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GELD: Die Dividendenjagd ist eröffnet

Aktien bleiben im Tiefzinsumfeld die bevorzugte Anlageklasse. Zu Jahresbeginn rücken jeweils die Dividendenzahlungen in den Vordergrund. Wer jetzt bei Titeln wie etwa der Kioskbetreiberin Valora einsteigt, kann in Kürze profitieren.
Ernst Meier
Seit 1920 gibt es für Valora-Aktionäre eine Dividende. Im Bild ein Kiosk der Valora-Gruppe beim Berner Zytglogge. (Bild: PD)

Seit 1920 gibt es für Valora-Aktionäre eine Dividende. Im Bild ein Kiosk der Valora-Gruppe beim Berner Zytglogge. (Bild: PD)

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Die Zeiten sind längst vorbei, als Investitionen in vermeintlich sichere Obligationen einen jährlichen Zins von mehreren Prozenten einbrachten. Wer heute in Anleihen investiert, muss sich mit der Werterhaltung seines Investments zufriedengeben. Nur wer dabei ein höheres Risiko eingeht, dem wird eine überdurchschnittliche Verzinsung versprochen. Doch solche Investments sind gerade Kleinanlegern nicht zu empfehlen. Die Gefahr eines Verlustes ist zu gross.

Auch andere Anlageklassen wie Gold, Immobilien und Rohstoffe sind für Kleinanleger heikel. Gold bringt keinen Ertrag, verursacht aber hohe Kosten für die Lagerung. Immobilien sind bereits hoch bewertet, und eine Investition erfordert meist grössere Summen. Auch von Investitionen am Rohstoffmarkt ist abzuraten; der Handel ist starken Schwankungen unterworfen. Wer ausserhalb persönlicher Projekte (eigene Firma, Vorsorge, Eigenheim) sein Erspartes renditeversprechend anlegen will, der kommt um Aktien nicht herum.

Notenbanken halten die Börsen in Schwung

Die wichtigsten Aktienmärkte haben sich nach dem tiefen Fall in Folge der Finanzkrise weltweit erholt – manche Börsen befinden sich sogar in einem mehrjährigen Boom. Die Gründe, die zur ­Erholung führten: gute Unternehmenszahlen und vor allem viel billiges Geld. Auf beiden Seiten des Atlantiks überschwemmen die Notenbanken die Märkte mit Liquidität. Diese fliesst grossenteils in Aktien. Die Kurse steigen, die Bewertungen (Aktienkurs im Verhältnis zum Gewinn) erreichen Werte, die nur gerechtfertigt sind, wenn die Gewinne ebenfalls zulegen.

Trotz tiefer Zinsen, einer gut laufenden Wirtschaft, viel billigem Geld und Anlagenotstand wird die Aktienwahl immer schwieriger. Für die Pharmamultis Roche und Novartis ging es 2012 bis 2014 flott nach oben. So stark, dass die Aktien für Anleger plötzlich zu teuer wurden. Die beiden Basler SMI-Riesen gehörten 2016 zu den Verlierern des Schweizer Aktienmarktes. Beide Titel büssten über 10 Prozent ein.

Wenn es schwieriger wird, Aktien-Schnäppchen zu finden, dann wenden sich Anleger vermehrt Dividendentiteln zu. Die jährliche Ausschüttung bietet eine willkommene Rendite. Dies zeigen wiederum die Beispiele Novartis und Roche. Langfristige Investoren halten die Titel auch in Jahren, wo es mal ein paar Prozente nach unten geht. Denn immerhin gibt es eine Dividende, die einem Zins von über 3 Prozent entspricht. Roche und Novartis weisen eine zuverlässige Dividendenhistorie mit regelmässig steigenden Ausschüttungen auf. Beide Firmen verfügen über stabile Geschäftsmodelle. Selbst in einem schlechten Jahr ist eine Dividende weitgehend gesichert.

In den nächsten Wochen veröffentlichen die Unternehmen ihre detaillierten Jahreszahlen 2016. Gleichzeitig wird die Dividende kommuniziert, die von den Aktionären an der Generalversammlung abgesegnet werden muss. Für Anleger kann es sich lohnen, in diesen Tagen auserwählte Aktien zu kaufen. Je näher der «Dividenden-Tag» rückt, desto mehr Dividenden-Jäger steigen ein und sorgen für steigende Kurse. Wer heute einsteigt, kann mit einer Rendite zwischen 3 und 6 Prozent rechnen – die Auszahlung erfolgt bereits wenige Tage nach der GV. Die Schweizer Börse weist einige Perlen auf. Spitzenreiter darunter ist der Versicherungskonzern Zurich Insurance: Wer heute einsteigt, kann im April mit einer Dividendenzahlung, die einer Rendite von 6 Prozent entspricht, rechnen. Den genauen Betrag gibt das Unternehmen am 9. Februar bekannt. Der neue CEO Mario Greco machte in den vergangenen Monaten klar, dass die Zurich trotz anhaltender Schwierigkeiten die Aktionäre nicht vergraulen wird. Will heissen, der Versicherungskonzern drückt weiter kräftig auf die Sparbremse, um die Ergebnisse zu steigern und die Dividenden sicherzustellen. Trotzdem ist für Aktionäre Vorsicht angesagt. Eine Dividende gilt immer nur für ein Jahr. Verschlechtert sich der Geschäftsgang oder beschliesst die GV, die Gewinne im Unternehmen zu behalten, können die Zahlungen plötzlich versiegen. Dies geschah beispielsweise bei der UBS, die wegen der Finanzkrise für die Jahre 2008 bis 2010 keine Dividenden zahlte. Bei der CS sank die Ausschüttung für 2008 auf 10 Rappen (Vorjahr: 2.50 Franken). Entsprechend muss sich der Anleger vor Augen halten, dass Aktienkäufe als langfristige Investition zu betrachten sind. Experten empfehlen, auch Dividendentitel nur zu kaufen, wenn man es vermag, diese zwischen sechs und zehn Jahre zu halten. So kann man konjunkturelle Einbrüche durchstehen.

