Arbeitsgericht
Gerichte profitieren von solider Pharma

Noch spürt das Basler Arbeitsgericht die Wirtschaftskrise kaum – noch nicht. Rundherum aber tobt der Kampf um Jobs.

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Arbeitszeugnis

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Schweiz am Sonntag

«Vermutlich hängt es mit den Branchen zusammen. In Basel haben wir viel Chemie und Pharma und denen läuft es trotz der Krise noch immer gut», vermutet Frank Emmel. Anders kann es sich der erste Gerichtsschreiber am Basler Zivilgericht nicht erklären, warum die Fallzahl der arbeitsrechtlichen Streitigkeiten in Basel-Stadt im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben ist. Waren es im vergangenen Jahr 373 Fälle, die vor Gericht landeten, bewege sich die Zahl im laufenden Jahr in einem ähnlichen Rahmen. «Da ist die Situation in Zürich mit seinen vielen Banken natürlich schon eine andere.»

Basel bildet damit eine grosse Ausnahme. Extrembeispiel Deutschland: In der Krise eskaliert der Kampf um Arbeit. Mitarbeiter wehren sich erbittert gegen Entlassungen, Unternehmen wollen nicht zu hohe Abfindungen zahlen. Die Zahl arbeitsrechtlicher Klagen steigt sprunghaft an - und das, obwohl die ganz grossen Massenentlassungen infolge der Wirtschaftskrise noch gar nicht begonnen haben. Zwölf Prozent mehr als 2008 zählt das Arbeitsgericht Hamburg in den ersten fünf Monaten dieses Jahres, 40 Prozent mehr werden in Nordrhein-Westfalen registriert. In drei Monaten gingen dort über 13 000 Klagen ein. Die Justiz ist überlastet.

Beispiele gibt es aber auch aus der Schweiz: Innert zweier Jahre hat die zahl der Fälle vor dem Arbeitsgericht Baden von 160 Neueingängen (2006) auf 225 Fälle im vergangenen Jahr um 40 Prozent zugenommen. Offene Löhne, missbräuchliche Kündigungen, Probleme mit dem Arbeitszeugnis - Krisenzeiten bringen dem Gericht Mehrarbeit. Der Kampf um Jobs wird härter geführt denn je. Viele Arbeitnehmer fürchten, in dieser Krise woanders keinen Job zu finden.

«Es könnte aber auch sein, dass uns in Basel die grosse Welle erst noch bevorsteht», ist sich Emmel bewusst. Dann nämlich wenn die Krise noch lange anhält. So müssten Betriebe mit Kurzarbeit vielleicht doch noch Entlassungen vornehmen. Zudem: «Es braucht nur einen Grossbetrieb, bei dem es Probleme mit dem Sozialplan gibt, und schon können die Zahlen sprunghaft ansteigen.» Sorgen wegen einer Überlastung der Justiz macht sich Emmel dennoch keine: «Auch wenn die Zahl der Fälle steigen sollte, werden wir nicht so rasch überlastet sein.» (db)