Aktien
Genfer Bänkli ist der Überflieger des Börsenjahres

Die Liste der besten und schlechtesten Aktien in diesem Jahr birgt viele Überraschungen.

Roman Seiler
Drucken
Der Aktienkurs der Genfer Bank Profil de Gestion hat sich 2016 mehr als verdreifacht.

Der Aktienkurs der Genfer Bank Profil de Gestion hat sich 2016 mehr als verdreifacht.

KEYSTONE

Die in Genf domizilierte Banque Profil de Gestion beschäftigt lediglich 23 Mitarbeiter. Sie haben allen Grund, auf ein erfolgreiches Jahr anzustossen: Die Titel der Privatbank sind der Börsen-Überflieger des Jahres: Der Kurs erhöhte sich seit Anfang Jahr um unglaubliche 207,69 Prozent. Das freut in erster Linie die beherrschende Aktionärin, die Mailänder Banca Profilo.

Das Geldhaus schrieb bis Ende September einen Minigewinn von 22 000 Franken. Die Erträge beliefen sich auf 1,74 Millionen Franken. Die Börsenkapitalisierung beläuft sich auf gerade mal 63,5 Millionen Franken. Der explosionsartige Anstieg dürfte also in erster Linie spekulationsgetrieben sein: Zocker heizten den Kurs an, der Anfang September noch bei 1,30 Franken lag. Gestern kostete der Titel 4,40 Franken.

Selbst Experten tun sich schwer

Diese eher exotische Aktie befand sich nicht auf dem Radar der Börsenbeobachter. Wie schwierig es nämlich ist, auf die richtigen Titel zu setzen, zeigt eine Umfrage unter Analysten der Wirtschaftszeitung «Finanz und Wirtschaft». Nur einer der fünf befragten Börsenexperten erwischte mit der Bobst Gruppe einen der zehn Titel, die seit Anfang 2016 zu den Top-Gewinnern zählten. Wer sich diese ins Portefeuille legen liess, verdiente viel Geld.

Zu den Verlierern zählten auch Anleger, die vorsichtig auf Indizes setzten. Der alle kotierten Schweizer Firmen umfassende Swiss Performance Index (SPI) lag gestern um 14 Uhr mit einem Prozent im Minus. Der Swiss Market Index (SMI), der die 20 höchstkapitalisierten Unternehmen enthält, schrumpfte seit Januar gar um rund 500 Punkte oder 6,2 Prozent.

Spannend ist obendrein: Kleinere Firmen performten stärker als die grossen. Nur gerade ein SMI-Titel schaffte es in die Top Ten: Der Kurs des Pharmaherstellers Actelion stieg beflügelt von Übernahmegerüchten um 58 Prozent. Kommt kein Deal zustande, dürften die Gewinne allerdings sehr schnell abschmelzen. Dahinter folgen mit ABB und Geberit zwei Industriekonzerne.

Mehr als die Hälfte der SMI-Papiere enttäuschten ihre Besitzer: Am schwächsten schnitten die zwei Grossbanken ab. Die CS-Aktie verlor satte 27, die der UBS 18 Prozent. Sie leiden unter den von den Notenbanken verordneten tiefen Zinsen. Dazu kommen hohe Kosten wie Bussen, welche die Resultate verhageln. Auch die Basler Pharma-Riesen Novartis und Roche zählten zu den SMI-Schlusslichtern.

Die Champagnerkorken knallen lassen kann, wer Aktien des Milchverarbeiters Hochdorf im Portefeuille hat. Das Papier legte um satte 81 Prozent zu. Für den Börsen-Blogger der «Nordwestschweiz», François Bloch, ist das keine Überraschung: «Diese Top-Firma hat weiter viel Gewinnpotenzial.»

Das Unternehmen aus dem luzernischen Hochdorf positioniert sich gerade neu. Im vergangenen Juli gab das Management bekannt, die Pharmalys-Gruppe zu übernehmen. Sie vertreibt Babynahrung. Damit produziert Hochdorf nicht mehr nur Magermilchpulver, sondern stösst selber in die margenstärkere Vermarktung von Babynahrung vor. Bloch schätzt, dass die Firma daher im kommenden Jahr einen Gewinnsprung von 18 bis 22 Prozent machen könnte.

Bloch setzt auch 2017 nicht auf Indizes, sondern auf Einzeltitel, die weiterhin eine starke Gewinnentwicklung versprechen. So empfiehlt er die Zurich Insurance Group und den Rückversicherer SwissRe wegen ihrer Dividendenausschüttungen. Die Aktien der Beteiligungsgesellschaft Partners Group würden weiter steigen, weil die Beteiligungsgesellschaft im kommenden Jahr ihre verwalteten Vermögen um weitere acht Milliarden Franken steigern könne. Auch die beiden Highflyer von 2016, die in der Biochemie tätige Bachem und der Verpackungs- und Etikettenhersteller Bobst, würden erneut für ein Kursfeuerwerk sorgen, sagt Bloch.

Hohe politische Risiken

«Schweizer Aktien sind zurzeit attraktiv bewertet», schreiben die Börsenexperten der Credit Suisse. Sie dürften im kommenden Jahr besser abschneiden als Titel anderer Märkte. Allerdings sind insbesondere die politischen Risiken hoch. Noch ist beispielsweise offen, ob und wie der neue US-Präsident Donald Trump seine wirtschaftlichen Versprechen wie Steuersenkungen oder den Ausbau der maroden Infrastruktur umsetzen wird. In Europa könnten die bevorstehenden Wahlen in Deutschland, Frankreich und allenfalls auch in Italien für starke Turbulenzen sorgen.