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Kolumne

Gedanken zum Weihnachtskonsum

Im Einkaufsrausch Richtung Heiligabend.
Edy Portmann
Edy Portmann. (Bild: PD)

Edy Portmann. (Bild: PD)

Terminstress, überfüllte Kaufhäuser, unzählige Weihnachtsfeiern: Oft genug lässt uns der Advent, der doch eine Zeit der Besinnung sein sollte, den Schweiss auf die Stirn treiben. Alles scheint aufzugehen in der Maschinerie, die unerbittlich auf «Das Fest» zustrebt. Anfangs eine gelungene Neuinterpretation eines heidnischen Brauchs, scheint dieses heute aber eine unheilige Allianz mit dem Konsumrausch des Kapitalismus eingegangen zu sein. Der mit Weihnachten einhergehende Geschenkekauf ist für viele der grösste Stressfaktor der Adventszeit. Sollten wir daher die Suche nach einem passenden Geschenk besser schon zu Beginn aufgeben? Genau dazu hält der Ökonom Joel Waldfogel an, der Geschenke als Geldvernichtung betrachtet. Schenken sei ineffizient, weil ein Beschenkter seine Wünsche besser kennt als der Schenkende. Dahinter steht die Theorie vom nutzenmaximierenden «Homo oeconomicus». Diese empfiehlt, besser mit der «unsichtbaren Hand» unsere eigenen Interessen zu verfolgen und so, ganz beiläufig, das Gesamtinteresse unserer Gesellschaft zu fördern.

Sollen wir also Weihnachten «optimieren» und statt liebevoll ausgewählter Geschenke Geld unter den Baum legen? Gegen diese Haltung kann eingewendet werden, dass das Phänomen des Schenkens erheblich komplexer ist. So betrachtete der Soziologe Marcel Mauss, der solche Phänomene ganzheitlich zu verstehen versuchte, Schenken als Ausdruck sozialer Beziehungen. Diese folgen einer Ordnung, die sich nicht auf ökonomische Erwägungen reduzieren lassen. Darüber hinaus ermöglichen Geschenke neben der Beziehungspflege auch eine Form der Mittelverteilung. Dass diese nicht zwangsläufig den Marktgesetzen folgen muss, ist ein Aspekt, der dem Ökonom Louis Kelso besonders wichtig war. In seinen Werken nähert er sich dem Homo oeconomicus und seiner Lenkung durch die unsichtbare Hand aus sozialer Motivation. Er glaubt, dass die Klassiker der Ökonomie vergassen, «dass das Eigentum am Produktionskapital genauso weit abgestützt werden sollte, wie die Arbeitskraft selbst».

Mit Blick auf die marktwirtschaftlichen Probleme, die die Industrialisierung hervorgerufen hat, warnt Kelso, dass der freie Markt früher oder später kollabiert. Denn menschliche Arbeitskraft wird immer stärker durch Maschinen ersetzt; und zwar eben nicht mehr nur durch mechanische Muskeln (der Dampfmaschinen), sondern auch durch datengetriebene «Maschinenintelligenz». Er fordert daher Kapitalbeteiligung für alle. Seine Beteiligungspläne sind Instrumente, um Kredite einer Firma zu deren Finanzierung einzusetzen. Diese ermöglichen allen Interessierten, Anteile eines Unternehmens zu kaufen, sodass sie vom Besitz und nicht mehr von ihrer Arbeit leben können. Er entwickelte auch Pläne für Konsumentenbeteiligung. In unsere Zeit übersetzt, könnte man also sagen: Anstatt Amazon-Prime-Mitglied wären wir vielmehr Miteigentümer von Amazon. Wir mehrten mit unserem Kauf nicht nur Amazons Kapital, sondern dank dem Beteiligungsprogramm auch unseren Besitz.

Wie auch immer. Wenn wir uns umsehen, ist Weihnachten keine besinnliche Zeit. Es wird Ruhe gefordert und Lärm gemacht, es wird Erlösung versprochen und Abhängigkeit geschaffen. Dabei überrascht es mich immer wieder, wie geschenkfreudig die Menschen zu Weihnachten trotzdem sind. Wichtiger als das Geschenk selbst ist jedoch vielen, dass sich der Beschenkte wirklich freut. Sollte dem einmal nicht so sein, dann gibt es da noch die Aktion «Zweimal Weihnachten». Unter der Trägerschaft des Schweizerischen Roten Kreuzes, der SRG, der Post und Coop vor 20 Jahren ins Leben gerufen, verfolgt sie die Idee, benachteiligten Menschen etwas vom Überfluss der Festtage abzugeben. Und wir wissen ja: Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklicher. Nehmen wir uns dies doch für diese Weihnachten zu Herzen!

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