GELD: Über 40 Millionen Tausendernoten im Umlauf

Als Zahlungsmittel kommen sie nur selten zum Einsatz. Dennoch ist die höchste Schweizer Note gefragt wie nie zuvor. Ende 2013 wurde die Rekordmarke gebrochen.

Balz Bruppacher
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Selten bezahlt jemand mit einer Tausendernote. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Selten bezahlt jemand mit einer Tausendernote. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Sind es die tiefen Zinsen? Die Angst vor einer neuen Krise? Oder wird die Nachfrage nach Tausendernoten gar durch das Verstecken von Schwarzgeld und andere krumme Geschäfte angeheizt? Der Umlauf der Tausendernoten ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen und hat nach dem üblichen Sprung im Dezember den Rekordwert von 40,034 Milliarden Franken erreicht. Das waren 2 613 000 Tausendernoten oder 7 Prozent mehr als vor Jahresfrist – und entsprach 61 Prozent des gesamten Notenumlaufs, wie den am letzten Freitag veröffentlichten Daten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu entnehmen ist.

Guter Krisenindikator

Der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann hat den Umlauf der Tausendernoten als guten Krisenindikator bezeichnet. So hat der Bestand nach den Börsenkrisen von 1987 und 2001/02 signifikant zugenommen, sich danach aber jeweils wieder normalisiert. Einen Sprung nach oben machte der Umlauf der Tausendernoten auch auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 habe sich die Nachfrage nach Tausendernoten innerhalb von wenigen Tagen verdreifacht, hiess es bei der Grossbank Credit Suisse, die zu den grossen Notenhändlern gehört. In der SNB-Statistik spiegelte sich das in einer Zunahme der Tausendernoten innerhalb eines Jahres um 16 Prozent auf 28,3 Milliarden Franken wider.

Bestand um zwei Drittel gestiegen

Im Unterschied zu früheren Krisen gab es seither aber keine nennenswerte Korrektur. Vielmehr nahm die Zahl der Tausendernoten seit 2007 um fast zwei Drittel oder knapp 16 Millionen Scheine zu. Folgt man der Krisenbarometer-Erklärung, hiesse das, dass die Finanz- und Schuldenkrise nach wie vor virulent ist. Anderseits ist der Bestand an Tausendernoten im letzten Frühling während der Zypernkrise praktisch stabil geblieben. Obwohl damals eine heftige Kontroverse über das sogenannte Bail-in in Form einer Beteiligung der Bankgläubiger an den Rettungspaketen entbrannte.

Keine Rolle spielt die Krisenangst bei der jährlich zu beobachtenden überdurchschnittlichen Zunahme der Tausendernoten im Dezember. Auch Weihnachtskäufe und Bargeldgeschenke vermögen den Sprung – im letzten Dezember stieg der Bestand um 2 555 600 Tausendernoten – nicht vollständig zu erklären. Naheliegender sind Steuervermeidungsmanöver, indem Bankguthaben auf den Stichtag des 31. Dezember in Bargeld umgeschichtet werden.

Bundesrat verweist auf tiefe Zinsen

Zu den Gründen der starken Zunahme der Tausendernoten in den letzten Jahren hat sich kürzlich auch der Bundesrat geäussert. Einerseits sei die erhöhte Nachfrage nach Banknoten auf das anhaltend tiefe Zinsniveau zurückzuführen, heisst es in einer unbeachtet gebliebenen Antwort auf eine SP-Interpellation. Im aktuellen Nullzinsumfeld seien die entgangenen Zinseinnahmen der Bargeldhaltung relativ tief. Anderseits steige die Bargeldnachfrage in einem Umfeld der Verunsicherung, schreibt der Bundesrat und erwähnt die Finanzkrise und die Staatsschuldenkrise.

Liebling der Geldwäscher?

Geldwäscherei-Experten haben eine weitere Erklärung für den Boom der Tausendernoten zur Hand: Noten mit hohem Nominalwert sind für Kriminelle interessant, weil ihr Transport wenig Platz braucht. Der Bundesrat geht demgegenüber nicht davon aus, dass die Tausendernoten kriminellen Verwendungszwecken dienen und sieht auch keinen Handlungsbedarf.