Geheimverträge bei Medikamentenpreisen sollen Schule machen

Derzeit finden Gespräche zwischen dem Bund, der Pharmaindustrie und den Krankenkassen statt – es geht um Geheimrabatte für Therapien von seltenen Krankheiten.

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(chm) Die Kosten der neusten Therapien gegen seltene Krankheiten überschreiten im Extremfall die Millionengrenze. Um die hohen Preise zu bewältigen, bieten Pharmafirmen zu diversen Modellen Hand, damit die Belastung für das Gesundheitswesen etwa auf mehrere Jahre verteilt wird. Andere Ansätze sehen vor, dass die Krankenversicherer nur dann zahlen, wenn eine Therapie auch wirkt. Gleichzeitig handeln die meisten Länder Rabatte mit den Herstellern aus, die aber nicht öffentlich gemacht werden. Publik wird nur der Listenpreis. Der Hintergrund: Die Mehrheit der Länder stützt sich auf die Medikamentenpreise im Ausland. Würde der Preis abzüglich Rabatt bekannt, müsste die Pharmaindustrie tiefere Preise in Kauf nehmen. Daher bleiben die Rabatte geheim. Einzig in der Schweiz sind die Rabatte für alle öffentlich einsehbar.

Dies dürfte sich nun ändern. Im Fall der Krebstherapie namens Kymriah soll der Rabatt nicht veröffentlicht werden. Diverse Krankenkassen und die Herstellerin Novartis haben einen Vertrag mit Geheimrabatt ausgehandelt, wie die SRF-Sendung «10 vor 10» diese Woche berichtet hat. Zwar gibt es hierzulande noch keinen offiziellen Preis für die neue Gentherapie. Zieht man aber diverse Nachbarländer heran, so dürfte die Novartis-Therapie in der Schweiz rund 370'000 Franken kosten. Der Rabatt hänge von der Wirkung der Therapie ab, sagen Insider laut «10 vor 10». Mit dem Maximalrabatt koste die Therapie rund 250'000 Franken.

Das Beispiel soll Schule machen. Derzeit finden Gespräche zwischen dem Bundesamt für ­Gesundheit, der Pharmaindustrie und den Krankenkassen statt, wie diese Zeitung erfahren hat. Die Teilnehmer diskutieren darüber, wie die Schweiz mit solch teuren Therapien umgehen soll. Dabei sollen Modelle gefunden werden, um die Kosten für das Gesundheitssystem trotz der hohen Preise verträglich zu halten.