgt am 20. August in Langenthal. (tg)

Für das laufende Jahr sieht es bei den Investitionen anders aus: Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage bewegen sich diese auf einem ungleich tieferen Level. 2009 wollten sie etwa 500 000 Franken investieren, erklärte er. Dass auch Création Baumann zurzeit unter der Wirtschaftskrise leidet, verdeutlichte Baumann: «Noch nie in unserer Firmengeschichte mussten wir zu Beginn eines Jahres einen solchen Umsatzrückgang hinnehmen.» Ende Mai betrug er 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem in Japan und den USA verzeichnete die Firma einen starken Rückgang.

Massnahmen gegen die Krise

Das Unternehmen habe bereits Anfang Jahr mit einigen Massnahmen auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld reagiert: «Wir wollen unsere Erfolgsbasis stärken, indem wir vor allem in unsere Produkte investieren», so Baumann. Auch in der Marktbearbeitung wolle Création Baumann aktiver werden. «Weiter müssen wir die Kosten senken und die Auslastung verbessern.» Kurzarbeit sei zwar diskutiert worden, werde aber nicht eingeführt. Das Unternehmen sprach zwölf Kündigungen aus und will durch weitere, natürliche Abgänge Kosten sparen. Als letzte Massnahme müsse die Liquidität sichergestellt werden.

Gemäss Philippe Baumann sieht das Unternehmen die Krise auch als Chance: «Dank dieser konnten wir in einem renommierten Dekorations- und Designgebäude in New York Räumlichkeiten mieten und eröffnen dort noch diesen Monat einen ‹Showroom›.» Baumann begründet: «Da die Unternehmensleitung die USA als Markt mit grossem Potenzial betrachtet, wurde die Gelegenheit jetzt wahrgenommen. Auch wenn das einiges kosten wird.»