Paris
Geschäftspotenzial entdeckt: Wirtschaft macht beim Klima Druck

Konzerne wie Unilever, Philips oder Swiss Re machen sich auf der Weltklimakonferenz für ambitionierte Ziele stark. Als wäre es voraussehbar gewesen, dass genau zu diesem Zeitpunkt die Verhandlungen um ein globales Klimaabkommen ins Stocken geraten.

Yvonne von Hunnius
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Zur Halbzeit der grössten UNO-Konferenz der Geschichte wurde die Bühne geöffnet für Wirtschaftsvertreter, die für einen klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft eintreten

Zur Halbzeit der grössten UNO-Konferenz der Geschichte wurde die Bühne geöffnet für Wirtschaftsvertreter, die für einen klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft eintreten

Keystone

«Es wäre unfair, allein von den Politikern zu fordern, die Klimaprobleme zu lösen», sagte Paul Polman auf der Klimakonferenz in Paris. Der CEO des Unilever-Konzerns sieht die Wirtschaft in der Verantwortung. Zur Halbzeit der grössten UNO-Konferenz der Geschichte wurde die Bühne geöffnet für Wirtschaftsvertreter, die für einen klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft eintreten. Als wäre es voraussehbar gewesen, dass genau zu diesem Zeitpunkt die Verhandlungen um ein globales Klimaabkommen ins Stocken geraten und positive Impulse gefragt sind.

Wirtschaft ist entschlossen

Paul Polman ist einer der entschiedensten Wirtschaftsführer, die dafür eintreten, dass eine ambitionierte Klimapolitik als Basis für eine gesunde Wirtschaft gesehen wird: «Nichts in Klimafragen zu unternehmen, kommt inzwischen teurer, als sich zu engagieren.» Nicht zuletzt, weil die Reputation das Wichtigste sei, was Unternehmer zu schützen hätten. Der Gigant im Bereich der Lebensmittel und Konsumgüter mit Marken wie Knorr oder Rexona hat im Vorfeld der Pariser Konferenz bekannt gegeben, bis zum Jahr 2030 den Energie-Verbrauch des gesamten Konzerns komplett auf erneuerbare Quellen umzustellen.

Welche Geschäftspotenziale in einem klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft stecken, wird bei Philips deutlich. Als einer der weltweit grössten Elektronikkonzerne hat Philips die Skaleneffekte globaler Energieeffizienz-Massnahmen vor Augen. In Paris sagte CEO Eric Rondolat: «Licht macht 20 Prozent des Elektrizitätsverbrauchs aus und mit neuen Technologien könnten wir bis zu 80 Prozent davon einsparen.» Ein Mentalitätswandel ist somit für Philips genauso wie für den Reifenhersteller Michelin ein gutes Geschäft. Michelin-CEO Jean-Dominique Senard brach in Paris eine Lanze für die Transport-Branche, die die Zeichen der Zeit verstanden hätte. Besonders entschlossen zeigte sich Jack Ma, der Gründer und Chef von Chinas grösster IT-Plattform Alibaba. «Je grösser die Probleme sind, desto mehr Geschäftsmöglichkeiten gibt es», sagte er im Plenum.

Risiken schaden dem Geschäft

Wachsendes Risiko ist für die Wirtschaft das wichtigste Argument. Dies verdeutlicht ein aktueller Bericht der UNO in Zusammenarbeit mit der University of Cambridge. Besonderes Risiko sieht er bei Investitionen in energieintensive oder von fossilen Brennstoffen abhängige Branchen. Noch ist eine Messung des CO2-Fussabdrucks von Investitionen nicht gängige Praxis, doch die Finanzwirtschaft bewegt sich: Das zeigen laut UNO tausend Investoren, die sich zu Klimamassnahmen im Wert von 30 Milliarden Euro (32,5 Milliarden Franken) verpflichtet haben. Vorn dabei sind der niederländische Pensionsfonds ABP oder das französische Finanzinstitut Caisse de Dépots.

Versicherungen mit an Bord

Dabei spielt die Versicherung von Naturkatastrophen eine immer grössere Rolle – Rückversicherer sehen sich längst als Teil der Lösung. Die G7-Staaten wollen dieses marktwirtschaftliche Instrument in Paris weiter vorantreiben. Das nötige Geld für eine Initiative wird gerade gesammelt – allein Deutschland hat 150 Millionen Euro (163 Millionen Franken) zugesichert. Bis 2020 will man unter anderem in Kooperation mit Munich Re 400 Millionen Menschen gegen wetterbedingte Schäden versichern.Denn noch sind mehr als 70 Prozent der Naturkatastrophen nicht durch Versicherungen abgedeckt, betonte in Paris Michel Lies, der Kopf des Schweizer Rückversicherers Swiss Re.

Die starke Einbindung des privaten Sektors ist bedeutend für den Klimagipfel. Frankreichs Präsident François Hollande sagte am Samstag, noch sei alles offen bei den Verhandlungen, doch: «Immer mehr Unternehmen gehören einer Avantgarde an und setzen Klimapolitik in ihrem Bereich um.»