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GELDPOLITIK: Die schweizerische Nationalbank gibt ein Rauchzeichen

Die langfristige Inflationsprognose liegt erstmals über der Stabilitätsmarke von 2 Prozent. Der erste Zinsschritt rückt damit näher.
Weiteres Zuwarten: Die Schweizerische Nationalbank belässt ihre Geldpolitik unverändert. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Weiteres Zuwarten: Die Schweizerische Nationalbank belässt ihre Geldpolitik unverändert. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/PETER KLAUNZER)

Die Schweizerische Nationalbank will offenbar den Devisenmarkt mit Blick auf eine mögliche Zinserhöhung in der weiteren Zukunft testen. Wie es scheint, hat das Noteninstitut gestern, anlässlich der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung im laufenden Jahr, nicht zuletzt mit dieser Absicht erstmals eine Teuerungsrate von über 2 Prozent prognostiziert. Nach der Definition der Nationalbank herrscht Preisstabilität, wenn die Inflation das Niveau von 2 Prozent nicht übersteigt. Für das dritte Quartal des Jahres 2020 erwarten die Frankenhüter nun erstmals seit vielen Jahren eine Teuerung, die mit 2,1 Prozent leicht über diesem Schwellenwert zu liegen kommt. Gewiss, die erwartete Abweichung ist minimal, und der Horizont ist so weit, dass die Prognose naturgemäss auf sehr wackligen Beinen steht.

Dennoch ist die Prognose eine Information, auf die der Devisenmarkt reagieren könnte. Eine erwartete Teuerung von über 2 Prozent könnte die Nationalbank als Legitimation einsetzen, um das seit drei Jahren bestehende Negativzinsregime zu lockern beziehungsweise die Normalisierung der seit zehn Jahren im Ausnahmezustand befindlichen Geldpolitik einzuleiten. Weil die Aussicht auf höhere Zinsen die Attraktivität des Fran­kens als Anlagewährung steigern könnte, wäre gestern eine entsprechende Reaktion des Devisenmarktes möglich gewesen. Doch die Finanzmarktakteure liessen das Rauchzeichen tatenlos vorbeiziehen. Ein Euro kostete im Vortagesvergleich praktisch unverändert 1,165 Franken.

Verdoppelung des Wirtschaftswachstums

Die SNB dürfte sich über diese Nichtreaktion gefreut haben, denn sie könnte ein Hinweis dafür sein, dass die Schweizer Notenbank geldpolitischen Spielraum gewonnen hat. Sollte sich der Frankenkurs, wie von der SNB erwartet, auch 2018 weiter abschwächen, wäre es im Prinzip möglich, dass die Frankenhüter ihren ersten Zinsschritt noch vor der EZB wagen. In Frankfurt dürfte man frühestens im Sommer 2019 bereit dafür sein (siehe Box).

Während die ultralockere Geldpolitik den angeschlagenen Euroländern an den Rändern des gemeinsamen Währungsraumes den dringend benötigten Sauerstoff verschafft, sind die wirtschaftlichen Bedingungen in der Schweiz ungleich besser.

Zwar hat sich das Wachstum 2017 auf magere 1 Prozent abgeschwächt. Doch die SNB erwartet für 2018 wieder eine Verdoppelung des Wirtschaftswachstums auf 2 Prozent. Während die Auslastung der Produktionskapazi­täten weiter zunehme und die Arbeitslosenquote das Niveau vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses wieder erreicht habe, bestehe im Immobilienmarkt weiterhin die Gefahr von Preisblasen. Die Nationalbank wartet also sehnlichst auf den Tag, an dem sie die Zinsschraube wieder etwas anziehen kann.

Daniel Zulauf

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