Zürich-Genf zuerst, Nachtnetz zuletzt: So fährt der ÖV sein Angebot wieder hoch

Bereits am 27. April wird das ÖV-Angebot wieder hochgefahren - aber längst nicht überall. In vielen Städten ändert sich vorerst noch nichts, und die Nachtnetze bleiben wohl länger ausser Betrieb.

Stefan Ehrbar
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Noch immer sind im öffentlichen Verkehr viel weniger Leute unterwegs als üblich.

Noch immer sind im öffentlichen Verkehr viel weniger Leute unterwegs als üblich.

Keystone

Läden und Geschäfte wie Gartencenter, Coiffeursalons oder Blumenläden dürfen am 27. April erstmals wieder öffnen. Zwei Wochen später sollen auch Mittel-, Berufs- und Hochschulen den Unterricht wieder aufnehmen. Das bedeutet auch, dass wieder mehr Leute den öffentlichen Verkehr benützen. Deshalb soll auch das Angebot wieder erhöht werden.

Am Dienstag haben die SBB nun bekanntgegeben, welche Verbindungen ab dem 27. April wieder angeboten werden. Postauto und die SBB weisen daraufhin, dass unnötige Reisen und insbesondere Freizeitreisen weiterhin vermieden werden sollten. Das ändert sich:

  • Der IC1, der derzeit nur zwischen Zürich und Freiburg fährt, verkehrt wieder zwischen Zürich und Genf Flughafen. Der Abschnitt Zürich-St. Gallen wird weiterhin nicht bedient.
  • Der IR70 Luzern-Zürich HB fährt wieder wie normal und stellt so den Halbstundentakt zwischen Zürich und Luzern sicher.
  • Der IR75 Zürich HB–Weinfelden–Konstanz fährt wieder zwischen Zürich HB und Weinfelden.
  • Der IR17 Zürich HB–Olten–Bern fährt wieder wie normal und stellt den Halbstundentakt zwischen Olten und Bern über Burgdorf wieder her.
  • Im Zürcher Verkehrsverbund wird das Angebot auf der S19 Dietikon-Effretikon wieder erhöht.
  • In der Westschweiz wird das Angebot auf dem RE Annemasse-Genf-Lausanne-Vevey/St. Maurice auf den Halbstundentakt zwischen Genf und Annemasse erhöht. 

Zudem erhöhen laut den SBB auf den 27. April hin regionale Verkehrsbetriebe ihr Angebot.

Vorerst keine Zusatzzüge

Zusatzzüge zu Stosszeiten bleiben weiter im Depot. Auch viele Intercity-Züge, etwa zwischen Zürich und Lugano oder Zürich und Schaffhausen dürften erst ab dem 11. Mai wieder fahren. Ab dem 2. April dürfte laut einem Branchenkenner zusätzlich der IC3 wieder zwischen Zürich und Basel verkehren.

In den grossen Städten, den sogenannten städtischen Ortsverkehren, finden am 27. April voraussichtlich keine grösseren Änderungen statt - mit wenigen Ausnahmen. Bernmobil wechselt auf den Ferienfahrplan. Bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) heisst es, es gebe am 27. April keine Änderungen. Geplant sei eine Rückkehr zum Normalfahrplan am 11. Mai.

Wohl keine Maskenpflicht im ÖV

Bis dann müssen laut der Vorgabe des Bundes alle Betreiber wieder ihr normales Angebot fahren. Auch Postauto hat in einer Mitteilung die Rückkehr zum Normalfahrplan auf dann angekündigt.

Die Umstellung in den Städten könnte aber teils bereits früher geschehen. In St. Gallen etwa werde voraussichtlich ab dem 4. Mai wieder der normale Fahrplan eingeführt, sagt Unternehmensleiter Ralf Eigenmann. «So bleibt uns eine Woche Zeit, in der sich das System wieder einspielen kann.» Es könne aber auch danach noch zu Anschlussbrüchen kommen.

Am 11. Mai, wenn der Regionalverkehr der Bahnen wieder hochgefahren werde, müsse der städtische Verkehrsbetrieb bereit sein, um die Fahrgäste aufzunehmen, sagt Eigenmann. Voraussetzung dafür sei, dass genügend Personal zur Verfügung stehe. «Wir sprechen nun mit unseren Mitarbeitern, die zur Risikogruppe gehören, ob sie arbeiten können.»

Logistische Herausforderung

Das Zurücksetzen des ÖV in den Vor-Corona-Zeitpunkt ist insbesondere für die Bahnen eine logistische Herausforderung. Züge müssen an den richtigen Ort gebracht werden, Personal muss disponiert werden und das Rollmaterial nach dem Leerstand auf seine Funktionsfähigkeit getestet werden. SBB-Chef Vincent Ducrot hatte bereits angekündigt, dass die Bahn für diesen Schritt zwei bis drei Wochen Zeit benötige.

Noch keinen Termin gibt es für die Wiederaufnahme der verschiedenen Nachtnetze an den Wochenenden. Solange Bars, Clubs und Restaurants geschlossen sind, dürften diese Angebote aber sowieso nur wenige Kunden finden.