Einer der zuverlässigsten Dividendenzahler im Schweizer Aktienmarkt ist Valora (Kiosk, Bretzel-König u. a.). Valora verfügt über ein Geschäftsmodell und eine Ausschüttungspolitik, die auch schwierige Jahre überstehen können. Das Muttenzer Unternehmen hat seit 1920 jedes Jahr Geld an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Dividenden wurden regelmässig erhöht. Im Geschäftsjahr 1995 gab es 5 Franken pro Aktie, für 2015 waren es 12.50 Franken. Aktuell beträgt die Dividendenrendite 4 Prozent.

Auch die Swisscom zählt zu den bevorzugten Dividendentiteln. Seit 1998 (11 Franken) gibt es jedes Jahr Geld für die Aktionäre. Die Ausschüttungen wurden kontinuierlich erhöht. Letztes Jahr gab es 22 Franken je Aktie. Auch heuer können die Teilhaber mit dem gleichen Betrag rechnen, was einer Rendite von 4,8 Prozent entspricht.

Aktienkurs reagiert auf Auszahlung der Dividende

Eine Strategie von findigen Investoren ist oftmals, eine Aktie erst kurz nach Auszahlung der Dividende zu erwerben. Denn in der Regel verbilligt sich ein Titel am Tag der Dividendenzahlung um den entsprechenden Betrag. Unternehmen, die geschäftlich gut unterwegs sind, machen diesen Dividendenabschlag innert kurzer Zeit wieder gut.

Dividendenjäger müssen sich bewusst sein, dass jede Transaktion Bankgebühren verursacht. Diese mindern die Rendite. Und: Im Gegensatz zu Kursgewinnen sind Dividenden steuerpflichtig. Am Auszahlungstag landen nur 65 Prozent der Ausschüttung auf dem Konto des Aktionärs. 35 Prozent beträgt die Verrechnungssteuer. Diese wird – sofern steuerlich korrekt deklariert – ein Jahr später vom kantonalen Steueramt dem Aktionär überwiesen. Von der Verrechnungssteuer befreit sind Nennwertreduktionen und Kapitalrückzahlungen. Letztere machte der Bund mit der Unternehmenssteuerreform von 2008 möglich.

Die verschiedenen Angaben zur Dividende (Zahlungsdatum, Ausschüttungsart u. a.) findet der interessierte Anleger jeweils unter der Rubrik «Investoren» oder «Investor Relations» auf der entsprechenden Firmen-Homepage.

Schoggi, Skiticket oder Pyjama

Naturaldividende Zahlreiche Schweizer Firmen beglücken ihre Aktionäre nicht nur mit einer jährlichen Ausschüttung eines Gewinnanteils, sondern auch mit einem Geschenk. Solche Naturaldividenden sind bei Kleinaktionären derart beliebt, dass manche Anleger den Titel nur deswegen halten. So können Calida-Aktionäre jedes Jahr einen Pyjama (Wert 100 Franken) beim Textilkonzern beziehen. Bedingung: mindestens 20 Calida-Aktien im Depot (730 Franken). Nur eine Aktie braucht es, um von Lindt & Sprüngli jährlich einen Koffer voll mit Schokolade und Pralinés zu erhalten (Wert zirka 200 Franken). Die Aktie hat jedoch ihren Preis: 63600 Franken.

Geschenke gibt es auch bei Bergbahnunternehmen. Bei den Titlis-Bahnen bekommen Aktionäre eine vergünstigte Tageskarte (ab 10 Aktien). Eine Gratis-Tageskarte gibts ab 61 Aktien. Beliebt ist das Aktienhalten manchenorts auch wegen der Generalversammlung. Gewisse Firmen bieten ein grosses Buffet (Zuger Kantonalbank) oder sogar ein mehrgängiges Menü (WWZ, Ems-Chemie). Bei Emmi erhält jeder GV-Besucher nach dem offiziellen Teil und dem Nachtessen einen Sack gefüllt mit Emmi-Produkten.

eme

Bild: Tabelle: Luzerner Zeitung

Bild: Tabelle: Luzerner Zeitung

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