Loosli
Geschäft mit Bad- und Küchenträumen

Die Familienunternehmung Loosli AG in Wyssachen entwickelte sich von der Möbelschreinerei zum industriellen Holzverarbeiter. Was als Einmannschreinerei begann, hat sich innert 53 Jahren zu einem Industriebetrieb mit über 100 Angestellten entwickelt. Die Loosli-Gruppe in Wyssachen ist heute landesweit einer der grössten Bad- und Küchenbauer.

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Manfred Loosli

Manfred Loosli

Schweiz am Sonntag

Von Franz Schaible

Mit einer traditionellen Möbelschreinerei hat die Firma Loosli in Wyssachen kaum mehr etwas gemeinsam. In den riesigen Werkshallen steht ein Maschinenpark wie in einem mittelgrossen Industriebetrieb: CNC-gesteuerte automatische Bohr- und Fräsanlagen sowie Roboterkräne, vollautomatische Kantenbeschichtungsmaschinen, Plattensägen, Verpackungsmaschinen. «Die stetige Modernisierung des Maschinenparks erlaubt uns eine noch flexiblere Produktion, einen höheren Ausstoss und kürzere Durchlaufzeiten», erklärt Manfred Loosli, Geschäftsführer der Loosli-Gruppe in Wyssachen. Das lässt sich die Firma einiges kosten. Allein in den vergangenen fünf Jahren investierte Loosli, der den Familienbetrieb in zweiter Generation führt, gegen fünf Millionen Franken in neue Maschinen.

Mit 108 Angestellten soliden Umsatz erwirtschaftet

1956 legte der diplomierte Schreinermeister Paul Loosli den Grundstein für die heutige Firmengruppe. Er gründete die Loosli + Co. in Wyssachen. Nach ersten Betriebserweiterungen und neuen Maschinen stellte die Firma 1975 das erste Bademöbel her. Seit damals wurde dieser Bereich stetig ausgebaut, bis zum wichtigsten Standbein der Familienfirma. «Der Anfang war hart, weil wir mit praktisch nichts begonnen haben. Wir mussten damals den Gürtel eng schnallen», wird der heute 88-jährige Firmengründer in einem Portrait zitiert. Er wisse, dass der Firmenaufbau ohne seine Frau Rösi unmöglich gewesen wäre: «Sie machte alle administrativen Arbeiten im Büro und war immer präsent.»
1985 ist sein Sohn Manfred Loosli in den Betrieb eingetreten. Der gelernte Schreiner mit Meisterprüfung übernahm die Geschäftsleitung von seinem Vater in einer fliessenden Phase. Der damals 25-jährige Manfred Loosli begann, den Verkauf gezielt auszubauen, und sein Vater unterstützte ihn laufend, die Infrastruktur und den Maschinenpark zu modernisieren und zu erweitern. 2002 übernahmen er und seine Ehefrau Barbara den Betrieb von den Gründereltern. Zur Familienholding Loosli B + B Holding AG gehören heute die drei Tochterfirmen Loosli + Co. AG, Loosli Bademöbel AG und Neue Santec AG, alle mit Standort Wyssachen. Insgesamt beschäftigt die Familiengruppe heute 108 Angestellte. 2008 wurde ein Umsatz von rund 20 Millionen Franken erwirtschaftet. Manfred Loosli ist 49-jährig und wohnt mit seiner Familie im Dorf Wyssachen. Der Vater von fünf Kindern hat sich bereits Überlegungen zur Nachfolgeregelung gemacht. Er geht davon aus, dass der Betrieb in Familienhand bleiben wird. «Bis in fünf Jahren werden die ersten Weichen gestellt, um dann in zehn Jahren die definitive Lösung zu haben», blickt Loosli voraus. (FS)

Individuelle Produktion und zuverlässige Lieferung - auf diesen zwei Fertigkeiten basiere der Erfolg als Hersteller von Bademöbeln, Küchenmöbeln und Schränken, umschreibt Loosli die Philosophie des Traditionsbetriebes. «Wir stellen keine Grossserien für riesige Überbauungen her, sondern vielmehr individuelle Möbel, zugeschnitten auf den Kundenwunsch.» Zudem sei es eben dank dem grossen Maschinenpark und der Automatisation möglich, eine hohe Fertigungstiefe zu erreichen. «Diese Unabhängigkeit von Zulieferern erlaubt es uns, kurze Lieferzeiten einzuhalten.» Diese betrage zwei bis drei Wochen ab Bestellung. Manfred Loosli sieht darin auch einen «Schutz gegenüber der ausländischen Konkurrenz». Die Kombination von der Einzelfertigung und schneller Durchlaufzeit biete echte Wettbewerbsvorteile.

