Börsengang: Geglücktes Début von Slack

Der Technologiekonzern Slack überzeugt am ersten Handelstag an der New York Stock Exchange: Die Aktie legt mehr als 50 Prozent zu. Dabei wählte Slack einen unkonventionellen Weg für den Gang an die Börse.

Renzo Ruf, Washington
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Slack-Chef Stewart Butterfield (ganz rechts) gestern während des Börsengangs in New York. (Bild: Justin Lane/EPA)

Slack-Chef Stewart Butterfield (ganz rechts) gestern während des Börsengangs in New York. (Bild: Justin Lane/EPA)

Dieser Börsengang ist geglückt. Das Softwareunternehmen Slack Technologies, Hersteller eines populären Kommunikationsdienstes für Bürogespräche, debütierte gestern an der New York Stock Exchange (NYSE) mit einem Plus von fast 50 Prozent (sie schloss bei etwas mehr als 38 Dollar und 60 Cents). Weil es sich beim Börsengang von Slack um eine Direktplatzierung handelte, war der Ausgabepreis der Aktie tags zuvor von der NYSE festgelegt worden. Die 26 Dollar pro Aktie, auf die man sich geeinigt habe, hätten ungefähr dem Preis für das Wertpapier im ausserbörslichen Handel entsprochen, sagte Börsenpräsidentin Stacey Cunningham.

Slack-Konzernchef Stewart Butterfield seinerseits sagte, er ziehe die Direktplatzierung einem klassischen Börsengang vor, auch weil seine Firma keinen Bedarf an neuem Kapital gehabt habe. Und er hoffe, dass diese Methode zu weniger Volatilität führe – auch weil der Börsengang nicht durch grosse Geldhäuser und institutionelle Investoren unterstützt wurde, die darauf warten, schnelle Kasse zu machen. Andererseits kann Slack nicht darauf zählen, dass die Banken, die gemeinhin ein IPO abwickeln, bei sinkender Nachfrage in die Bresche springen. Die Erfahrung mit den Börsengängen der Fahrdienste Lyft und Uber zeigt allerdings, dass diese Stützungskäufe nicht immer das gewünschte Resultat zeigen.

Slack wurde vor fünf Jahren durch den kanadischen Internetunternehmer Butterfield lanciert – nachdem die Programmierer seiner Firma Tiny Speck bei der Entwicklung des Videospieles «Glitch» über einen selbstent­wickelten Instant-Messaging-Dienst kommuniziert hatten. Heute gilt das einstige Nebenprodukt als ernstzunehmende Konkurrenz für E-Mails, zumindest für die interne Kommunikation. Der Name Slack steht für «Searchable Log of All Conversation and Knowledge», ein Verzeichnis aller Konversationen und des gesamten Wissens. Der Analyst Ri­shi Jaluria, der für den Vermögensverwalter D. A. Davidson arbeitet, bezeichnete Slack gestern auf dem Wirtschaftssender CNBC als «kultähnliches Produkt»: Angestellte, die Slack für ihre Büro­gespräche verwendeten, schätzten den Dienst ausserordentlich. Er habe bereits von Männern und Frauen gehört, die bei einem Stellenwechsel darauf bestünden, dass der neue Arbeitgeber ebenfalls Slack einsetzt, sagte Jaluria.

Schier unbegrenztes Wachstumspotenzial

Nach Angaben von Slack setzen derzeit weltweit mehr als 600000 Organisationen das kollaborative Kommunikationstool ein. Mehr als zehn Millionen Menschen seien aktive Nutzer des Dienstes, sagt die Firma – allerdings nutzt nur ein Bruchteil davon, gegen 95000 Kunden, den kostenpflichtigen Dienst. Umgerechnet in Dollar und Cents bedeutet dies: Im ersten Quartal des Jahres 2019 setzte Slack 134,8 Millionen Dollar um oder 67 Prozent mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Aufgrund der hohen Betriebskosten – Slack hat gegen 1500 Angestellte – schrieb die Firma aber einen operativen Verlust von 38,4 Millionen Dollar oder rund 50 Prozent mehr als im 1. Quartal 2018.

Grosse Kapitalgeber wie Accell und Andreessen Horowitz zeigen sich aber überzeugt davon, dass Slack schier unbeschränktes Wachstumspotenzial besitzt. So hat der (kostenlose) Messagingdienst Whatsapp mehr als eine Milliarde Nutzer. Andererseits: Die Konkurrenz schläft nicht. Produkte wie Facebook Workplace, Microsoft Teams oder der hochgelobte Dienst Chanty buhlen ebenfalls um Kunden. Analyst Jaluria mahnt deshalb im Umgang mit der Slack-Aktie zur Vorsicht. Er wolle nun erst mal sehen, ob es dem Unternehmen gelinge, zahlende Kunden ausserhalb der Tech-Szene anzulocken.

Eine zentrale Rolle in diesem Prozess wird Stewart Butterfield spielen. Der 46 Jahre alte Konzernchef und Milliardär ist in der Technologiebranche für sein loses Mundwerk berüchtigt. So lieferte er sich auch schon Wortgefechte mit dem Schauspieler Robert de Niro und dem amerikanischen Präsidenten. In den vergangenen Wochen allerdings gab sich Butterfield höchst zugeknöpft. Er spüre die grosse Verantwortung, die auf ihm laste, sagte er bloss.

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