Bettlach
Gemeinderat hat im Budget keine Luft mehr gefunden

Das Bettlacher Budget hat im Gemeinderat dem Ansturm der SVP standgehalten. Deren Streichungsanträge sowie ihre Bedenken zu einer künftigen Kostensteigerung bei der Schulsozialarbeit blieben chancenlos.

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Geld

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Solothurner Zeitung

Daniela Deck

Angesichts der komfortablen Finanzlage von Bettlach hielt sich die Aufregung über das rote Budget (Ausgabe vom Samstag) in Grenzen. Dennoch durchleuchtete der Gemeinderat die anstehenden Investitionen und Ausgaben sorgfältig. Zuerst ging es um die Frage, ob man die Schulsozialarbeit der Gemeindeversammlung zur definitiven Einführung vorschlagen soll. Nach der zweijährigen Versuchsphase stand die Schulsozialarbeit mit einer halben Stelle zur Debatte.

Das Vertrauen wächst allmählich

Nach ihrem ersten Jahr hat die Schulsozialarbeit bei Schulkindern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern erstmals den Puls genommen.
Im Gemeinderat präsentierte Sozialarbeiterin Cornelia Müller die Erkenntnisse der Befragung. So bestand die Klientel zu 59 Prozent aus Schülern. Eltern und Lehrer halten sich mit 16 bzw. 14 Prozent praktisch die Waage. Der Rest entfällt auf Gruppen. Bisher hat Müller 83 Fälle bearbeitet. Positiv hob sie die Tatsache hervor, dass 84 Prozent der Hilfesuchenden direkt und nicht durch Vermittlung gekommen seien. Bei den Problembereichen hält die Schule mit 58 Prozent den Löwenanteil. Familie: 21 Prozent, Persönlichkeit: 18 Prozent, Freunde:
3 Prozent. Auf Nachfrage präzisiert Müller, dass Mobbing in seiner vollen Form bisher wenig an sie herangetragen wurde. «Ich
sehe aber Anzeichen, die in diese Richtung gehen, wie Ausschluss von Kindern aus Gruppen, üble Nachrede und problematische Formen von Gruppendynamik. Kein Thema seien bisher Geld sowie sexuelle Probleme. Es sei vorgekommen, so Müller, dass sie in Gefährdungsmeldungen involviert worden sei. Wie oft, will sie aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht sagen. (dd)

Die SVP machte sich auf Vorrat Sorgen. «Ich befürchte in Zukunft einen Ausbau», sagte Thomas Burger. Leonz Walker legte mit grundsätzlichen Bedenken nach: Mit dem Angebot würden verwöhnte Kinder herangezüchtet, die sich in der harten Realität, insbesondere im Berufsleben, nicht zurechtfänden. Thomas Steiner (CVP) konterte: «Wir produzieren nicht Weicheier.» Sein Parteikollege Enrico Sansoni erinnerte daran, dass ein Ausbau nicht zur Diskussion stehe. Gegen die Stimmen der SVP hiess der Rat die Schulsozialarbeit als festes Angebot gut.

Rats-Stenogramm

Zudem hat der Gemeinderat
– das Budget 2010 des Spitexvereins mit dem Gemeindebeitrag von 224 600 Franken genehmigt;
– das Reglement der Musikschule an die Gemeindeverwaltung überwiesen;
– den Teuerungsausgleich fürs Gemeindepersonal (Novemberindex) gutgeheissen. (dd)

Symmetrie auf dem Friedhof

Auch der Ausbau des Urnenhains auf dem Friedhof gab zu reden. Von Anfang an sei diese Anlage symmetrisch und mit einem Brunnen geplant worden, erklärte Bauverwalter Titus Moser. Vor zehn Jahren wurde jedoch nur eine Hälfte mit 124 Urnennischen realisiert. Nun werde der Platz knapp. Deshalb solle nächstes Jahr für 250 000 Franken der Rest gebaut werden. Wieder erhob die SVP Einspruch. «Unser Friedhof ist komplett unterbelegt», fand Leonz Walker und stellte den Antrag, die Investition um ein Jahr zu verschieben. Joël Mussilier (SP) dachte an, bloss den Brunnen zu verschieben, was die CVP zum Antrag ausbaute, den Brunnen ganz zu streichen. Schliesslich entschied der Rat, den Urnenhain nächstes Jahr zu bauen, mit Brunnen. Ebenso erfolglos blieb die SVP mit Anträgen zum Sparen bei der Schule. Dieser Bereich verzichtet nach Angabe von Thomas Steiner bereits auf Investitionen von 120 000 Franken. Deshalb soll nun der kaputte Flügel der Musikschule sowie Büroeinrichtungen ersetzt und die Weitsprunganlage Einschlag saniert werden. Zuletzt überwies der Gemeinderat den Voranschlag mit zehn Stimmen bei einer Enthaltung an die
Gemeindeversammlung.