Diese Individualität bestätigt sich auf dem Betriebsrundgang. Denn die versandbereiten fertigen Möbel, sowohl für das Bad wie die Küche, unterscheiden sich derart in Form, Ausgestaltung, Material und Farbe, dass der Begriff Massenproduktion tatsächlich fehl am Platz wäre. Loosli zeigt, wie die Kundenwünsche in der Arbeitsvorbereitung auf CAD-Computern erfasst, aufbereitet und dreidimensional visualisiert und die Daten und Masse direkt an die Bearbeitungsmaschinen in der Produktionshalle «geschickt» werden.

Aufgrund dieser Daten werden die entsprechenden Holzplatten von Roboterkränen im vollautomatischen Hochregallager geholt, sanft auf die Plattensäge aufgelegt, wo sie individuell zugeschnitten werden. Auf dem weiteren Weg werden die nötigen Löcher millimetergenau gebohrt, Nuten und Fugen angebracht, Kanten beschichtet, Zubehör eingebaut, bis die Einzelteile in der Montage zusammengebaut und versandbereit verpackt werden. «Die Möbel sehen teilweise etwas banal aus, aber dahinter steckt viel Technologie», sagt der 49-jährige Firmenchef bei der Präsentation einiger «Stücke».

Mit der Übernahme der Konkurrentin Santec AG im zürcherischen Ossingen im Frühling 2001 wurde die Firma Loosli zum zweitgrössten Bademöbelhersteller der Schweiz. Beliefert wird in diesem Bereich ausschliesslich der Sanitär-Grosshandel. Seit fünf Jahren wird der Aufbau eines zweiten Standbeines gezielt vorangetrieben: Möbel für die Küche. Mit Erfolg, wie Manfred Loosli sagt. Im Küchenbau sei Loosli schweizweit zwar «nur einer unter vielen, aber in der Region Oberaargau inzwischen der Grösste». Der Umsatz sei massiv gesteigert worden, im vergangenen Jahr um rund 40 Prozent. Beliefert werden hier die Endkunden direkt. Vorerst konzentriere man sich auf die nähere Region als Marktgebiet. Nach wie vor ist aber der Bademöbelsektor mit einem Anteil von rund drei Vierteln am Gesamtumsatz von 20 Millionen Franken der weitaus wichtigste Bereich.

Familienbetriebe

Sie stehen nicht im Rampenlicht - trotzdem sind sie das Fundament der Schweizer Wirtschaft: die KMU. Ohne die meist familiengeführten kleinen und mittleren Unternehmen läuft nämlich nicht viel. Im Kanton Solothurn entfallen auf die KMU (bis 250 Angestellte) 99,7 Prozent aller Betriebe im 2. und 3. Sektor. Sie beschäftigen rund 91 800 Angestellte oder 84 Prozent aller Arbeitnehmer. Im Kanton Bern entfallen von den 35 000 privatwirtschaftlich geführten Betrieben 99,5 Prozent auf das Segment der KMU. Sie beschäftigen deutlich mehr als die Hälfte aller 460 000 Angestellten. Wir stellen in einer Serie KMU-Vertreter vor, die sich national und international auf ihren Märkten erfolgreich behaupten können. (FS)

Die Diversifikation kam offensichtlich im richtigen Moment. Denn der Sanitär-Grosshandel stehe seitens der Generalunternehmen unter einem massiven Preisdruck, der diesen direkt an die Hersteller «weitergebe». Gepaart mit ersten Auswirkungen der Wirtschaftskrise, habe dies in den ersten Monaten 2009 zu einem Umsatzrückgang von 10 bis 20 Prozent geführt. Deshalb habe man auch das Thema Kurzarbeit diskutiert. «Aber eine Einführung ist zurzeit noch kein Thema.» Ziel sei, diesen Ausfall im Bademöbelbereich mit Wachstum im Küchenbau zu kompensieren.

Der Familienbetrieb trage Sorge zu den Angestellten. «Unser Auftrag als Unternehmerfamilie ist es, den Menschen Arbeit zu geben», meint Loosli. Zwar müsse ein Betrieb rentabel arbeiten, um mit Investitionen seine Zukunft zu sichern. Es dürfe in erster Linie aber nicht nur darum gehen, Geld für das eigene Portemonnaie zu verdienen. Loosli: «Ein Unternehmer hat auch soziale Aufgaben. Dazu gehört die Schaffung und Bewahrung von Arbeitsplätzen. Das ist nötig, damit die Sozialstruktur in einer Region erhalten bleibt.» Die Loosli-Gruppe ist heute mit 108 Angestellten der grösste regionale Arbeitgeber.