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GENF: Absturz der Schweiz im Gleichstellungs-Index

Die Schweiz ist auf der Gleichstellungs-Rangliste des WEF von Platz 10 auf Platz 21 zurückgefallen. Das hat auch mit alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf zu tun.
Eveline Widmer Schlumpf. (Bild: Keystone)

Eveline Widmer Schlumpf. (Bild: Keystone)

Die Schweiz ist kein internationales Vorbild, wenn es um die Gleichberechtigung der Geschlechter geht. Diese nicht ganz neue Erkenntnis bestätigt auch der diesjährige Gleichstellungsbericht des Davoser Wirtschaftsforums (WEF), nachdem unser Land heuer nur noch auf dem 21. Rang der 144 untersuchten Nationen steht.

Der im Vorjahresvergleich überraschend deutliche Abstieg der Schweiz um nicht weniger als zehn Plätze ist allerdings vor ­allem dem Umstand geschuldet, dass die frühere Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf nicht durch eine Frau, sondern eben durch den Waadtländer Guy Parmelin ersetzt wurde. Hauptsächlich als Folge dieses Ereignisses ist die Schweiz in der Bewertungskategorie «politischer Einfluss» des weiblichen Geschlechts von der Position 15 auf die Position 28 abgerutscht.

Ruanda weit oben auf der Liste

Dieser starke Rückfall stellt allerdings zunächst eher die Konstruktion des WEF-Gender-Indexes als die Gleichstellungspolitik der Schweiz in Frage. Der Index basiert zwar scheinbar breit auf vier Bewertungskategorien (wirtschaftliche Beteiligung, Zugang zu Bildung, Gesundheit, politischer Einfluss) mit insgesamt 14 Subkategorien. Dennoch wird er durch eine einzige Bundesratswahl quasi auf den Kopf gestellt.

Dass nordische Länder wie Island (1), Norwegen (2), Finnland (3) oder Schweden auf den vordersten Plätzen zu finden sind, ist freilich konsistent mit dem, was man gemeinhin unter guter Gleichstellungspolitik versteht. Auch in dem Anfang Oktober von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichten Gleichstellungsbericht ­figurieren diese Länder in den vordersten Positionen. Eher unerwartet ist vielleicht die gute Position des afrikanischen Landes Ruanda (4), wo die Mädchen in puncto Primar- und Sekundarschulbildung zwar kaum hinter den Knaben zurückstehen müssen, wobei der geringe Alphabetisierungsgrad des Landes ein anderes, nicht kleineres Unrecht als die Geschlechterdiskriminierung anzeigt: In Ruanda hat offenbar generell nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Zugang zu Bildung.

Verbesserung bei der Lohngleichheit

So gesehen kann die Schweiz den Absturz im WEF-Index also gut verkraften, zumal es in einigen wichtigen Bereichen scheinbar doch Fortschritte gegeben hat. In Sachen Lohngleichheit hat sich die Schweiz gegenüber dem Vorjahr von Platz 43 auf Platz 34 ­verbessert. In der Beteiligung der Frauen im Arbeitsmarkt steht die Schweiz auf Rang 35. Diese Platzierung sieht schlechter aus, als sie ist. In den vordersten Rängen finden sich in dieser Kategorie Entwicklungs- und Schwellenländer, wo die hohe Beteiligung der Frauen im Arbeitsmarkt eben vielfach nicht dem Gebot der Gleichberechtigung, sondern eher dem wirtschaftlichen Zwang geschuldet ist. Dass die berufs­tätigen Schweizer Frauen oft nur Teilzeit arbeiten, geht in der Gleichberechtigungs-Arithmetik des WEF ganz unter.

Daniel Zulauf

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