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Migros-Chef schiesst gegen Agrar-Initiativen: «Annahme würde zu Stopp der Pouletproduktion in der Schweiz führen!»

Detailhandelschef Fabrice Zumbrunnen warnt vor den Folgen der beiden Agrarinitiativen vom 13. Juni. Er glaubt, dass diese den Einkaufstourismus befeuern würden – und befürchtet das Ende einer bekannten Eigenmarke.

Benjamin Weinmann
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Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes stimmt am 13. Juni zwei Mal Nein bei den Umwelt-Initiativen.

Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes stimmt am 13. Juni zwei Mal Nein bei den Umwelt-Initiativen.

Bild: Ennio Leanza / KEYSTONE

Der orange Riese gibt sich gern grün. Erst kürzlich wurde die Migros zur nachhaltigsten Detailhändlerin der Welt gekürt. Doch am 13. Juni empfiehlt sie ihren Kundinnen und Kunden, beide vorliegenden Agrar-Initiativen abzulehnen – jene für ein Verbot von synthetischen Pestiziden und jene für sauberes Trinkwasser.

In einem Interview mit dem hauseigenen Magazin gibt Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen zu: «Das mag paradox erscheinen. Vor allem, weil die Migros die Beweggründe der Initiantinnen und Initianten versteht.» Das Problem liege in der Radikalität der Vorlagen. Diese hätten unerwünschte Auswirkungen, sagt der Neuenburger.

Zu wenig Ackerland

Zumbrunnen nennt ein konkretes Beispiel: «Die Annahme dieser beiden Initiativen würde zu einem fast vollständigen Stopp der Pouletproduktion in der Schweiz führen.» Die Initiative für sauberes Trinkwasser schreibe vor, dass das Futter auf dem Hof produziert werden müsse, auf dem die Tiere gehalten werden. «Dafür gibt es in der Schweiz nicht genügend Ackerland.»

Bei der Migros-Eigenmarke Optigal arbeite man seit Jahrzehnten mit Hunderten von Bauernfamilien zusammen, deren Tierhaltung nachhaltig sei. Aber: «Wenn die Initiative durchkommt, müssten wir unser Optigal-Programm stoppen oder infrage stellen.» Gleichzeitig würde Poulet aus dem Ausland importiert, sagt Zumbrunnen, denn dort würden diese Vorgaben nicht gelten. Sprich: Ausländisches Poulet wäre deutlich günstiger. «Konsumentinnen und Konsumenten können auch Hähnchen direkt im Ausland einkaufen – wo nicht nach unseren nachhaltigen Standards produziert wird. Das Ergebnis wäre paradox.»

«Man riskiert grosse Ernteausfälle»

Der Einsatz von Pestiziden sei bei manchen Kulturen nötig, sagt der oberste Migros-Mann. «Beim Kernobst beispielsweise ist es sehr schwierig, ganz auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verzichten, ohne dass man grosse Ernteausfälle riskiert.»

Zumbrunnen sagt, er verstehe die Ungeduld insbesondere von jungen Menschen, die den ökologischen Übergang beschleunigen möchten. «Ich habe auch Kinder und fühle mich verantwortlich für die künftigen Generationen. Leider leben wir aber in einer Welt, in der wir zunehmend einfache Antworten auf komplexe Probleme wollen.»