Missglückte Marketing-Aktion

Geschmacklose «Sandy»-Verkaufskampagne erzürnt Amerikaner

Falls Sie gelangweilt sind während des Sturms: Wie wäre es mit 20 Prozent Rabatt? Eine amerikanische Modefirma stösst viele Amerikaner mit ihrem etwas makaberen «Hurricane Sandy Sale» vor den Kopf. «Es sterben Menschen!», lauten einige der Proteste.

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Die Sandy Marketingaktion findet keinen Anklang

Die Sandy Marketingaktion findet keinen Anklang

Twitter/American Apparel und Keystone

Über 50 Tote, Menschen ohne Zuhause, Schäden von bis zu 50 Milliarden Dollar. Da haben die Amerikaner bestimmt nichts Besseres im Sinn, als zu shoppen. Das dachte sich anscheinend die amerikanische Modefirma «American Apparel». Zur verheerenden Katastrophe fällt ihnen eine neue Marketing Idee ein: Der «Hurricane Sandy Sale» ist ein makaberer Aufruf, an alle Gelangweilten während des Sturms, doch bitte ihre 20 Prozent Rabatt zu beachten. Diesen gibts während 36 Stunden in Filialen an der Ostküste, anlässlich des Sturmes.

«Unglaublich schlechter Geschmack»

Der etwas geschmacklose Versuch, Profit zu machen, kommt bei vielen Amerikanern gar nicht gut an. Auf Twitter löst der «Hurricane Sandy Sale» etliche entsetzte Reaktionen aus. «Es ist schrecklich, aus einer Katastrophe einen Ausverkauf zu machen!» «Was habt ihr euch dabei gedacht?» «Das zeugt von unglaublich schlechtem Geschmack.» «Sandy Sale? Ich werde für immer eure Läden boykottieren!» Ein anderer schlägt sarkastisch Slogans zur Ankurblung des Verkaufs vor: «Wie wäre es mit: Von unseren Preisen weggeblasen

Die Modefirma ist schon früher mit ihren allzu freizügigen und übersexualisierten Werbekampagnen auf Kritik gestossen. «American Apparel» hat seit 2005 auch Filialen in Zürich.

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Zu Fashionista.com äusserte sich ein Sprecher des Modehauses: «Natürlich wollten wir damit niemanden beleidigen. Es ist nur so, dass Marken wie unsere abhängig sind vom Einzelhandelsgeschäft. Wenn diese Geschäfte geschlossen sind, müssen wir mit Wegen aufkommen, diese Verluste wettzumachen.» Falls sie einen Fehler gemacht hätten, dann nur aus den besten Absichten und zum Wohl ihrer Angestellten.

Fairerweise muss erwähnt werden, dass «American Apparel» bei Weitem nicht die einzige Firma mit den zweifelhaften «Sandy»-Verkaufskampagnen war. Auch beispielsweise GAP und Urban Outfitters entschuldigen sich hinterher.

Die Show muss weitergehen

Der Grat zwischen Sensibilität gegenüber Opfern und dem Versuch, das Geschäft am laufen zu halten, ist schmal. Der New Yorker Marathon soll beispielsweise trotz der grossen Verwüstungen in der ganzen Stadt stattfinden. Dies stiess auch nicht nur auf Verständnis. «Ich verstehe, dass der Marathon der lokalen Wirtschaft Einnahmen bringt», sagt James Molinaro, der Chef des Stadtbezirks Staten Island, aber «das ist nicht die Zeit für eine Parade». (msu)