Geschäft mit reichen Amerikanern: Tidjane Thiam stieg aus – steigt der neue CS-Chef Thomas Gottstein wieder ein?

Eine Interviewaussage des neuen Credit-Suisse-Chefs lässt aufhorchen. Die Grossbank denkt offenbar darüber nach, wieder reiche Amerikaner fürs Private Banking zu gewinnen. Was steckt dahinter?

Patrik Müller
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Der ehemalige und der jetzige CEO der Credit Suisse: Tidjane Thiam (links) und Thomas Gottstein (rechts).

Der ehemalige und der jetzige CEO der Credit Suisse: Tidjane Thiam (links) und Thomas Gottstein (rechts).

(Bilder: Keystone)

Schweizer Grossbanken und die USA: Das war bis vor kurzem eine toxische Mischung. Sowohl die Credit Suisse wie auch die UBS bezahlten im letzten Jahrzehnt hohe Bussen, weil sie in der Vergangenheit reichen Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen hatten. Im Fall der CS belief sich die Strafe 2014 auf sagenhafte 2,8 Milliarden Dollar.

Zu jener Zeit war noch der Amerikaner Brady Dougan CS-Chef, doch schon bald übernahm Tidjane Thiam das Ruder. Dieser kündigte im Herbst 2015 an, sich aus dem amerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäft zurückzuziehen. Einen Teil davon verkaufte die CS an das US-Finanzinstitut Wells Fargo. Thiam sagte damals:

«Das ist ein Geschäft, das wir nicht betreiben sollten.»

Noch am Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2020, wenige Wochen vor seinem Rücktritt, verteidigte Thiam den Entscheid: «Unsere Lust, es in den USA mit grossen Mitbewerbern wie J.P. Morgan, Bank of America und aufzunehmen, ist limitiert.»

Wie beurteilt der neue CS-Chef Thomas Gottstein diesen Ausstieg heute? Im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» sagte er: «Im Jahr 2015 machte dieses Geschäft Verluste, darum war der Ausstieg richtig», so Gottstein, «auch vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit dem US-Justizdepartement». Diese ist inzwischen beigelegt.

Will wachsen, in der Schweiz wie in Asien, und vielleicht bald auch in den USA: Thomas Gottstein, seit Februar 2020 Konzernchef der Credit Suisse.

Will wachsen, in der Schweiz wie in Asien, und vielleicht bald auch in den USA: Thomas Gottstein, seit Februar 2020 Konzernchef der Credit Suisse.

Severin Bigler / SAW

Gottstein ist bekannt als offensiver Chef, der wachsen will. Das bewies er in seiner Zeit als Schweiz-Chef der CS ab 2015. Darum lässt eine weitere Interviewaussage aufhorchen. Es gebe zwar aktuell keine Pläne für einen Wiedereinstieg ins US-Vermögensverwaltungsgeschäft, sagt Gottstein, um ein «aber» hinzuzufügen:

«Mittel- bis langfristig sollten wir es aber prüfen.»

Ein Wiedereinstieg ist also ein Thema – «unter Einbezug der entsprechenden Regulatoren», sagte Gottstein. Gemeint sind wohl die Aufsichtsbehörden SEC in den USA und die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma).

Auch wenn noch nichts beschlossen wurde, so gibt es in der CS doch Vorstellungen darüber, wie im Privatebanking mit Amerikanern wieder Geld verdient werden könnte. Im Gegensatz zu früher soll die US-Vermögensverwaltung ohne Vor-Ort-Präsenz auskommen, wie Recherchen von CH Media zeigen. Kunden würden aus der Schweiz heraus beraten werden.

Die CS hat bereits heute superreiche Amerikaner als Kunden - im Investment Banking

Somit wäre die Credit Suisse auch nicht mehr an die Entschädigungsregeln für Kundenberater in den USA gebunden. Dort verdienen sie am Umsatz, den sie erzielen. Das können gut und gerne 30, 40 oder gar mehr Prozent sein. Gut für die Berater, schlecht für die Bank. Diese Praxis war ein wichtiger Grund dafür, dass die Credit Suisse im US-Wealth Management Geld verlor.

Naheliegend ist zudem, dass es kein Breitengeschäft wäre, sondern dass sich die Credit Suisse auf sehr reiche Kunden konzentrieren würde (in der Fachsprache heissen diese «Ultra High Net Worth Individuals»). Zu solchen Kunden verfügt die CS in einer anderen Sparte, dem Investment Banking, bereits über Beziehungen. Es handelt sich etwa um Tech-Unternehmer aus dem Silicon Valley. Solche Personen wären attraktive Kunden für das neue Vermögensverwaltungsgeschäft.

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