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GELD: Nationalbank rettet Papierfabrik

Ohne die Hilfsaktion der Schweizerischen Nationalbank wäre die Herstellerin des Sicherheitspapiers der neuen Notenserie in Konkurs gegangen. Die Geschichte wiederholt sich.
Daniel Zulauf
Ein Beispiel der Wasserzeichenherstellung der Landqart AG. (Bild: Ennio Leanza/Key (Landquart, 20. Mai 2009))

Ein Beispiel der Wasserzeichenherstellung der Landqart AG. (Bild: Ennio Leanza/Key (Landquart, 20. Mai 2009))

Daniel Zulauf

Feuerwehrübungen kurz vor Weihnachten werden bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) offensichtlich zur Tradition. Die Ruhe war dahin, als die SNB vor drei Jahren, nur fünf Tage vor Heiligabend, die Einführung des Negativzinsregimes ankündigte. Auf einer kurzfristig ein­berufenen Pressekonferenz war dem Direktoriumspräsidenten Thomas Jordan der Stress förmlich ins Gesicht geschrieben. Drei Jahre davor stand Jordans Vorgänger Philipp Hildebrand im Zentrum. Die Devisenaffäre, die zu seinem Rücktritt führte, nahm just vor Weihnachten ihren Anfang.

Gestern war die Reihe wieder an Jordan und seinem Vizepräsidenten Fritz Zurbrügg. Die beiden versuchten den kurzfristig herbeigerufenen Journalisten ­etwas hilflos zu erklären, weshalb die SNB nun auch die Herstellerin des Sicherheitspapiers für die neue Banknotenserie übernehmen muss. Die Firma Landqart AG (ohne u) mit Sitz in Landquart GR kämpft schon seit langer Zeit mit dem Grossauftrag der Schweizer Notenbank. Durasafe, wie das eigens für die SNB entwickelte patentgeschützte Substrat heisst, auf dem die neuen Noten gedruckt werden, ist ein Hightechprodukt, wie es sich nur die SNB leisten will. Man habe den Anspruch, die sichersten Banknoten der Welt in ­Umlauf zu bringen, sagt Jordan. Doch die Herstellung des papierähnlichen Materials erwies sich im industriellen Grossmassstab als weitaus kniffliger als anfänglich gedacht. Deshalb gelangten die ersten Exemplare der neuen Notenserie erst im laufenden Jahr mit mehreren Jahren Verspätung ins Publikum. Und jetzt noch dies: Im Oktober soll ein Landqart-Kunde scheinbar völlig überraschend einen Grossauftrag für herkömmliches Bank­notenpapier storniert haben. Das Unternehmen mit seinen 280 Mitarbeitern sei damit schnurstracks auf eine Liquiditätskrise zugerast. Allein im vierten ­Quartal seien 16 Prozent des Umsatzes weggefallen, und im Jahr 2018 wären es sogar 30 Prozent geworden. Die kanadische Eigentümerin Fortress Paper Ltd. war gemäss Angaben von Jordan nicht bereit, das Loch zu stopfen. Die Nationalbank habe verschiedene Optionen geprüft, wie sich die Herstellung von Durasafe weiter gewährleisten lasse, sagte Jordan. Man hätte Landqart in Konkurs gehen lassen und danach versuchen können, die Druckmaschine aus der Konkursmasse herauszukaufen. Die im Besitz der SNB befindlichen Patente hätten es der Notenbank auch erlaubt, die Druckmaschine an einem anderen Ort neu aufzubauen. Doch die Übernahme von Landqart habe sich am Ende als beste Variante erwiesen.

Die Nationalbank kauft 90 Prozent der Aktien, und 10 Prozent erwirbt die Zürcher Notendruckfirma Orell Füssli. Orell Füssli operiert schon seit den 1970er-Jahren quasi als Generalunternehmerin für die SNB, wenn es um die Herstellung von Banknoten geht. Die Übernahme kostet insgesamt 21,5 Millionen Franken. Darüber hinaus leistet die SNB einen Liquiditätseinschuss bei Landqart im Umfang von 5 Millionen bis 15 Milliionen Franken, wie es gestern hiess.

Die Rettungsaktion bringt der Nationalbank einigen zusätzlichen Ärger, aber finanziell fällt sie bei Lichte betrachtet kaum ins Gewicht. Die neuen Banknoten sind mit 40 Rappen pro Stück ohnehin aussergewöhnlich teuer. Und weil sie trotz ihrer hohen Qualität alle paar Jahre ausgewechselt werden müssen, wird die Herstellung der voraussichtlich über 2000 Millionen Noten über den ganzen 20-jährigen ­Lebenszyklus der Serie hinweg ohnehin gegen eine Milliarde Franken kosten.

Zu denken geben muss der Nationalbank-Führung aber der Umstand, dass sich hier die Geschichte wiederholt. Bereits 1981 musste die SNB bei Orell Füssli eine Kapitalerhöhung finanzieren, um die Firma vor dem Untergang zu bewahren. Zehn Jahre später übernahm die SNB sogar die Mehrheit. Die Beteiligung konnte zwar ein paar Jahre später wieder auf einen Drittel gesenkt werden, doch diesen Anteil hält die SNB bis heute. Die Geschichte lässt erahnen, dass auch die ­jetzige Rettungsübung eine langfristige Sache werden könnte.

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