Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GELD: «Die Schwankungen nehmen zu»

2014 geht als starkes Aktienjahr in die Geschichte ein. Die tiefen Zinsen sorgten für steigende Kurse. Experten raten nun, sich im nächsten Jahr neu zu positieren.
Ernst Meier
Bild: Quelle: SIX / Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Quelle: SIX / Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Dem Anlagejahr 2014 fehlen nur noch wenige Tage. Die Vermögensverwalter haben ihre Bücher vielerorts bereits geschlossen. Sie dürfen zufrieden sein. Eine Geldschwemme hat weltweit für steigende Kurse gesorgt. «Das Anlagejahr 2014 ist im historischen Kontext betrachtet überdurchschnittlich ausgefallen», sagt Joachim Klement, Anlagechef bei Wellershoff & Partners. Mit Ausnahme der Rohstoffe hätten alle Anlageklassen eine positive Rendite erzielt. «Das Ausbleiben der Zinswende und der tiefe Ölpreis haben vor allem die US-Börse angetrieben», sagt Klement. Der Dow-Jones-Index legte seit Jahresbeginn um 8 Prozent auf über 17 900 Punkte zu. Es fehlt ihm weniger als 1 Prozent, um erstmals die Marke von 18 000 Punkten zu erklimmen.

Bild: Quelle: SIX / Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Quelle: SIX / Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Comeback von europäischen Titeln

Wer Anfang Jahr das Risiko einging und sein Geld – statt auf dem so gut wie zinslosen Sparkonto – in den US- oder den Schweizer Aktienmarkt investierte, lag richtig. Auch die hiesigen Indizes verteuerten sich deutlich; der SMI um 10, der SPI um knapp 14 Prozent. «Schweizer Firmen präsentierten durchwegs gute Geschäftszahlen. Dazu kommt, dass hiesige Aktien in Zeiten, in denen Europa den Weg aus der Krise sucht, wegen des stabilen Frankens gesucht waren», sagt Timo Dainese, geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz. Viele Anleger hätten abseits des Tiefzinsumfeldes Renditeanlagen gesucht. «Schweizer Blue Chips sind da zuverlässige Werte und bringen eine interessante jährliche Dividende», sagt Dainese. Er verweist aber auch auf Staatsanleihen, die 2014 rege gesucht waren. Der Index der Schweizer Staatsanleihen (SBI Domestic Total Return) konnte um 7 Prozent zulegen, da die Zinsen noch einmal kräftig fielen. Dieser Zyklus dürfte im nächsten Jahr zu einem Ende kommen, glaubt Timo Dainese. Er warnt denn auch, dass in der Anlageklasse der Zenit erreicht sei. «Das Risiko auf den Anleihenmärkten schätzen wir als gefährlich hoch ein. Weitere Engagements gehen wir sehr selektiv ein.» Gelegenheiten bestünden noch bei Firmenanleihen, während Staatsanleihen teuer und unrentabel seien.

Für die Aktienmärkte 2015 zeigt sich Timo Dainese verhalten zuversichtlich: «Das anhaltende weltweite Wirtschaftswachstum spricht für steigende Unternehmensgewinne.» Da die Märkte 2014 jedoch zum fünften Jahr in Folge gestiegen sind, rät er hier zu selektiven Engagements. «Die USA erachten wir als teuer, und auch in der Schweiz sind wir sehr selektiv.»

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Interessante Renditen glaubt man bei der Zugerberg Finanz mit «etwas in Vergessenheit geratenen europäischen Titeln» erzielen zu können. «Französische und italienische Unternehmen haben an der Börse einen Abschlag zwischen einem Drittel bis 50 Prozent», sagt Dainese. Erholt sich die Wirtschaft in Europa, dürften die Kurse steigen. Der gegenüber dem US-Dollar gefallene Euro unterstützt die europäischen Unternehmen. Als interessant schätzt er die Aktien des französischen Versicherers Axa und des italienischen Kreditinstituts Intesa ein. «In der Schweiz gefallen uns global tätige Industriefirmen wie Bossard, ­Autoneum oder Dätwyler.» Zurückhaltend spricht der Marktkenner von den Schwellenländern. In China, Russland und Brasilien wolle man sich nicht engagieren. Die positive Ausnahme bei den aufstrebenden Wirtschaftsnationen sei Indien. «Der Regierungswechsel verschafft dem Land neuen Schub. Indien gehört zu unseren Favoriten.»

Experte rät: «Hände weg vom Euro»

Mit ähnlicher Zurückhaltung blickt man bei Wellershoff & Partner auf die Aktienmärkte im kommenden Jahr. «Die Schwankungen sind seit Oktober weltweit gestiegen», sagt Anlagechef Joachim Klement. Die Gründe seien die Probleme in der Ukraine und in Russland sowie der schnelle Ölpreiszerfall. Zudem: «Wir rechnen damit, dass die US-Notenbank im Sommer die Zinsen erhöht.» Die lang erwartete Zinswende führe zu weiterer Volatilität. Anleger bereiten sich bereits frühzeitig auf den Zinsschritt vor. Er sieht die weltweiten Aktienmärkte 2015 «seitwärts verlaufen».

Von Engagements in Rohstoffe rät er ganz ab. «Hier haben die Preise noch keinen Boden gefunden», sagt Klement. Dabei schliesst er Gold ein. Das Wertmetall hat in Dollar gerechnet rund 3,5 Prozent an Wert verloren. In Schweizer Franken sieht die Performance mit einem Plus von fast 10 Prozent besser aus.

Alfred Herbert, der das Auf und Ab an den Börsen seit über 60 Jahren verfolgt, warnt vor einem unruhigen Jahr. «Es erwarten uns zeitweilen unerfreuliche Märkte; der globale politische Einfluss ist so gross wie noch nie», sagt der selbsternannte Börsen-Guru. Er erinnert an Russland, Syrien und Venezuela. Dem südamerikanischen Land drohe demnach der Staatsbankrott. Zudem mache sich in der Schweiz und in Europa Deflation breit, was kein gutes Zeichen sei. «Nur das billige Geld treibt die Börsen weiter an.» Die Flucht in den Schweizer Franken werde anhalten. Entsprechend bevorzugt Herbert «solide Schweizer Dividendentitel». Während der «Cash-Guru» mit einem zum Schweizer Franken steigenden Dollar rechnet, empfiehlt er «Hände weg vom Euro», denn «die Sorgen in Europa nehmen nicht ab». Allgemein fasst Herbert die Lage für Anleger wie folgt zusammen: «Wir haben die Börsenautobahn nach oben verlassen und sind auf eine Schotterstrasse eingebogen.»

Ernst Meier

Wirtschaftsexperten rechnen für Händler und Anleger mit einem turbulenten Jahr. (Symbolbild Keystone)

Wirtschaftsexperten rechnen für Händler und Anleger mit einem turbulenten Jahr. (Symbolbild Keystone)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.