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GELD: Es droht die Bitcoin-Spaltung

Die Internetwährung steht vor ihrer härtesten Prüfung: Aktivisten streiten um die Zukunft der digitalen Devise. Die Anhänger sprechen gar von «Bürgerkrieg».
Franz Nestler
Von der digitalen Bitcoin-Währung gibt es auch «analoge» Versionen. (Bild: Chris Ratcliffe/Getty (Danbury, 10. Dezember 2015))

Von der digitalen Bitcoin-Währung gibt es auch «analoge» Versionen. (Bild: Chris Ratcliffe/Getty (Danbury, 10. Dezember 2015))

Franz Nestler

Bitcoin-Anleger kann zwar wenig erschüttern. Sie sind schon Kursstürze von 50 Prozent und mehr gewohnt. Auch aktuell ist der Kurs der digitalen Währung wieder eingebrochen. Während sie im Juni noch über 3000 Dollar notierte, waren es über das Wochenende zeitweise weniger als 2000 Dollar. Der Markt ist ohnehin volatil. Doch der Grund für die aktuelle Beunruhigung ist sehr ernst. Es geht sogar die Angst um, dass der Bitcoin vor dem Ende steht.

Hintergrund ist eine Diskussion, die hinter den Kulissen seit mehr als zwei Jahren geführt wird. Denn der Bitcoin ist ein ­Opfer seines eigenen Erfolges geworden. Da mittlerweile von der chinesischen Grossmutter bis zum Wall-Street-Banker Millionen von Menschen die Währung nutzen, ist die zu Grunde liegende Technik überfordert. Das führt dazu, dass Transaktionen länger dauern und dadurch teurer werden – eigentlich war die schnelle und günstige Abwicklung des Zahlungsverkehrs der grosse Vorteil der Internetwährung Bitcoin.

Transaktionen künftig schneller und sicherer

Im Maschinenraum der digitalen Devise arbeitet eine Technik, die auf der sogenannten Blockchain basiert. Sie ist vereinfacht gesagt eine Art Datenbank, in der sämtliche Transaktionen in Blöcken – daher der Name – festgeschrieben werden. Doch Blockchain ist nicht gleich Blockchain. So kann zum Beispiel die Grösse der einzelnen Blöcke variieren oder auch die Details darüber, was genau in der Blockchain festgeschrieben wird. Und genau darum handelt der aktuelle Streit.

So soll die Blockgrösse auf zwei Megabyte verdoppelt werden und Transaktionen ausserhalb der Blockchain ermöglicht werden. Dadurch versprechen sich die Entwickler deutlich schnellere Transaktionen. Die Aktualisierung hört auf den Namen «Segwit2x». Ursprünglich sollte sie lediglich eine Sicherheitslücke schliessen, denn zuvor soll es möglich gewesen sein, Transaktionen zu manipulieren. Davon kann der Betreiber der ­insolventen Bitcoin-Börse, Mark Karpeles, ein Liedchen singen. Er steht dieser Tage wegen Diebstahls und Börsenmanipulation in Japan vor Gericht. Er selbst macht diese Schwachstelle für den Verlust von 650 000 Bit­coin verantwortlich.

Die Gemeinschaft hinter dem Bitcoin streitet nun über den richtigen Weg. Im Grunde geht es darum, ob der Bitcoin ein Zahlungsmittel sein soll oder eher wie Gold ein Investment. Beides scheint nicht miteinander vereinbar zu sein.

Auf der einen Seite dieses ­digitalen Geldmarktes stehen die sogenannten «Miner», welche den Bitcoin durch ihre Rechenkapazität erschaffen. Sie verdienen zwar durch die höheren Transaktionsgebühren, sind aber grundsätzlich für eine Erhöhung der Blockgrösse. Sie fürchten, dass sonst andere Digitalwährungen dem Bitcoin den Rang ablaufen könnten.

Auf der anderen Seite wie­der­um befinden sich «Core», eine Gruppe von Entwicklern, die ausserdem einen Teil der Transaktionen ausserhalb der klassischen Blockchain abwickeln würden. Das würde den Bitcoin weiter dem Mainstream ­zuwenden und ihn auf den technischen Stand anderer Digitalwährungen wie Ethereum bringen (siehe auch Kasten). Doch wenn Daten ausserhalb der Blockchain abgewickelt werden würden, würde der Einfluss der «Miner» sinken. Die Mehrheit von ihnen sitzt in China und hat Millionen für gigantische Serverfarmen ausgegeben und sieht ihre Investitionen in Gefahr.

Es besteht die Gefahr von Datenverlusten

Damit Segwit2x verpflichtend kommt, müssen sich mindestens 95 Prozent der Bitcoin-Miner dazu verpflichten, es umzusetzen. Aktuell sind es 88 Prozent, Tendenz steigend. Allerdings ist auch nicht mehr viel Zeit: Segwit2x wird ab dem 26. Juli eingeführt. Ab dann müssen die Miner ihre Zustimmung signalisieren. Sollten nicht genug mitziehen und es zu einer Spaltung kommen, würde diese am 1. August erfolgen. Nutzer hätten dann zwei unterschiedliche Bitcoin-­Arten in ihrem Guthaben, die beide auf einer eigenen Blockchain ­basieren würden. Im Zuge der ­Umstellung warnen die Entwickler davor, Bitcoin zu nutzen oder zu handeln – spätestens zwei Tage vor dem 1. August sollte es eingestellt werden, da sonst die Gefahr von Datenverlusten besteht.

Selbst professionelle Händler wissen nicht, wie der Streit ausgehen wird. Sie empfehlen, sich auf höhere Volatilität einzustellen und bereit zu sein, schnell zu handeln, sollte der «Tag X» kommen. Daher bezeichnet es Arthur Hayes, ein ehemaliger Citigroup-Banker, der heute mit Bitcoin handelt, als «Feiglingsspiel». Sobald klar ist, wer dieses gewonnen hat, wird es auch am Markt einiges an Bewegung geben. Er rät dazu, für diesen Tag vorbereitet zu sein. Der Vorteil ist: Beide Seiten haben ein starkes Interesse daran, sich zu einigen. Zwar gibt es auch Beispiele, dass so eine Aufspaltung funktionieren kann, aber Investoren haben kein Interesse an der folgenden Unsicherheit.

Die Wirrungen haben neben dem Bitcoin auch andere Digitalwährungen auf Talfahrt geschickt. Während diese Mitte Juni noch 115 Milliarden Dollar wert waren, sind es am Montagnachmittag lediglich noch 69 Milliarden Dollar – ein Minus von 40 Prozent. Besonders hart getroffen hat es dabei die kleineren Währungen wie Ethereum: Der Ether, so der Name des Geldes, hat seit dem 12. Juni – als der Bitcoin bei 3000 Dollar auf einem Hoch notierte – ein Minus von 62 Prozent verzeichnet.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung

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