Generationenwechsel bei der Hug AG

Beim Backwarenhersteller Hug in Malters teilt sich neu Anna Hug die operative Führung mit ihrem Onkel Andreas Hug-Furrer. Wirtschaftlich kann das Unternehmen auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicken.

Christopher Gilb
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Das neue Führungsduo des Backwarenherstellers: Anna Hug und Andreas Hug-Furrer.

Das neue Führungsduo des Backwarenherstellers: Anna Hug und Andreas Hug-Furrer.

Bild: Pius Amrein (Malters, 22. Januar 2020)

Der Stammbaum der Geschäftsleitung des Backwarenherstellers Hug in Malters reicht über fünf Generationen bis ins Jahr 1877 zurück. Damals gründete Joseph Hug-Meyer die Bäckerei Hug in Luzern und soll dort durch Zufall den bekannten Zwieback erfunden haben. Von 1974 an war die vierte Generation am Steuer, namentlich Werner Hug Krieger (74) und später auch Andreas Hug-Furrer (59). Werner Hug hat sich nun per Ende 2019 gänzlich aus dem operativen Bereich zurückgezogen und will sich auf seine Aufgabe als Verwaltungsratspräsident konzentrieren. Für ihn rückt seine Tochter in die Unternehmensleitung nach: die bisherige Leiterin Entwicklung und Innovation, Anna Hug (47). Der Sohn von Andreas Hug, Fabian Hug (37), übernimmt Annas Position im Bereich Entwicklung und Innovation.

Der Einstieg der fünften Generation in die Unternehmensleitung steht auch für einen Kulturwechsel. «Er habe ja eher noch wie ein Patron agiert», sagt Werner Hug. Anna Hug und Andreas Hug teilen sich hingegen hälftig die Führung des Unternehmens. Er als Co-Geschäftsleiter Operations, sie als Co-Geschäftsleiterin Märkte, und dies im Teilzeitpensum. «Für mich stand fest, dass ich in die Geschäftsleitung will, aber in Teilzeit, um Zeit für die Familie zu haben», sagte Anna Hug beim Jahresrückblick am Mittwoch in Malters. Und damit ist sie nicht die Einzige im Konzern. 27 der 75 Mitarbeiter im Management des Backwarenherstellers arbeiten Teilzeit. Wohl auch um in Zeiten des Fachkräftemangels attraktiv zu bleiben, bietet das Unternehmen einiges für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. So wurde ein Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen eingeführt, im ganzen Unternehmen gilt Jahresarbeitszeit, und seit neustem erhalten die Mitarbeitenden eine eigene «Hug-Familienzulage» in Höhe von 50 Franken pro Monat.

Umsatz deutlich gesteigert

Wirtschaftlich kann der Backwarenhersteller auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. So konnte der Umsatz in einem Marktumfeld um 3,8 Prozent gesteigert werden, und bei den drei Marken Hug, Dar-Vida und Wernli konnten die Marktanteile in der Schweiz ausgebaut ­werden. Als positives Beispiel erwähnte Andreas Hug die «Choco Petit Beurre Ruby» von Wernli. Das Biskuit mit der pinken Ruby-Schokolade, das letztes Jahr auf den Markt gekommen ist, war gemäss Coop die erfolgreichste Einführung eines Biskuits-Produkts im Jahr 2019. Insgesamt wuchs Hug im Biskuits-Markt in den letzten zwei Jahren um 6 Prozent. «Und das schneller als der Markt, denn dieser blieb stabil», so Andreas Hug. Auch mit den Produkteinführungen der anderen Marken 2019 zeigte sich Hug zufrieden. So seien beispielsweise die «Dar-Vida Simply» aus Dinkel im Markt sehr gut aufgenommen worden, so dass der Umsatz der Marke trotz Kopien durch Mitbewerber habe gesteigert werden können.

Palmöl in Hug-Produkten

Am Anlass war auch Palmöl ein Thema. Es wurde gefragt, wieso Hug den umstrittenen Rohstoff weiterhin einsetzt. Andreas Hug sagte dazu, das Palmöl beispielsweise bei Füllungen unschlagbare Fähigkeiten habe und praktisch nicht zu ersetzen sei. Der Konzern probiere aber, wo es «sinnvoll sei», Butter zu verwenden. Gemäss Konzernangaben wird zu 95 Prozent physisch nachhaltiges, zertifiziertes Palmöl verwendet. (cg)

Wachstumstreiber ist aber der Export des Filigrano-Tartelettes-Sortiments. Die Tortenböden mit den dünnen Wänden weisen ein Wachstum von 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf. Es handle sich zwar um einen Nischenmarkt, in diesem sei Hug aber Weltmarktführer, wie Anna Hug erläuterte. Insgesamt wird das Gastrogeschäft fürs Unternehmen immer wichtiger. So habe durch neue tiefgekühlte Brötchen und weitere Innovationen das Gastrogeschäft in der Schweiz um 6 Prozent ausgeweitet werden können. 36 Prozent der Kunden des Konzerns kommen bereits aus dem Gastrobereich.

Umzug für Ende 2020 geplant

Auch für dieses Jahr sind neue Produkteinführungen geplant, zum Beispiel die «Choco Petit Beurre Jungle». Dabei handelt es sich um eine Version der beliebten Schokokekse, aber mit 30 Prozent weniger Zucker. «Wir wollten den Konsumenten keine angepasste Version des Originals aufzwingen. So haben sie nun eine Auswahl», sagte Anna Hug.

Das derzeit grösste Projekt beim Backwarenhersteller ist der Ausbau des Standorts Malters und die damit einhergehende Integration der bisherigen Wernli-Produktion in Trimbach. So geht es am Hug-Hauptsitz auch geschäftig zu, denn das «Backhaus» wird direkt an die bisherige Produktion angebaut. Insgesamt wird durch den Ausbau die Produktionsmenge in Malters verdoppelt. Die Bau- und Anlageinvestitionen belaufen sich bis zum Jahr 2023 auf rund 80 Millionen Franken.

Über 386 Vollzeitstellen, ein Plus von 14 Personen im Vergleich zu 2018, verfügt der Konzern derzeit an den drei Standorten Trimbach, Wilisau und Malters, 164 davon in Trimbach. Er hoffe, dass möglichst viele davon in Malters weiterarbeiten werden, so Andreas Hug. Wie viele den Schritt machen, sei aber noch nicht klar. Fertiggestellt wurde nun mit leichter Verzögerung der Rohbau. Die erste Marke soll dann Ende 2020 nach Malters umziehen.