Reisebeschränkungen
Geschlossene Grenzen: Die Industrie will die Einreise für Spezialisten lockern

Fachkräfte und Kunden müssen wieder in die Schweiz reisen können, fordern mehrere Wirtschaftsverbände. Die Reisebeschränkungen gehörten für die Maschinenindustrie zu den drei wichtigsten Probleme bei der Bewältigung der Krise.

Andreas Möckli
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Für die Wartung von Maschinen sind oft auch ausländische Spezialisten gefragt.

Für die Wartung von Maschinen sind oft auch ausländische Spezialisten gefragt.

Keystone

Die Einreisesperren der Schweiz werden für die Industrie zum Problem. Mitte März hat der Bundesrat die Einreise aus Nachbarländern wegen der Coronakrise stark eingeschränkt, nur kurze Zeit später wurde dies auf alle Länder ausgeweitet. Die Regeln sind strikt. Einreisen können neben Schweizer Bürgern oder Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung nur noch etwa Spezialisten aus dem Gesundheitswesen oder Transporteure.

Mehrere Wirtschaftsverbände fordern nun eine Lockerung dieser Regeln, an vorderster Front Swissmem, der die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie vertritt. Grenzüberschreitende Reisen seien gerade für den Maschinen- und Anlagebau sehr wichtig, sagt Direktor Stefan Brupbacher. Ausländische Kunden, die in der Schweiz Maschinen kauften, würden diese oft hier vor Ort abnehmen. Dies sei in vielen Fällen vertraglich mit gestaffelten Zahlungen vereinbart und deshalb für die Liquidität der Firmen enorm wichtig.

Reisen sind auch für künftige Deals wichtig: «Kunden aus dem Ausland möchten teils Maschinen oder Anlagen in der Schweiz anschauen, bevor sie sich für einen Kauf entscheiden», sagt Brupacher. Hier gehe es oft um Investitionen von mehreren Hunderttausend Franken oder mehr. Die Auftragslage in der Branche sei wegen der Coronakrise ohnehin stark angeschlagen. «In dieser Situation ist jeder neue Auftrag Gold wert.» Dies sollte nicht durch strikte Einreiseregeln behindert werden. Gleichzeitig sind Schweizer Firmen vielfach darauf angewiesen, dass ihre Maschinen gewartet werden. So brauche es etwa ausländische Spezialisten, um Komponenten einer komplexen Maschine zu überholen. Auch das sei derzeit nicht möglich.

Das Problem kann sich rasch multiplizieren

Das Problem sei nicht zu unterschätzen. Laut einer Umfrage unter den Mitgliedern von Swissmem seien die Reisebeschränkungen eines der drei wichtigsten Probleme bei der Bewältigung der Coronakrise, sagt Brupbacher. Daneben zählten vor allem die unterbrochenen Lieferketten und die Liquidität zu den grössten Herausforderungen. Die Lieferketten sind es denn auch, die gestört werden, wenn einzelne Firmen wegen stillstehender Maschinen nicht produzieren können. Das trifft in der Folge Kunden als auch Zulieferer, womit sich das Problem rasch multiplizieren kann.

Untersetzung erhält die Maschinen-, Elektro- und Metallbranche vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. «Auf die Dauer wird die Einreisesperre zum Problem», sagt Chefökonom Rudolf Minsch. Zum Teil bräuchten einzelne Firme schon heute eine Lösung, im Mai müsse es spätestens soweit sein.

Minsch betont, dass die Lockerung nur für einen kleinen, klar definierten Kreis von Personen gelten soll. «Wir sprechen ja nicht von grossen Touristenmassen, die ins Land strömen». Zudem könnten verschiedene Schutzmassnahmen ins Auge gefasst werden. So könnten die Spezialisten nach der Einreise in eine kurze Quarantäne geschickt werden. Auch Massnahmen wie Fieber messen oder Schutzmasken seien denkbar. «Damit kann das Ansteckungsrisiko deutlich reduziert werden», sagt Minsch.

Empfehlungen der EU als Vorbild

Swissmem-Direktor Brupbacher plädiert dafür, dass sich die Schweiz an der EU orientieren soll. In einem Papier fordert die EU-Kommission die Mitgliedstaaten auf, bei den Einreisebestimmungen möglichst koordiniert vorzugehen. Neben dem medizinischen Personal führt die Kommission weitere Berufsgruppen auf, denen es erlaubt sein soll, in die Mitgliedsländer einzureisen. Explizit erwähnt sind dort auch Ingenieure, Energie- und Elektrotechniker. Derzeit kennen aber viele europäische Länder strengere Regeln, was die Einreise anbelangt.

Das zuständige Staatssekretariat für Migration will sich nicht konkret zur Forderung der Wirtschaftsverbände äussern. Generell prüft der Bund mögliche Lockerungen in den Bereichen Einreise, Grenzgänger oder Aufenthaltsbewilligungen, wie ein Sprecher sagt. Bis Ende April unterbreite das Justiz- und Polizeidepartement dem Bundesrat ein Konzept. Sämtliche Schritte würden auch mit Blick auf die Massnahmen der Nachbarländer getroffen.