GESCHÄFTSJAHR: Schindler will die Welt nochmal erobern

Auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten kann der Hergiswiler Lift- und Rolltreppenproduzent zulegen. Nun soll der Konzern noch schneller wachsen.

Nelly Keune
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Der Verwaltungsratspräsident des Schindler-Konzerns, Alfred N. Schindler, hier bei der gestrigen Präsentation des Jahresergebnisses im Luzerner Hotel Palace, will noch mindestens fünf Jahre im Amt bleiben. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Der Verwaltungsratspräsident des Schindler-Konzerns, Alfred N. Schindler, hier bei der gestrigen Präsentation des Jahresergebnisses im Luzerner Hotel Palace, will noch mindestens fünf Jahre im Amt bleiben. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Fokus, Klarheit, Effizienz – so beschreibt Verwaltungsratspräsident Alfred N. Schindler sein Art zu führen und auch sein Unternehmen. Dass er diesen Massstab nicht nur bei seinen Mitarbeitern ansetzt, demonstrierte der 63-Jährige gestern gleich selbst bei der Präsentation der Jahreszahlen des Lift- und Rolltreppenproduzenten im Hotel Pa­lace in Luzern. Deutlich zügiger als in den vorgesehenen 15 Minuten präsentierte er die neue Strategie des Hergiswiler Unternehmens.

Statt primär auf die Gewinnspanne will man sich in den nächsten Jahren auf das Wachstum fokussieren. Der Konzern wird fit gemacht, um dort zum Marktführer zu werden, wo die Post abgeht, und das ist im Moment in Asien der Fall. «Sieben von zehn Liften weltweit werden zurzeit in Asien verkauft», erklärte Schindler. Mehr Marktanteile statt hohe Margen ist nun die Devise, denn der Konzern muss sich in den Märkten der Schwellenländer seinen Teil des Kuchens sichern. Das geht nur, wenn Schindler auch dort produziert, wo die Kunden sind.

In das Wachstum investieren

«Wir müssen das, was wir in Europa geschafft haben, auch in Asien erreichen», sagte Schindler. Während das Unternehmen in den meisten Märkten die Nummer 1 ist oder zumindest zu den drei führenden Anbietern gehört, muss Schindler in Asien noch deutlich an Marktanteilen zulegen. Deshalb werden in China und Indien je zwei neue Fabriken gebaut. Allein das Gelände der neuen Lift- und Fahrtreppenproduktion umfasst 40 Fussballfelder, die Fabrik in Indien ist halb so gross. Ebenfalls investiert wird in neue Fabriken in den USA und in Osteuropa. Insgesamt sind über 300 Millionen Franken für diese Projekte vorgesehen. Doch auch der Schweizer Standort in Ebikon wird nicht vergessen. Hier sollen für 70 bis 80 Millionen Franken ein Besucherzentrum mit einem Mitarbeiterrestaurant und ein Parkhaus entstehen. Darüber hinaus wird das Managementgebäude saniert.

30 Stellen verlagert

«Wir investieren auch in der Schweiz, eine Stellenverlagerung nach Asien ist nicht geplant», sagt Firmenchef Jürgen Tinggren. Zwar seien in den vergangenen Monaten 30 Stellen aus dem Einkauf von der Schweiz nach Asien verlagert worden, aber die Mitarbeiter hätten entweder eine andere Stelle im Konzern gefunden oder seien umgezogen, so Tinggren. Insgesamt 900 neue Stellen sind im vergangenen Geschäftsjahr entstanden, in diesem Jahr sollen noch einmal 2000 dazukommen.

«Die Stellen entstehen aber dort, wo wir stark wachsen», betont Tinggren. Wie erwartet sind das die Länder in Asien. «Wir profitieren von den Trends wie der Urbanisierung in den aufstrebenden Ländern, aber auch von einer immer älter werdenden Bevölkerung in den Märkten Europas», sagt Tinggren. «Wir haben ein sehr gutes Jahr hinter uns», fügt er an.

So konnte sowohl der Umsatz als auch die Zahl der eingehenden Aufträge gesteigert werden. So ist der Auftragseingang 2012 um 8,7 Prozent, der Umsatz um 5,1 Prozent und der Gewinn abzüglich der Restrukturierungskosten aus dem Jahr 2011 um 9,9 Prozent auf 730 Millionen Franken gestiegen.

Asien träg bereits heute etwas mehr als ein Drittel zum Umsatz bei. Gut gefüllt ist auch die Kasse des Konzerns. Etwa 2,3 Milliarden Franken liquide Mittel stehen zur Verfügung. So sind natürlich auch Zukäufe ein Thema. «Es fehlt nicht am Geld, aber an geeigneten Kaufobjekten», erklärt Tinggren.

Fürs laufende Jahr erwartet das Unternehmen eine Umsatzsteigerung von 6 Prozent in Lokalwährungen und einen Konzerngewinn zwischen 740 und 790 Millionen Franken. Die Dividende für 2012 soll um 10 Prozent auf 2.20 Franken pro Aktie erhöht werden.

Die Schindler-Aktien verloren gestern nach Veröffentlichung der Jahreszahlen an Wert. Zum Börsenschluss lag der Kurs 1,4 Prozent unter dem Wert des Vortages. Der Gesamtmarkt, gemessen am Swiss Leader Index (SLI), lag 0,9 Prozent im Plus.