Hier spricht der Chef

Gegen ein unfaires Gesetz

Als Discounter haben wir schlanke Strukturen, konzentrieren uns auf Produkte, die von vielen gekauft werden, und geben die Preisvorteile, die wir erarbeiten, dem Kunden weiter.

Daniel Röthlin*
Drucken
Teilen
*Daniel Röthlin ist Geschäftsführer der Ex Libris AG, Dietikon

*Daniel Röthlin ist Geschäftsführer der Ex Libris AG, Dietikon

2007 wurde die Buchpreisbindung in der Schweiz abgeschafft. Jahrelang wurden Kunden gezwungen, hohe Preise für Bücher zu bezahlen. Wer konnte, kaufte deshalb in Deutschland oder über Internet im Ausland. Jährlich ging dem Schweizer Buchhandel ein Umsatz von über 100 Millionen Franken verloren.

2007 hob der Bundesrat die Buchpreisbindung auf und Ex Libris durfte die Buchpreise
um 15 und 30 Prozent senken. Die übliche Strategie eines Medien-Discounters. Alle anderen Buchhändler kämpfen bis heute für die Buchhochpreisinsel Schweiz und versuchen dies gesetzlich zu verankern.

Als Discounter haben wir schlanke Strukturen, konzentrieren uns auf Produkte, die von vielen gekauft werden, und geben die Preisvorteile, die wir erarbeiten, dem Kunden weiter. Bei uns kaufen Kunden heute Bücher mit einem Rabatt von 20 oder 30 Prozent.

Warum wagt sich kein anderer Buchhändler an neue Preise? Die grossen Buchketten wie Weltbild, Thalia und Orell Füssli gehören ganz oder teilweise deutschen Buchkonzernen. Sie haben kein Interesse, dass Schweizer Konsumenten von tieferen Preisen profitieren und sie damit weniger verdienen würden.

Warum nutzen die unabhängigen Buchhandlungen ihre Freiheit nicht? Denn bei Ex Libris findet man kaum Liebhaber- oder Nischenbücher. Genug Platz für die Fachhändler, ihre Stärken auszuspielen: Beratung und die Konzentration auf Spezialitäten. Dennoch beharrt der Buchhändlerverband auf satten Margen, überhöhten Umrechnungskursen und festgeschriebenen Verkaufspreisen.

Deshalb wurde im Parlament auch entschieden, dass man festgelegte Buchpreise haben will. Müssen wir also wieder 20 Prozent mehr zahlen als deutsche Konsumenten, wie es der Nationalrat will, oder doch «nur» 8 Prozent mehr, wie der Ständerat es vorsieht?

Inzwischen sind auch die Buchhändler nicht mehr sicher,
ob sie damit nicht ein Eigentor schiessen. Denn auch sie wissen nun: Der Konsument ist nur noch einen Klick weg vom nächsten Buch. Die Parlamentarier müssen auf ein unfaires Gesetz verzichten, das ausländischen Buchkonzernen hilft, aber alle Buchkäufer in der Schweiz bestraft.

*Daniel Röthlin ist Geschäftsführer der Ex Libris AG, Dietikon