GELDPOLITIK: Grosse Nachfrage nach Euro in Wechselstuben

Nach dem Nationalbank-Entscheid haben die Geldautomaten von Postfinance vorübergehend keine Euro-Noten mehr ausgespuckt. Geldwechselstellen verzeichneten eine deutlich höhere Nachfrage nach Euro. Viele Anleger griffen zu Gold.

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Die Schweizer Börse notiert deutlich schwächer: Der SMI verliert. (Bild: Keystone)

Die Schweizer Börse notiert deutlich schwächer: Der SMI verliert. (Bild: Keystone)

Die Postfinance stellte den Devisenhandel nach der Ankündigung der Nationalbank am Donnerstag zeitweise ganz ein. Sprecher Johannes Möri bestätigte entsprechende Medienmeldungen. Ausgesetzt wurden sowohl der telefonische Handel als auch Transaktionen an Geldautomaten und über Internet.

Deutlich höhere Nachfrage

Am Nachmittag waren der telefonische Handel und der E-Finance-Kanal wieder geöffnet. Gegen Abend gaben auch die Postomaten wieder Euro aus. Nur wer an Postschaltern mit Euro bezahlen oder Euro beziehen wollte, musste bis Freitag warten. Die Nachfrage nach Euro und anderen Fremdwährungen sei deutlich höher gewesen als üblich, sagte Möri.

Der Sprecher begründete die Massnahmen mit dem Schutz der Kunden. Es sei nach der Ankündigung der Nationalbank am Donnerstagvormittag schlicht nicht möglich gewesen, einen marktgerechten Kurs zu garantieren. Erst nach den Erklärungen von Nationalbank-Präsident Thomas Jordan Anfang Nachmittag sei wieder etwas Ruhe eingekehrt.

Deutlich mehr Euro-Bezüge

Bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) konnten hingegen weiterhin Euro-Noten bezogen werden. Es seien deutlich mehr Bezüge registriert worden als üblich, sagte ZKB-Sprecher Igor Moser der Nachrichtenagentur sda. Abschliessende Zahlen zum Umfang der Bezüge könnten aber am Donnerstag nicht genannt werden.

Laut Aussage des Raiffeisen-Sprechers Franz Würth gehen die Euro-Käufer «offensichtlich davon aus, dass die Euro jetzt günstiger zu haben sind als morgen». Wegen der verstärkten Nachfrage sei es denkbar, dass in einigen Filialen der Raiffeisen die Euro-Noten ausgegangen seien. Generelle Sperren seien aber nicht angeordnet worden.

Bei der Grossbank UBS erreichte die Informatik teilweise die Belastungsgrenze. «Kurzzeitig ist der eine oder andere Kunde nicht mehr in das E-Banking reingekommen», erklärte eine UBS-Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters. Mittlerweile funktioniere aber alles wieder reibungslos. Konkurrentin Credit Suisse konnte vorerst keine Angaben zu möglichen Einschränkungen machen.

Fester Kurs bei SBB-Automaten

Auch die SBB stellte in ihren Wechselstuben ein erhöhtes Kundenaufkommen fest, wie Sprecher Daniele Pallecchi sagte. Der Zulauf habe sich laufend verstärkt, seit die Nationalbank am Morgen die Aufgabe des Euro-Mindestkurses bekanntgegeben habe.

Keine Kursanpassung gab es bei den SBB-Billettautomaten, an denen ebenfalls mit Euro bezahlt werden kann. Sie blieben am Donnerstag bei 1.23 Franken pro Euro, wie Pallecchi sagte. Angesichts der Turbulenzen plane die SBB, die Automaten in der Nacht auf Freitag auf den 1:1-Kurs umzustellen.

Goldpreis legt zu

Der Goldpreis hat am Donnerstag merklich von dem überraschenden Schritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) profitiert. Viele Anleger griffen zu dem Edelmetall.

Nachdem die SNB die faktische Anbindung des Schweizer Franken an den Euro aufgegeben hatte, stieg der Goldpreis um etwa 2,7 Prozent oder 35 Dollar auf bis zu 1264 Dollar. Das ist der höchste Stand seit September 2014.

Händler nannten vor allem zwei Gründe für den steigenden Goldpreis: Zum einen habe der Dollar nach der Entscheidung der SNB nicht nur zum Franken, sondern auch zu anderen Währungen an Wert verloren. Weil Gold in der US-Währung gehandelt wird, wurde der Erwerb des Edelmetalls für Anleger in der Tendenz günstiger.

Zusätzlich sei die Goldnachfrage beflügelt worden, weil der Schritt der SNB vor Augen geführt habe, dass die extrem lockere Geldpolitik vieler Notenbanken anhalten dürfte. Niedrige Zinsen gelten prinzipiell als gutes Umfeld für Gold, weil das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft.

sda